Am 1. August 1984 wurde die bußgeldbewehrte Gurtpflicht für die Vordersitze eingeführt. 40 Mark Strafe hatten enorme Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit in Deutschland.
Vor 40 Jahren war der Sicherheitsgurt schon keine neue Erfindung mehr. Entwickelt hatte den Dreipunktgurt Nils Bohlin, ein Ingenieur bei Volvo, der ihn 1959 erstmals in Serienfahrzeugen einführte. Bereits Januar 1976 trat in der Bundesrepublik Deutschland die Gurtpflicht für die Vordersitze in Kraft.
Erheblicher Widerstand gegen die Gurtpflicht
Diese Regelung, die heute als selbstverständlich gilt, stieß damals auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung. Viele Autofahrer sahen in der Pflicht, sich anzuschnallen, eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit und argumentierten, dass der Staat keine Maßnahmen zum Selbstschutz vorschreiben dürfe.

Die Gegner der Gurtpflicht führten verschiedene Argumente ins Feld: Einige befürchteten, bei einem Unfall im Auto eingeklemmt zu werden und nicht rechtzeitig entkommen zu können, etwa bei einem Brand oder einem Sturz ins Wasser. Andere behaupteten, in bestimmten Fällen sei es sicherer, aus dem Fahrzeug geschleudert zu werden, als angeschnallt zu bleiben. Auch irrationale Ängste, wie das Verbrennen im Auto, wurden verbreitet. „Gefesselt ans Auto“ titelte der Spiegel noch 1975. Diese Ängste und Fehleinschätzungen prägten die Diskussion stark und führten dazu, dass viele die neue Regelung ablehnten.

Im Jahr 1974 startete das Bundesverkehrsministerium eine umfangreiche Aufklärungskampagne unter dem Motto „Klick – Erst gurten, dann starten“, um die Vorteile des Sicherheitsgurtes zu betonen. Trotz dieser Bemühungen und der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit der Gurte blieb die Akzeptanz gering. Ein entscheidender Wendepunkt war die Einführung eines Bußgeldes im Jahr 1984, wodurch die Gurtanlegequote deutlich anstieg.
Einführung des Bußgeldes: Ein Wendepunkt
Am 1. August 1984, vor genau 40 Jahren, wurde die bußgeldbewehrte Gurtpflicht für die Vordersitze eingeführt. Siegfried Brockmann, Geschäftsführer Verkehrssicherheit und Unfallforschung der Björn Steiger Stiftung, bezeichnete den Sicherheitsgurt als „Lebensretter Nummer Eins“. Er erinnerte an die erheblichen, aus heutiger Sicht weitgehend irrationalen Widerstände. „Fake News gab es auch damals schon“, sagte Brockmann.
Allein die 1976 eingeführte gesetzliche Verpflichtung zum Anschnallen reichte zunächst nicht aus: Die Anschnallquote lag bei rund 60 Prozent, innerorts sogar nur bei knapp über 40 Prozent. Erst das Bußgeld von damals 40 DM sorgte für ein Hochschnellen dieser Quote auf insgesamt mehr als 90 Prozent. Auf die Zahl der Unfallopfer hatte dies dramatische und bis heute von keiner anderen Einzelmaßnahme erreichte Auswirkungen: Von Oktober 1984 bis Juli 1985 sank die Zahl der im Auto getöteten Menschen um fast 1500, die Zahl der Schwerverletzten ging um rund 15.000 zurück. Sowohl die Gurtpflicht selber als auch die Einführung des Bußgelds seien daher politisch mutige und historisch bedeutende Maßnahmen gewesen, so Brockmann.

Heute liegt die Anschnallquote bei rund 99 Prozent. Gleichzeitig waren rund 25 Prozent aller im Fahrzeug Getöteten nicht angeschnallt. „Würde sich jeder anschnallen, hätten wir 200 Getötete weniger pro Jahr“, rechnet Brockmann vor. Dazu müsse man mit dem Irrglauben aufräumen, man könne sich bei geringen Geschwindigkeiten mit den Armen abstützen. Die Unbelehrbaren müssten, wie damals, mit einem auf 100 Euro erhöhten Bußgeld und verstärktem Kontrolldruck „überzeugt“ werden.

Gurtpflicht rettete Hunderttausende Menschenleben
Die Einführung der Gurtpflicht hatte zweifellos positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Bereits im ersten Jahr nach der Einführung wurden über 1500 Menschenleben gerettet. Langfristig zeigte sich ein deutlicher Rückgang der Verkehrstoten: Während 1970 noch über 19.000 Menschen in der Bundesrepublik im Straßenverkehr ums Leben kamen, waren es 2023 nur noch 2.830 in Gesamtdeutschland. Diese Zahlen sind auch unter Berücksichtigung der Tatsache bemerkenswert, dass die Anzahl der Fahrzeuge seit den 1970er Jahren stark gestiegen ist.
Keine andere Maßnahme wie der einfache Klick vor dem Losfahren hat so viele Menschen im deutschen Straßenverkehr gerettet.




























