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Wolfgang Kleinöder und die visuelle Poesie der Sprache

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Wolfgang Kleinöder vorm FRANZ. Foto: Alexander Fichtner

Wörter verschwinden. Still und leise werden sie aus dem Duden gestrichen, aus dem Alltag verbannt, geraten in Vergessenheit. Doch nicht, wenn es nach Wolfgang Kleinöder geht. Der Künstler aus Oberhausen macht Sprache sichtbar – und erfahrbar. Seine Ausstellung „Die Kraft der Wörter“, die ab dem 4. April im FRANZ in Dorsten zu sehen ist, lädt dazu ein, sich spielerisch und kritisch mit der Macht der Sprache auseinanderzusetzen.

Eines seiner bekanntesten Projekte ist der „Wörterfriedhof“. Inspiriert wurde Wolfgang Kleinöder von einer Nachricht im Radio: Der Duden wird überarbeitet, alte Wörter verschwinden, neue Begriffe wie das Gendersternchen kommen hinzu. Doch was passiert mit den Wörtern, die aus dem kollektiven Sprachschatz gelöscht werden? Kleinöder gibt ihnen einen letzten Ruheort. Auf großen Tafeln, die an Grabsteine erinnern, stehen sie eingraviert: einst geläufige, heute kaum noch genutzte Begriffe. Ein stiller, ironischer Protest gegen das Vergessen.

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Am Montag wurde noch gearbeitet. Foto: Alexander Fichtner

Interaktive Wortkunst bei Wolfgang Kleinöder

Doch Sprache ist nicht nur Archiv, sondern auch Bewegung. Wolfgang Kleinöder lädt das Publikum ein, selbst Teil seiner Kunst zu werden. In einer interaktiven Installation erscheinen Wörter erst, wenn man die Hand auf eine Fläche legt – durch die Wärme der Haut tauchen sie langsam aus dem Dunkel auf. Begriffe aus dem Ruhrgebiet wie „Killefit“, „Schmu“ oder „Firlefanz“ kommen plötzlich wieder zum Vorschein. Ein magischer Moment, in dem Sprache sich entfaltet und lebendig wird.

Kein Schmu. Foto: Alexander Fichtner

Von Genderfragen bis Gebärdensprache

Es wird interaktiv. Foto: Alexander Fichtner

Wolfgang Kleinöders Werk ist nicht nur verspielt, sondern auch politisch. Er beschäftigt sich mit der Genderdebatte und entwickelt männliche und weibliche Wortvarianten. Als Lehrer für Mediengestaltung und Drucktechnik an einem Berufskolleg für Hörgeschädigte in Essen integriert er auch die Gebärdensprache in seine Kunst. Sprache ist für ihn mehr als nur gesprochene oder geschriebene Worte – sie ist visuelle Poesie, die sich über viele Sinne erfahren lässt.

Kunst für alle – Ein besonderes Gesprächsformat

In diesem Jahr geht Kleinöder noch einen Schritt weiter: Er öffnet sein Kunstgespräch am 26. April nicht nur für das klassische Ausstellungspublikum, sondern auch für Gehörlose. „Ja, das ist jetzt das Besondere, dass wir das Kunstgespräch diesmal auch für ein breites Publikum öffnen. Wir hoffen, dass viele teilnehmen und diese Möglichkeit wahrnehmen“, sagt der Künstler.

Ausstellungsansicht. Foto: Alexander Fichtner

Die Idee, Kunst für unterschiedlichste Zielgruppen zugänglich zu machen, entstand bereits bei einer Ausstellung in der Ludwiggalerie. Dort organisierte Bärbel Frank, die sich intensiv mit Kunstvermittlung für blinde und sehbehinderte Menschen beschäftigt, eine spezielle Blindenführung. Eine andere Kollegin bot eine Führung für Menschen mit Demenz an, während Wolfgang Kleinöder selbst ein Format für Gehörlose entwickelte. „Diese Erfahrungen haben uns inspiriert, solche besonderen Angebote weiter auszubauen und für verschiedene Gruppen erlebbar zu machen“, erklärt er.

Eine Einladung zum Sehen und Denken

In seinen Arbeiten verbindet Kleinöder Typografie, Malerei und Objektkunst. Seine Werke sind stets humorvoll, aber nie albern. Sie greifen gesellschaftliche Debatten auf, kommentieren politische Entwicklungen und fordern dazu auf, Sprache neu zu entdecken.

Ich . du wir Foto: Alexander Fichtner

Die Ausstellung „Die Kraft der Wörter“ von Wolfgang Kleinöder wird am 4. April 2025 eröffnet. Das Kunstgespräch am 26. April bietet eine besondere Gelegenheit, nicht nur über Kunst zu sprechen, sondern sie auch auf neue Weise zu erleben. Wer sich also auf eine Reise durch die Welt der Worte begeben möchte, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Wolfgang Kleinöder
DIE KRAFT DER WÖRTER

Vernissage Freitag, 4. April 2025, 19 Uhr
Kunstgespräch 26. April 2025, 12 Uhr

Freitags 14 – 18 h
Samstags 11 – 14 h

franz    Kultur-Mitte Dorsten

Lippestraße 5

46282 Dorsten-Altstadt

Foto: Alexander Fichtner

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