Der Barloer Busch war am Mittwochvormittag nicht nur ein Ort der Naherholung, sondern Schauplatz einer besonderen kulturellen Begegnung: Die international bekannte Kinderbuchautorin Cornelia Funke hat dem städtischen Waldlehrpfad eine literarische Stimme verliehen. Ihr eigens verfasster Text wurde im Rahmen einer feierlichen Zeremonie der Öffentlichkeit vorgestellt – in Form einer kunstvoll gestalteten Stele aus Eichenholz.
Bereits an der Marler Straße ließ der mit bunten Ballons geschmückte Eingang erahnen, dass etwas Besonderes bevorstand. Zahlreiche Gäste waren der Einladung des Försters und Waldpädagogen Bernhard von Blanckenburg gefolgt – darunter Bürgermeister Tobias Stockhoff, Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst, Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, engagierte Helferinnen und Helfer sowie eine erste Klasse der Pestalozzischule.

Von der Idee zum Beitrag
Die Initiative für den prominenten Textbeitrag ging von Förster Bernhard von Blanckenburg aus. Mit Unterstützung von Lambert Lütkenhorst, der Cornelia Funke auf einer Buchmesse ansprach, und einem persönlichen Brief nach Volterra in der Toskana, kam die Zusammenarbeit zustande.

Funke zeigte sich interessiert, stellte gezielte Fragen zum Waldlehrpfad und schickte schließlich noch vor Weihnachten 2024 einen poetischen Text über die Vielstimmigkeit des Waldes.

Ein Festakt zwischen Eichen und Buchen
Den feierlichen Rahmen bildete ein gemeinsamer Gang durch den Wald bis zur großen Schutzhütte. Links und rechts des Weges wehten bunte Luftballons, ein Portrait der Autorin war aufgestellt, dekoriert mit Schleifen in den italienischen Nationalfarben – eine Anspielung auf Funkes heutigen Wohnsitz.

Angeführt von Bürgermeister Stockhoff bewegte sich die Gruppe durch den schattigen Wald. An der geschmückten Stele angekommen, sprach zunächst Dr. Edelgard Moers, Pädagogin und Autorin, über Funkes Werk. Anschließend rezitierte sie den Beitrag der Schriftstellerin: „Der Wald ist voller Stimmen.“ Ein stiller, bewegender Moment entstand unter den Baumkronen, die der Bürgermeister zuvor als „grüne Kathedrale“ bezeichnet hatte.

Kinder tragen Funke-Worte weiter
Besonderes Augenmerk galt den Kindern der Klasse 1c, die den Text zuvor im Unterricht besprochen und eigene Verse verfasst hatten. In kleinen Gruppen trugen sie ihre Gedanken über den Wald, den Klimawandel und die Bedeutung der Natur vor. „Der Wald ist voller Stimmen, wenn wir genau hinhören“, sagte eine Schülerin. Ein anderer ergänzte: „Wir müssen den Wald schützen. Der Klimawandel ist nicht so einfach auszutricksen.“ Die Beiträge wurden mit langanhaltendem Applaus bedacht.
Gemeinschaftsprojekt mit vielen Beteiligten
Die Gestaltung der Stele lag in den Händen des Tischlermeisters Frank Vennemann. Die grafische Umsetzung übernahm Designerin Astrid Hochstrat. Unterstützt wurde die Aktion unter anderem von der Dorstener Arbeit, deren Mitarbeitende bei der Vorbereitung und Pflege des Pfads tatkräftig mitanpackten. Der Verkehrsverein übernahm die Kosten für die Stele, die nun dauerhaft im Wald zu sehen ist.

Ein Beitrag mit bleibender Wirkung
Der literarische Text von Cornelia Funke ist weit mehr als Zierde: Er ist ein eindrucksvolles Plädoyer für Achtsamkeit gegenüber der Natur und ein weiterer Baustein der städtischen Umweltbildungsarbeit. „Ein Geschenk an unsere Stadt“, wie Bürgermeister Stockhoff betonte, „und ein kultureller Impuls für die Feldmark.“

Der Festakt klang in der geschmückten Schutzhütte bei Kaffee, Berliner Pfannkuchen und fröhlichem Kinderlachen aus. Und während sich die Kinder bald darauf wieder neugierig im Wald verteilten, schwebte über ihnen ein grüner Papierschmuckdrache – Symbol für Fantasie, für Geschichten, für das, was bleibt.
Cornelia Funke konnte an diesem Tag nicht persönlich am Waldlehrpfad anwesend sein. Doch ihre Worte waren da – und ihre Botschaft hallt im Barloer Busch nun dauerhaft nach.
Fotos: Jürgen Moers




























