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Das Franziskanerkloster Dorsten: Ein „Werk des Friedens“ seit 1488

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Ein spätmittelalterlicher Fehdestreit legte den Grundstein für das Franziskanerkloster in Dorsten: Nachdem der Mönch Bitter von Raesfeld den Zwist zwischen seinem Bruder Goswin und der Stadt Dorsten geschlichtet hatte, verpflichteten sich beide Parteien, als „Werk des Friedens“ ein Kloster zu errichten. Seit 1488 wird die wechselvolle Geschichte der Franziskaner nun auch in der Lippestadt geschrieben.

Das „Werk des Friedens“ begann kurz nach dem Waffenstillstand: Schon 1488, kurz nachdem der Bau des Konvents beschlossen worden war, kamen die Mönche nach Dorsten und begannen, ihre künftige Wirkungsstätte auszubauen. An die Stelle einer alten Kapelle und eines leeren Bauplatzes traten bald ein kleines Kloster und eine Kirche. Die Zahl der Brüder blieb überschaubar, denn zwischen den Klostermauern war nur Platz für etwa zwanzig Mönche.

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Die Mönche arbeiteten in den eigenen Gärten, Ställen und Werkstätten, die nach und nach ausgebaut wurden. Eine Klosterbrauerei gab es ebenfalls, und selbstverständlich übernahmen die Patres seelsorgerische Aufgaben in Dorsten. So entstand ein lebendiger Mittelpunkt religiösen, sozialen und kulturellen Lebens.

Franziskaner
Pater Heribert und Bürgermeister Stockhoff mit der Gründungsurkunde des Klosters von 1488. Foto: Borgwardt

Krieg und Vertreibung: Der Dreißigjährige Krieg

Die Zeiten blieben jedoch nicht friedlich. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Dorsten von hessischen Truppen besetzt. Da es sich um einen Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten handelte, stieß die Treue der Mönche zu Rom bei den neuen Machthabern auf Ablehnung. Die Franziskaner wurden kurzerhand aus dem Kloster vertrieben und nach Recklinghausen geschickt.

In den leeren Räumen stapelten sich bald Pulverfässer und Musketenkugeln – eine Nutzung, die dem ursprünglichen Auftrag als „Werk des Friedens“ diametral entgegenstand. Nach der Belagerung Dorstens durch kaiserliche Truppen 1641 endete die hessische Herrschaft, und die Mönche kehrten nach acht Jahren in ihre Heimatstadt zurück.

Bildung und Einfluss: Gründung des Gymnasiums Petrinum

Die wieder selbstverwaltete Stadt Dorsten erkannte den Wert der Ordensgemeinschaft für Bildung und Gesellschaft. Bereits 1642 gründeten die Franziskaner das Jungengymnasium Petrinum, das am 3. November des Jahres mit 78 Schülern den Unterricht aufnahm. Die Mönche übernahmen die Lehrerrolle, während die Ursulinen 1699 ein Mädchengymnasium eröffneten. Damit lag die schulische Bildung in Dorsten über Jahrhunderte hinweg maßgeblich in geistlicher Hand.

Franziskaner Petrinum
Das Petrinum neben dem Franziskanerkloster um die Jahrhundertwende. (Foto: Archiv / Rekolorierung: Borgwardt)

Zeiten des Umbruchs: Fremdherrschaft, Krieg und Wiederaufbau

Immer wieder prägten Kriege und fremde Truppen das Klosterleben: Mal quartierten sich französische, mal österreichische Soldaten in den Gebäuden ein. Dennoch überstanden die Gemäuer die Jahrhunderte, bis im März 1945 alliierte Bomben die Innenstadt in Schutt und Asche legten. Die Franziskaner, nicht zum Kriegsdienst eingezogen, fanden zunächst bei Dorstener Familien Unterkunft. Dank der großen Solidarität der Bürger konnte die Kirche bis 1952 wiederaufgebaut werden.

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Die Franziskanerkirche vor 1970. Foto: Archiv

Ein neues Zerwürfnis folgte Jahre später, als der Verkauf eines Teils des Klostergrundstücks an den Woolworth-Konzern einen Keil zwischen Bürger und Franziskaner trieb. Die abgerissene alte Kirche wich einem schmucklosen Betonbau, der noch heute an dieser prominenten Stelle der Innenstadt steht.

Neubau und Moderne: Der Klosterkomplex der 1970er Jahre

Ende der 1970er Jahre entstand an derselben Stelle ein moderner Klosterkomplex mit der neuen St.-Anna-Kirche und der bekannten Klosterpassage. Entworfen vom Dorstener Architekten Manfred Ludes, verzichtete der Bau bewusst auf eine strenge Trennung zwischen geistlichem und öffentlichem Raum. Offenheit und Zugänglichkeit spiegeln das Selbstverständnis der Franziskaner wider: mitten in der Stadt, mitten unter den Menschen.

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Das Franziskanerkloster heute. Foto: Borgwardt

Sicherung der Zukunft: Ankauf durch die Stadt Dorsten

Die Jahre brachten neue Herausforderungen: Der Nachwuchs im Orden ging zurück, viele Brüder erreichten das Rentenalter. Anfang der 2020er Jahre stand deshalb die Frage im Raum, ob die Franziskaner Dorsten verlassen müssten. Der Orden verkaufte das Kloster zunächst an den Caritasverband, sicherte sich jedoch ein Nutzungsrecht, um den Standort weiterzuführen.

2025 griff die Stadt Dorsten ein und erwarb den gesamten Gebäudekomplex – Kirche, Kloster und Klosterpassage – zurück in öffentliche Hand. Damit bleibt nicht nur ein Baudenkmal erhalten, sondern auch die jahrhundertealte Präsenz der Franziskaner in der Lippestadt. Gottesdienste, kulturelle Veranstaltungen, Beratungsangebote und Büroräume sollen künftig unter einem Dach Platz finden – alles im Geiste des ursprünglichen „Werks des Friedens“.

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Die Franziskanerkirche St. Anna. Foto: Borgwardt

Ein Ort des Miteinanders – gestern wie heute

So schließt sich ein Kreis: Das „Werk des Friedens“ von 1488 lebt bis heute fort. Nach Kriegen, Zerstörung und Wiederaufbau bewahrt Dorsten ein Stück lebendige Stadtgeschichte und bietet dem Franziskanerorden zugleich eine stabile Heimat. Der Klosterkomplex bleibt ein Ort, an dem Geschichte, Religion und Stadtgesellschaft aufeinandertreffen – und an dem die Idee des Friedens weiterhin spürbar bleibt.

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