Ein Forschungsteam rekonstruiert antike Infrastruktur: Eine nun veröffentlichte digitale Karte zeigt eindrucksvoll, wie umfangreich das römische Straßennetz war. Ebenfalls zu sehen: In unserer Region war die Lippe Hauptverkehrsweg.
Zur Blütezeit verband ein gewaltiges Netz aus Straßen das Römische Reich – und es war offenbar noch weit umfangreicher, als bislang angenommen. Ein internationales Forschungsteam hat das Straßensystem des antiken Imperiums neu vermessen und nun den bislang detailliertesten digitalen Datensatz dazu veröffentlicht. Die hochauflösende Karte ist online abrufbar und frei zugänglich.
Wie die im Fachmagazin Scientific Data erschienene Studie zeigt, war das römische Straßennetz rund 100.000 Kilometer länger als bisher vermutet. Insgesamt dokumentierten die Forscher 299.171 Kilometer Straßen, die sich über etwa vier Millionen Quadratkilometer erstreckten. Damit verbanden sie ein Reich, das sich über drei Kontinente ausdehnte und auf dem Höhepunkt seiner Macht rund 55 Millionen Menschen zählte.
„Wir präsentieren den detailliertesten und größten offenen digitalen Datensatz zu Straßen im gesamten Römischen Reich“, erklärt Studienautor Tom Brughmans von der Universität Aarhus in Dänemark. Das Team nutzte Daten aus rund 40 Ländern und passte die antiken Routen an die heutige geografische Realität an.
Die Karte findet man hier: https://itiner-e.org/

Auch Dorsten und Haltern in der Karte sichtbar
Ein Blick auf die neue Karte zeigt: Auch Dorsten-Holsterhausen und Haltern am See – beide Standorte bedeutender römischer Militärlager – sind dort verzeichnet. Straßenverbindungen fehlen jedoch, denn im damaligen Germanien waren kaum befestigte Straßen angelegt. Stattdessen nutzten die Römer hier vor allem die Lippe als Verkehrs- und Nachschubroute. Sie verband die Grenzprovinzen mit den Lagern entlang des Flusses und diente als strategische Lebensader des Imperiums im Nordwesten.

Antike Wege, moderne Spuren
Einige der großen Römerstraßen – etwa die Via Appia bei Rom oder die Via Egnatia auf dem Balkan – sind bis heute sichtbar oder bilden sogar die Grundlage moderner Verkehrsachsen. Die nun veröffentlichte digitale Karte zeigt eindrucksvoll, wie präzise die Ingenieurskunst der Antike war – und wie weit das römische Straßensystem reichte, selbst bis an die Grenzen des Imperiums an der Lippe.




























