Viele Menschen in Dorsten, Schermbeck oder im Borkener Raum erinnern sich noch gut an die Zeit, in der Tornados im Tiefflug über die Dächer rasten. Oft klirrte dann das Geschirr in den Schränken. Manchmal war sogar ein Überschallknall zu hören. Besonders Dorsten erlebte diese Szenen regelmäßig, weil die Piloten früher Scheinangriffe auf die Munitionsanstalt in Wulfen übten.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde es still. Militärische Tiefflüge verschwanden fast vollständig. Jetzt kehrt diese Zeit zurück. Die Bundeswehr aktiviert mehrere Tieffluggebiete erneut. Eines davon betrifft das Münsterland besonders stark. Die LFA 2 (LFA steht für „Low Flying Area“) liegt direkt über der Region zwischen Dorsten, Wesel, Schermbeck und dem Kreis Borken.
Rückkehr des Trainings in 75 Metern Höhe
Seit dem 27. November darf die Luftwaffe wieder sehr tief fliegen. Kampfjets wie Tornado und Eurofighter können nun für kurze Übungsphasen auf rund 75 Meter über dem Boden absinken. Diese extrem niedrige Höhe ist im Fachbegriff als 250 Fuß angegeben. Ein solcher Abstieg ist jeweils auf maximal zwei Minuten begrenzt. Dennoch rechnet die Luftwaffe selbst mit deutlich mehr wahrnehmbarem Fluglärm.
Die LFA 2 ist eines der Gebiete, in denen diese Übungen stattfinden. Wegen des flachen Geländes gilt das Münsterland als gut geeignet für intensive Tiefflugverfahren und realistische Anflugprofile.

Die Bundeswehr begründet die Rückkehr des Tiefflugs mit der veränderten Sicherheitslage in Europa. Moderne Luftoperationen benötigen eine umfassende Ausbildung. Dazu gehört auch das Trainieren in sehr niedriger Höhe. Tiefflug hilft den Piloten, gegnerischer Aufklärung zu entgehen. Er ermöglicht es außerdem, Geländeformen zu nutzen und Luftabwehrsysteme besser auszuweichen.
Neue sicherheitspolitische Lage als Grundlage
Diese Verfahren sind anspruchsvoll. Die Piloten müssen bei hoher Geschwindigkeit präzise navigieren und sehr schnell reagieren. Die Zusammenarbeit mit Einheiten am Boden bleibt dabei ein zentraler Bestandteil. Ohne regelmäßiges Training wäre eine sichere Luftunterstützung nicht möglich.

Mehr Trainingszeit möglich
Bereits im Mai wurden frühere Beschränkungen aufgehoben. Dazu gehörte die frühere Begrenzung von maximal 20 Minuten über einem Übungsziel in niedriger Höhe. Im Juli entfiel zudem die Obergrenze für jährliche Tiefflugstunden in 150 Metern Höhe. Durch die erneute Aktivierung der 250-Fuß-Gebiete stehen den Piloten nun alle Höhenbereiche für ein realistisches Training zur Verfügung.
Für die Region bedeutet das, dass in der LFA 2 wieder regelmäßig militärische Tiefflüge stattfinden. Die Bundeswehr betont, dass sie die Belastung so gering wie möglich halten will. Ein neues Monitoring soll die Lärmentwicklung erfassen. Trotzdem rechnet die Luftwaffe mit einer steigenden Zahl von Beschwerden und akustischen Belastungen.

Es wird wieder LAUT
Viele Bürger erinnern sich noch gut an den früheren Fluglärm. Die erneute Aktivierung weckt daher alte Sorgen. Damals wie heute ist klar, dass man die tief fliegenden Jets nicht überhören kann.
Für das Münsterland beginnt damit eine neue Phase. Nach Jahrzehnten der Ruhe kommt ein Stück Geschichte zurück. Und es wird wieder laut am Himmel über Dorsten, Schermbeck und dem Borkener Land.




























