StartBeruf und AusbildungArbeitnehmerempfang in Dorsten: Fairness in schwierigen Zeiten angemahnt

Arbeitnehmerempfang in Dorsten: Fairness in schwierigen Zeiten angemahnt

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Beim traditionellen Arbeitnehmerempfang im Bürgerbahnhof ging es um faire Arbeit, wirtschaftlichen Druck und die Verantwortung von Unternehmen. Gewerkschaften, Stadt und Gäste diskutierten über schwierige Rahmenbedingungen, aber auch über positive Beispiele aus der Praxis.

Unter dem Motto „Arbeit verdient FAIRAntwortung“ haben die Gewerkschaften in Kooperation mit der Stadt Dorsten vor einigen Tagen zum traditionellen Arbeitnehmerempfang in den Bürgerbahnhof eingeladen. Bürgermeister Tobias Stockhoff moderierte die Podiumsdiskussion. Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften, Arbeitgeberseite, Verwaltung und Kirche sprachen über die Lage der Beschäftigten und über die Verantwortung von Unternehmen.

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Dabei wurde deutlich: Faire Arbeitsbedingungen sind auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten möglich. Sie brauchen aber Haltung, Verlässlichkeit und den Willen, Beschäftigte nicht nur als Kostenfaktor zu betrachten.

DGB warnt vor Druck auf Beschäftigte

Mark Rosendahl, Geschäftsführer der DGB-Region Emscher-Lippe, zeichnete zu Beginn ein kritisches Bild der aktuellen Lage. Rezession, schwierige Standortbedingungen, Zölle und ein aggressiv auftretendes China auf dem Weltmarkt belasteten viele Betriebe und Beschäftigte.

Rosendahl warnte davor, die Verantwortung für die Krise einseitig den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zuzuschieben. Einige Unternehmen nutzten die Lage zum Abbau von Arbeitsplätzen und tricksten zugleich bei den Steuern, sagte er. Zugleich unterstellten manche den Beschäftigten, sie seien zu faul. Das sei „asozial“ und lenke von falschen Entscheidungen sowie von der Verantwortung der Unternehmen ab.

Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ setzt sich der DGB für gerechte Steuern auf Kapitalerträge, Erbschaften und Vermögen ein. Reichtum, den Menschen gemeinsam erwirtschaften, müsse auch der Gesellschaft zugutekommen. „Unsere Renten werden nicht von Aktionären erwirtschaftet, sondern von den Beschäftigten“, machte Rosendahl deutlich.

Unternehmer setzt auf Ausbildung und Betriebsklima

Dass faire Arbeitsbedingungen und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen können, schilderte Fahrradhändler Klaus Schmitz. Der Unternehmer, seit Kurzem auch Vorsitzender des Vereins „Sag JA! zu Dorsten“, beschäftigt an seinen Standorten in Dorsten und Oberhausen 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Gespräch mit Bürgermeister Stockhoff berichtete Schmitz, dass das Berufsbild im Fahrradhandel deutlich anspruchsvoller geworden sei. Gute Mechaniker zu finden, falle heute sehr schwer. Deshalb setzt er in seinem Unternehmen auf ein gutes Betriebsklima, Weiterbildung, Schulungen und vor allem auf Ausbildung. „Wir brauchen Nachwuchs, sonst können wir nicht erfolgreich sein“, sagte Schmitz.

Fachkräftemangel trifft auch die Stadtverwaltung

André Sänger, Personalratsvorsitzender der Stadt Dorsten, gab Einblicke in die Arbeitsbedingungen der Verwaltung. Besonders in den unteren Lohngruppen spüre die Stadt den Mangel an Fachkräften. Gerade für diese Beschäftigten wünsche er sich Verbesserungen, damit die Stadt als Arbeitgeber attraktiv bleibe und Mitarbeitende langfristig binde.

Sänger machte deutlich, dass viele Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge Menschen brauchen. „Der Müll wird nicht von einer Künstlichen Intelligenz abgeholt, sondern von unseren Kolleginnen und Kollegen“, sagte er.

Reinigungsbranche kämpft um Wertschätzung

Angelika Sczesny, Vorsitzende der DGB-Ortsgruppe Dorsten und Mitglied des Kreisvorstandes, berichtete aus der Reinigungsbranche. Viele Menschen nähmen diese Arbeit kaum wahr, obwohl die Beschäftigten harte körperliche Arbeit leisten. Lohnerhöhungen kämen bei ihnen nicht immer wirklich an, wenn Unternehmen zugleich die Akkordvorgaben erhöhten.

Sczesny engagiert sich seit 26 Jahren gewerkschaftlich. Sie riet Beschäftigten, sich zusammenzuschließen: „Solidarisiert Euch in Gewerkschaften. In dieser Gemeinschaft kann man viel erreichen.“

Arbeit braucht Verantwortung und Haltung

Das Schlusswort sprach Jörg Belecke, Mitglied im Presbyterium der evangelischen Martin-Luther-Kirche. Arbeit müsse man nicht nur organisieren. Sie sei auch ein Ort, an dem Menschen Haltung zeigen. Der Wandel in der Arbeitswelt sorge zwar für Unsicherheit, eröffne aber auch neue Spielräume.

Verantwortung sei deshalb der Kern guter Arbeit. Zum Abschied zitierte Belecke Jesus: „Wem viel gegeben ist, von dem wird man viel verlangen.“ Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Das ist keine Drohung, sondern ein Zutrauen.“

Bürgermeister Tobias Stockhoff dankte den Vertreterinnen und Vertretern von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite für den konstruktiven Austausch. Auch den Gästen sprach er seinen Dank für ihr Interesse am Arbeitnehmerempfang aus.

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