E-Scooter gehören längst zum Stadtbild. Auch in Dorsten werden sie gerne genutzt, weil sie kurze Wege erleichtern. In der Fußgängerzone sorgen sie aber auch immer wieder für Schreckmomente. Ein Blick auf Regeln, Unfallzahlen und die Frage, wie moderne Mobilität und Rücksicht besser zusammenpassen können.
Dorsten. Sie sind schnell verfügbar, leise und für kurze Strecken oft eine praktische Lösung: E-Scooter haben sich in vielen Städten etabliert. Auch in Dorsten gehören sie inzwischen zum Alltag. Wer vom Bahnhof in die Innenstadt möchte, einen Termin erreichen muss oder einfach eine kurze Strecke zurücklegen will, nutzt die kleinen Elektrofahrzeuge gerne als unkomplizierte Ergänzung zu Bus, Bahn, Fahrrad oder Auto.
Gleichzeitig gibt es immer wieder Hinweise von Menschen, die sich in der Dorstener Fußgängerzone von plötzlich auftauchenden Scootern überrumpelt fühlen. Besonders dort, wo Passanten bummeln, aus Geschäften treten, Kinder an der Hand laufen oder ältere Menschen mit Rollator unterwegs sind, kann ein lautlos herannahender E-Scooter schnell für einen Schreckmoment sorgen.
Das muss nicht bedeuten, dass Fahrer absichtlich rücksichtslos unterwegs sind. Oft ist es vermutlich eher die unterschiedliche Wahrnehmung. Wer auf dem Scooter steht, empfindet das eigene Tempo vielleicht als moderat. Wer zu Fuß unterwegs ist und den Roller erst spät bemerkt, erlebt dieselbe Situation ganz anders.
Ein Verkehrsmittel, das seinen Platz sucht
E-Scooter sind noch vergleichsweise jung im Straßenbild. Viele Menschen nutzen sie selbstverständlich, andere fremdeln mit ihnen. Genau da beginnt die eigentliche Diskussion. Es geht nicht darum, den Scootern pauschal den Platz in der Stadt abzusprechen. Sie können kurze Wege erleichtern und Teil einer modernen Mobilität sein.
Aber wie bei allen Verkehrsmitteln entscheidet der Umgang darüber, ob sie als Bereicherung oder als Ärgernis wahrgenommen werden. In einer Fußgängerzone prallen unterschiedliche Erwartungen aufeinander. Die einen wollen schnell von A nach B. Die anderen erwarten einen Raum, in dem sie sich ohne ständiges Ausweichen bewegen können.
Gerade weil E-Scooter leise und wendig sind, werden sie von Fußgängern oft erst spät wahrgenommen. Das unterscheidet sie von Autos, Motorrädern oder auch vielen Fahrrädern. Der Überraschungsmoment ist deshalb ein wesentlicher Teil des Problems.
Unfallzahlen zeigen eine klare Tendenz
Dass E-Scooter nicht nur gefühlt präsenter werden, zeigt auch der Verkehrsunfallbericht 2025 des Polizeipräsidiums Recklinghausen. Im Kreis Recklinghausen und in Bottrop registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 184 Unfälle mit Beteiligung von E-Scootern. Damit ist das Thema auch statistisch deutlich sichtbarer geworden.
Polizeidirektor Thomas Franta, Leiter der Direktion Verkehr, ordnet diese Entwicklung nüchtern ein: „Mit der Anzahl der E-Scooter steigt natürlich auch die Anzahl der Unfälle mit ihnen“, sagt er.

Zugleich weist Franta auf die Risiken hin, die bei den kleinen Fahrzeugen leicht unterschätzt werden. „Die Verletzungsgefahr mit den Kleinfahrzeugen ist verhältnismäßig hoch, wir raten dringend zu entsprechender Schutzkleidung und zur Einhaltung der Regeln, insbesondere sollte man keinesfalls mit mehreren Personen fahren“, mahnt der Polizeidirektor.
Für 2026 hatte sich das Polizeipräsidium Recklinghausen vorgenommen, E-Scooter verstärkt in den Blick zu nehmen und mehrere Schwerpunkteinsätze zu planen.
Auch Dorsten verzeichnet mehr Verkehrsunfälle
Der Blick auf Dorsten zeigt ebenfalls, dass Verkehrssicherheit ein wichtiges Thema bleibt. 2025 registrierte die Polizei in Dorsten insgesamt 2.475 Verkehrsunfälle. Das waren 130 mehr als im Vorjahr. Bei 191 Unfällen mit Personenschaden wurden 282 Menschen verletzt oder getötet.
Die Zahl der Schwerverletzten sank in Dorsten zwar deutlich. Dennoch zeigt die Statistik, wie vielfältig der Verkehr geworden ist. Autos, Fahrräder, Pedelecs, E-Scooter und Fußgänger teilen sich vielerorts denselben begrenzten Raum. Gerade in der Innenstadt wird dieser Raum besonders eng.
Dabei sagen Unfallzahlen nicht alles. Sie erfassen registrierte Unfälle, aber nicht die vielen kleinen Situationen des Alltags: ein abruptes Ausweichen, ein Erschrecken vor einem plötzlich auftauchenden Roller oder das Gefühl, in der Fußgängerzone nicht mehr ganz unbeschwert unterwegs zu sein.
In der Fußgängerzone gelten klare Regeln
Die Regeln für E-Scooter sind eindeutig. Auf Gehwegen und in Fußgängerzonen dürfen sie grundsätzlich nicht gefahren werden. Vorgesehen sind Radwege, Radfahrstreifen oder Fahrradstraßen. Gibt es diese nicht, müssen E-Scooter auf der Fahrbahn fahren. In der Fußgängerzone heißt das: absteigen und schieben.
Diese Regel ist keine Nebensache. Eine Fußgängerzone ist gerade dafür gedacht, dass Menschen dort langsamer, unregelmäßiger und freier unterwegs sind als im übrigen Straßenverkehr. Passanten bleiben stehen, wechseln die Richtung, schauen in Schaufenster oder treten aus Geschäften heraus. Für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen kann ein plötzlich auftauchender Scooter besonders unangenehm sein.
Gleichzeitig gilt auch: Wer E-Scooter nutzt, ist nicht automatisch rücksichtslos. Viele Fahrer halten sich an die Regeln, fahren vorsichtig und steigen in engen Bereichen ab. Die Wahrnehmung im öffentlichen Raum wird aber oft von den wenigen Situationen geprägt, die schiefgehen oder als gefährlich empfunden werden.
Es geht nicht um Verbote, sondern um Wahrnehmung
Vielleicht hilft deshalb weniger der erhobene Zeigefinger als ein Perspektivwechsel. Wer mit dem E-Scooter unterwegs ist, kann sich fragen, wie die eigene Fahrweise auf andere wirkt. Muss ich hier wirklich fahren, oder kann ich die paar Meter schieben? Bin ich für Fußgänger gut zu erkennen? Fahre ich so dicht vorbei, dass sich jemand erschrecken könnte?
Umgekehrt lohnt sich auch der Blick darauf, dass sich Mobilität verändert. Nicht jeder, der auf einem E-Scooter fährt, will provozieren. Viele Menschen nutzen ihn schlicht, weil er bequem ist und Wege verkürzt. Der Konflikt entsteht vor allem dort, wo das schnelle Verkehrsmittel auf Räume trifft, die eigentlich dem langsamen Gehen gehören.
Mehr Miteinander in der Innenstadt
Dorstens Innenstadt lebt davon, dass Menschen sich dort gerne aufhalten. Dazu gehören Fußgänger, Geschäftsleute, Familien, Jugendliche, Senioren und auch Menschen, die mit neuen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Damit das funktioniert, braucht es keine Grundsatzdebatte gegen E-Scooter, sondern Rücksicht im konkreten Moment.
In der Fußgängerzone absteigen. Auf gemeinsamen Wegen langsam fahren. Den Roller nicht mitten auf Gehwegen abstellen. Nicht zu zweit fahren. An engen Stellen lieber warten als sich durchzudrängen. Das sind keine großen Einschränkungen, können für andere aber einen großen Unterschied machen.
Am Ende geht es um eine einfache Frage: Wie bleibt die Innenstadt ein Ort, an dem sich möglichst viele Menschen sicher und wohl fühlen? E-Scooter können dazu gehören. Aber sie müssen sich dort einfügen, wo der Platz geteilt wird.




























