StartTop NachrichtenNach Maifest-Vorfällen am Wappenbaum: Wulfener Vereine stellen sich gegen Gewalt

Nach Maifest-Vorfällen am Wappenbaum: Wulfener Vereine stellen sich gegen Gewalt

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Bei einer außerordentlichen Versammlung des Wulfener Wappenbaum Vereins wurde vielen erst das ganze Ausmaß der Vorfälle rund um das Maifest bewusst. Der angekündigte Rückzug von Reiner Schulze-Tenberge ist nach dem Abend nicht mehr in Stein gemeißelt.

Dass es beim vergangenen Maifest am Wappenbaumplatz Probleme gegeben hatte, war den meisten Vereinsvertretern bekannt. Wie massiv die Vorfälle tatsächlich waren, wurde vielen jedoch erst bei der außerordentlichen Versammlung des Wulfener Wappenbaum Vereins bewusst. Dort schilderte der erste Vorsitzende Reiner Schulze-Tenberge erstmals ausführlich, was sich in den späten Abendstunden rund um die Veranstaltung abgespielt hatte, und machte deutlich, wie sehr ihn die Ereignisse persönlich belastet haben.

Die Sitzung fand am Dienstagabend, 23. Juni 2026, im Heimathaus Wulfen statt. Sie war nach den Vorkommnissen beim Tanz in den Mai einberufen worden. Im Mittelpunkt standen die Zukunft des Maifestes, die Sicherheit rund um die Veranstaltung und der angekündigte Rückzug von Schulze-Tenberge zum Jahresende 2026. Nach der Versammlung ist klar: Diese Entscheidung ist nicht mehr endgültig.

„Mir wurden Schläge angedroht“

Schulze-Tenberge schilderte eindringlich, was sich rund um den Wappenbaumplatz abgespielt haben soll. Als er mehrere Jugendliche im Bereich des Ehrenmals aufforderte, den Platz zu verlassen, sei die Situation eskaliert. „Mir wurden Schläge angedroht. Als ich mich weggedreht habe, sind sie hinter mir hergelaufen und haben versucht, nach mir zu treten“, berichtete er.

Auch abseits des Festgeländes soll es zu Gewalt gekommen sein. Nach Angaben des Vorsitzenden wurde eine Frau auf dem Heimweg unvermittelt ins Gesicht geschlagen und später im Rettungswagen versorgt. Weitere Personen hätten Schnittverletzungen im Bereich des Auges erlitten. Besucher seien auf dem Nachhauseweg bedrängt worden. An der Kreuzung B 58/Hervester Straße hätten Jugendliche ein an der Ampel haltendes Auto durchgeschüttelt und anschließend Bierflaschen hinterhergeworfen.

Reiner Schulze-Tenberge berichtete, wie sehr ihn die Vorkommnisse persönlich aufgewühlt haben. Foto: Bludau

Auch Anwohner waren nach den Schilderungen betroffen. Es sei zu beschädigten Dachpfannen, einem kaputten Zaun sowie Verunreinigungen auf Grundstücken und an Autos gekommen. Eine nahegelegene Tankstelle habe zeitweise früher schließen müssen, weil sich dort eine große Gruppe Jugendlicher aufgehalten habe.

Für Schulze-Tenberge war damit eine Grenze erreicht. „Wenn ich Menschen zu einem friedlichen Fest einlade, muss ich auch dafür sorgen können, dass sie sicher kommen und wieder nach Hause gehen können“, sagte er sinngemäß. Wenn man das nicht mehr gewährleisten könne, müsse man die Reißleine ziehen.

Vereine zeigen klare Haltung

In der Aussprache wurde deutlich: Die anwesenden Wulfener Vereine stellen sich geschlossen gegen Gewalt, Bedrohungen und Randale. Zugleich machten mehrere Redner klar, dass die Verantwortung für solche Vorfälle nicht allein beim Wappenbaum Verein liegen könne. Gruppen, die gezielt anreisen, um Stress zu machen, hätten am Wappenbaumplatz nichts zu suchen.

Mehrfach betonten die Anwesenden, dass sie Schulze-Tenberge mit den Folgen nicht alleine lassen. „Wir müssen als Vereine eine geschlossene Haltung zeigen“, sagte ein Teilnehmer. Ein anderer machte deutlich: „Du musst das nicht alleine ausbaden. Es sind genug Leute da, die dir den Rücken stärken.“

Auch der zweite Vorsitzende Thorsten Schadwinkel sprach sich dafür aus, dass Schulze-Tenberge im Amt bleibt. „Wir wollen, dass du weitermachst. Aber dann müssen wir dir auch die Hilfe geben, die du brauchst“, sagte er.

Rückzug nicht mehr in Stein gemeißelt

Schulze-Tenberge hatte nach den Ereignissen seinen Rückzug zum 31. Dezember 2026 angekündigt. Bei der Versammlung zeigte sich jedoch, dass er diese Entscheidung noch einmal überdenken könnte. Der Vorsitzende machte deutlich, dass der Wappenbaum für ihn weiterhin eine Herzensangelegenheit ist. „Der Wappenbaum ist mein Baby und mein Herzblut“, sagte er.

Besonders die Aktionen zu Ostern und Nikolaus wolle er auf jeden Fall weiter begleiten. Diese Angebote gehören längst fest zum Vereinsleben in Wulfen. Bei der Nikolausaktion im vergangenen Jahr kamen 205 Kinder zum Wappenbaumplatz. Auch das zeigt, welche Bedeutung der Verein über das Maifest hinaus für den Ort hat.

Für eine Fortsetzung an der Spitze formulierte Schulze-Tenberge aber klare Wünsche. Die Arbeit müsse breiter verteilt werden. Organisation, Sponsoren, Genehmigungen, Toilettenwagen, Zelt, Grillstand, Getränkestand, Auf- und Abbau sowie die Betreuung während der Veranstaltung dürften nicht wieder überwiegend an einzelnen Personen hängen bleiben.

Auch die Vereine selbst sollen stärker eingebunden werden. In der Versammlung wurde angeregt, Aufgaben künftig besser zu verteilen und Verantwortlichkeiten klarer zu regeln. Zudem wurde der Wunsch geäußert, dass die Wulfener Vereine insgesamt enger zusammenrücken, sich gegenseitig stärker unterstützen und bei Veranstaltungen präsenter sind.

Neues Konzept kommt auf den Prüfstand

Ein „Weiter so“ beim Maifest scheint nach den Schilderungen kaum vorstellbar. Zugleich soll die Veranstaltung nicht vorschnell aufgegeben werden. Sie ist für den Wulfener Wappenbaum Verein nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens, sondern auch eine zentrale Einnahmequelle für Pflege, Unterhaltung und Aktionen rund um den Wappenbaumplatz.

Zur Diskussion kamen verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören ein Familientag mit Frühschoppen, ein früherer Beginn, ein klares Ende am Nachmittag oder frühen Abend, ein anderer Termin oder ein kleinerer Rahmen. Auch die Frage, ob der bisherige abendliche Partycharakter verändert werden sollte, wurde angesprochen.

Entschieden ist damit aber noch nichts. Die Versammlung gab lediglich die Richtung vor, dass über eine Veränderung des Veranstaltungskonzeptes ernsthaft nachgedacht werden soll. Eine Arbeitsgruppe soll nun Vorschläge sammeln, Vor- und Nachteile prüfen und ein tragfähiges Konzept vorbereiten. Erst danach will der Wulfener Wappenbaum Verein entscheiden, wie das Maifest künftig aussehen kann.

Am Ende des Abends stand deshalb kein fertiger Maßnahmenkatalog. Aber es gab ein klares Signal: Die Wulfener Vereine wollen zusammenstehen, sich gegen Gewalt stellen und den Wappenbaumplatz als friedlichen Treffpunkt für Wulfen erhalten.

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