StartGlosse#197 Glosse von Anke: Wat guckse? – Vorsorge für die letzte Reise!

#197 Glosse von Anke: Wat guckse? – Vorsorge für die letzte Reise!

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Habt ihr die frohe Botschaft des Statistischen Bundesamtes auch gelesen? Die Deutschen werden immer älter! Die noch verbleibende Lebenserwartung für eine 65-jährige Frau liegt im Schnitt bei 21,2 Jahren, Männer bringen es rein rechnerisch noch auf 18,2 Jahre.

Als Zugehörige dieser Altersgruppe bin ich da ehrlich gesagt beruhigt – ich kann mir bei der Auswahl meiner Grabstätte offenbar noch ein wenig Zeit lassen. Obwohl: Man weiß ja nie, wann der Sensenmann an die Tür klopft. Schließlich errechnet die Statistik nur einen durchschnittlichen Mittelwert. Ob ich darunter oder darüber liegen werde, weiß der liebe Gott allein.

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Für viele Menschen ist das Thema Tod ein totales Tabu. Die sterben dann plötzlich weg und lassen ihre trauernden Lieben mit vielen Fragen allein: Erdbestattung oder ab in die Urne? Im Meer versenken oder am Fuße eines stattlichen Baumes eingraben? Ins sturmsichere Kolumbarium oder vom Winde verweht? Anonym oder stadtbekannt? Manche heben bei einer exklusiven Ballonbestattung noch einmal ab oder landen als Diamantanhänger am Hals ihrer Erben. Bei dieser Vielfalt an Möglichkeiten sollte man für seinen eigenen Abschied durchaus rechtzeitig Vorsorge treffen.

Aber bitte nicht übertreiben: Die Mutter einer Freundin zum Beispiel hatte nicht nur zu Lebzeiten ihr Begräbnis im Detail ausgearbeitet, sie hatte sogar für die kommenden 30 Jahre nach ihrem Ableben einen Floristen beauftragt und bezahlt, an ihrem Geburtstag einen ansehnlichen Blumenstrauß auf ihr Grab zu setzen: „Die Kinder denken da sowieso nicht dran.“

Auch mein eigener Vater schoss im Bemühen, seine beiden Töchter nicht mit der Organisation seiner nahenden Bestattung zu belasten, ein wenig übers Ziel hinaus. Mit großer Sorgfalt hatte er für sich und seine Ehefrau – sprich: meine Mutter – ein sonniges Plätzchen auf dem Friedhof ausgesucht. Marmorplatte und Schriftzeichen wurden nach seinen Anweisungen gefertigt. Selbst die Grablaterne aus Edelstahl war bestellt.

So weit, so vorausschauend. Doch als ich am Allerheiligentag bei einem Spaziergang über den Friedhof den perfekt eingerichteten Begräbnisplatz vorfand, legte sich doch ein eisiges Händchen um meinen Hals: Sogar sein Name war bereits auf den Stein montiert. Gottlob ohne Datum – aber es war ein echter Schock. Schließlich war ich an diesem Nachmittag noch bei meinen Eltern zum Kaffeetrinken eingeladen!

Neulich sprach ich mit einer Kollegin über dieses Thema. Auch sie hat sehr genaue Vorstellungen von ihrer Erdbestattung. „Den Spruch auf meinem Grabstein habe ich auch schon geschrieben, aber mein jüngerer Bruder weigert sich hartnäckig, meinen letzten Willen umzusetzen“, beschwert sie sich.

„Wieso, was willst du denn auf deinem Grabstein stehen haben?“, frage ich neugierig.

„Ganz einfach“, zwinkert sie und zitiert den Text, mit dem sie nach ihrer „Himmelfahrt“ die Besucher_innen ihres Grabes begrüßen möchte:

„Wat guckse? – Ich würde jetzt auch lieber am Strand liegen!“

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