Eine leicht sentimentale Stimmung lag am Donnerstagvormittag in der Cafeteria des Gymnasiums St. Ursula in Dorsten. Zahlreiche geladene Gäste aus Politik, Verwaltung sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter verabschiedeten Schulleiterin Elisabeth Schulte-Huxel in den Ruhestand. Persönliche Erinnerungen, anerkennende Worte und humorvolle Einlagen wechselten sich ab.

Vom Klassenzimmer bis an die Spitze der Schule
Kaum ein beruflicher Weg ist so eng mit dem Gymnasium St. Ursula verbunden wie der von Elisabeth Schulte-Huxel. In einem Grußwort der Schulabteilung des Bistums Münster wurden die wichtigsten Stationen ihres Werdegangs nachgezeichnet.
1973 kam Schulte-Huxel im Alter von neun Jahren als Schülerin an die Schule, 1982 legte sie dort ihr Abitur ab. Anschließend studierte sie Deutsch und Latein in Münster und Wien. Im Jahr 2001 kehrte sie als Lehrerin an das Gymnasium zurück. 2013 übernahm sie das Amt der stellvertretenden Schulleiterin, seit 2015 leitete sie die Schule und arbeitete zugleich im Vorstand der Schulstiftung mit.
Auch familiär blieb St. Ursula ein fester Bezugspunkt: Später besuchten ihre drei Töchter ebenfalls das Gymnasium. Insgesamt verbrachte Schulte-Huxel 34 Jahre an der Schule. Sie erlebte St. Ursula damit aus mehreren Perspektiven: als Schülerin, Lehrerin, Mutter und Schulleiterin.
Schulsprecherin dankt für Menschlichkeit und Haltung
Für die Schülerinnen und Schüler wandte sich Schulsprecherin Annika Teuber mit persönlichen Worten an die scheidende Schulleiterin. Sie dankte Schulte-Huxel im Namen der Schulgemeinde für ihren Einsatz.
„Sie haben Räume geschaffen, in denen Lernen gelingen kann und Menschlichkeit erfahrbar wird“, sagte Teuber. Schulte-Huxel habe das katholische Profil des Gymnasiums St. Ursula mit Leben gefüllt, „nicht allein durch Konzepte oder Programme, sondern vor allem durch Ihre persönliche Haltung“.
Teuber hob besonders die Verlässlichkeit und Offenheit der Schulleiterin hervor. Ebenso würdigte sie deren Blick für den einzelnen Menschen und ihre Bereitschaft, junge Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten.
„Für den neuen Lebensabschnitt wünsche ich Ihnen Zeit zum Aufatmen, Freude an neuen Möglichkeiten, die Gelassenheit, auf das Erreichte mit Dankbarkeit zurückzublicken, und Gottes reichen Segen“, sagte die Schulsprecherin.

Ein Baum als Zeichen für die Zukunft
Mario Bonfiglio wählte für seinen Beitrag das Bild eines Baumes. Dessen Wurzeln und Äste stünden für Eigenschaften, die Schulte-Huxel während ihrer Amtszeit ausgezeichnet hätten: Mut, Haltung, Vertrauen, Weitsicht und Orientierung.
Schule lebe von Beziehungen, machte Bonfiglio deutlich. Schulte-Huxel habe diese Beziehungen gepflegt und Menschen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen.
Fritz Schaefer erinnert an seine Schulzeit
Mario Bonfiglio ließ während seiner Rede auch einen ehemaligen Schüler zu Wort kommen: Fritz Schaefer, heute Moderator bei 1LIVE und im WDR-Fernsehen. In seinem Text erinnerte sich Schaefer an Elisabeth Schulte-Huxel als Lehrerin: „Sie konnte Kinder leiden. Mehr noch, sie konnte wahnsinnig gut mit ihnen umgehen. Sie war heiter und energisch.“ Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm ein gemeinsames Projekt: „Mit ihr produzierten wir ein Hörspiel mit der gesamten Klasse – ein Highlight meiner gesamten Schulzeit.“
Zum Abschluss beschrieb Schaefer, was Schulte-Huxel für viele Schülerinnen und Schüler bedeutet habe: „Wer das Glück hatte, ihr zu begegnen, wird bestätigen können, dass Frau Schulte-Huxel eine besondere Begabung besaß, Talente zu erkennen, bevor deren Besitzer selbst erahnten, dass sie überhaupt welche hatten. Über Jahrzehnte hinweg hat sie Hunderten von Schülerinnen und Schülern Flügel verliehen. Deshalb hoffe ich, dass man ihr bei ihrer Verabschiedung genau jene Flügel für ihren weiteren Weg mitgibt, die sie zuvor vielen anderen geschenkt hat.“
Bonfiglio griff diese Worte auf und fragte: „Mal ehrlich: Kann man das schöner ausdrücken?“ Genau darin liege schließlich ein wesentlicher Grund, weshalb viele Menschen den Lehrerberuf ergriffen hätten. Zugleich bleibe die Hoffnung, dass sich Schülerinnen und Schüler eines Tages ebenso an sie erinnerten.

Mehr als zehn Jahre den Laden zusammengehalten
Im Namen des Kollegiums würdigte Christian Marx den Einsatz von Elisabeth Schulte-Huxel. Dabei machte er deutlich, wie schwer es sei, ihre Arbeit für das Gymnasium St. Ursula angemessen zusammenzufassen.
„Du sagst das relativ leichtfertig, ohne zu bedenken, wie schwer es mir fallen würde, all das Geschehene zu benennen und deinen Einsatz für das Gymnasium St. Ursula auch nur annähernd treffend zu würdigen“, wandte er sich direkt an die scheidende Schulleiterin.
Schulte-Huxel habe den größten Teil ihres Lebens auf dem „Ursulaschiff“ verbracht: als Schülerin, als Kollegin, als Mutter dreier Töchter und schließlich als Schulleiterin. Da an diesem Vormittag ihre Verabschiedung als Schulleiterin im Mittelpunkt stand, konzentrierte sich Marx auf die vergangenen Jahre in der Leitung der Schule.

Dabei erinnerte er offen an die Zeit, als sich beide um die Schulleitung beworben hatten. Nach seiner anfänglichen Enttäuschung darüber, die Stelle nicht bekommen zu haben, habe sich schnell Respekt vor der Aufgabe eingestellt, die Schulte-Huxel übernommen hatte.
Ein System dieser Größenordnung zu leiten, sei eine erhebliche Herausforderung. Das private Gymnasium bringe zahlreiche Facetten, besondere Strukturen und rechtliche Vorgaben mit sich. Zugleich müsse die Schulleitung ein großes Kollegium mit unterschiedlichen Aufgaben, Vorstellungen und Erwartungen auf einen gemeinsamen Kurs bringen.
Dabei habe Schulte-Huxel das Ziel einer zukunftsfähigen Schule nicht aus den Augen verloren. Diese Aufgabe habe ihr körperlich und psychisch viel abverlangt.
„Mehr als zehn Jahre Schulleitung. Mehr als zehn Jahre hast du, liebe Lisa, jeden Morgen dieses Gymnasium mit dem festen Willen betreten, den Laden zusammenzuhalten und auf einen guten Weg zu bringen“, sagte Marx.
In der Regel sei sie auch die Letzte gewesen, die das Schulgebäude am Abend wieder verlassen habe. Ihr Einsatz, ihre Umsicht und ihr Herzblut hätten die Entwicklung des Gymnasiums entscheidend geprägt.

„Und schau dir an, was aus dieser Mischung aus höchstem Einsatz, Umsicht und Herzblut geworden ist“, sagte Marx. Das Gymnasium genieße heute ein hohes Ansehen in der Dorstener Bevölkerung. Zudem verzeichne die Schule Anmeldezahlen, „von denen manche andere Schule wohl nur träumen kann“.
Marx machte damit deutlich, dass diese Entwicklung nicht selbstverständlich sei. Sie stehe auch für die jahrelange Arbeit einer Schulleiterin, die Verantwortung übernommen, Entscheidungen getroffen und die Schule durch unterschiedliche Phasen geführt habe.
Stockhoff würdigt die Demokratiearbeit
Auch Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff erinnerte an die Bedeutung Schulte-Huxels für die Stadt. Dorsten verfüge mit dem Gymnasium St. Ursula und dem Gymnasium Petrinum über zwei starke Schulen mit unterschiedlichen Ausrichtungen, die bereits seit vielen Jahrzehnten zusammenarbeiteten.
Schulte-Huxel habe dazu beigetragen, dass diese Kooperation auch in schwierigen Zeiten erhalten geblieben sei. Sie habe das Gymnasium St. Ursula maßgeblich geprägt, erklärte Stockhoff.

Besonders hob der Bürgermeister ihr Engagement für den Dorstener Stadtdialog für Menschenwürde, Demokratie und Respekt hervor. Schulte-Huxel habe die Schule stark in diese Arbeit eingebunden.
„Sie hat vor allen Dingen auch die Demokratiearbeit in unserer Stadt geprägt“, sagte Stockhoff. Sie habe Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer motiviert, sich am Stadtdialog zu beteiligen, und dafür innerhalb der Schule die notwendigen Freiräume geschaffen.
Schulte-Huxel spricht über Zuhören, Verantwortung und Abschied
In ihrer Abschiedsrede stellte Elisabeth Schulte-Huxel das Zuhören in den Mittelpunkt. Sie habe sich auf den Weg gemacht und dabei erfahren, wie wichtig es sei, einem Menschen aufmerksam zuzuhören.
Zu Beginn ihrer Rede erinnerte sie an den Kompass, den sie nach eigener Aussage hoffentlich nicht verloren habe. Anschließend richtete sie sich an diejenigen, die an der Schule bleiben und noch viele Jahre als Lehrkraft vor sich haben.
Dazu las sie ein Zitat aus „Life’s Greatest Lessons“ und „Lessons from the Classroom“ von Hal Urban vor: „Ich bin zu der beängstigenden Schlussfolgerung gekommen, dass ich das entscheidende Element bin. Mein persönlicher Zugang schafft das Klima, meine tägliche Stimmung macht das Wetter.“

Das Zitat beschreibt die Verantwortung, die Lehrkräfte im Umgang mit jungen Menschen tragen. Sie könnten ein Leben elend oder freudvoll machen, ein Folterwerkzeug oder ein Instrument der Inspiration sein. Sie könnten demütigen oder großherzig handeln, verletzen oder heilen. „In allen Situationen entscheide ich darüber, ob eine Person als Mensch geachtet oder entmenschlicht wird“, zitierte Schulte-Huxel.
Danach wandte sie sich ihrem eigenen Abschied zu. Nun sei die Zeit gekommen, wegzugehen. Natürlich sehe sie die unvollendeten Baustellen, die sie offen zurücklassen müsse. Andere würden diese und weitere Aufgaben übernehmen.
Mit Humor blickte sie auf die Zeit nach ihrem letzten Schultag. „Was ich ab morgen mache? Platon im Original lesen, Habermas interpretieren und Goethes ‚Faust‘ auswendig lernen? Lauter kluge Sachen? Mitnichten.“ Stattdessen wolle sie Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ lesen und sich zunächst dem Müßiggang hingeben. Danach werde sie sehen, was komme.
Zum Abschluss dankte Schulte-Huxel allen, die ihren Abschied vorbereitet hatten. Auch die Festveranstaltung sei mit viel Arbeit verbunden gewesen.
„Dafür sage ich vielen, vielen Dank.“

Musik, Tanz und Begegnungen zum Abschluss
Für die musikalische Gestaltung sorgte unter anderem Hermine Beil. Mit ihrer Stimme erhielt sie großen Applaus von den geladenen Gästen. Auch die Schülerinnen der Modern-Dance-AG unter der Leitung von E. Simone Drescher traten auf. Ihre Darbietung unmittelbar vor der Abschiedsrede kam beim Publikum ebenfalls gut an.

Zum weiteren Programm gehörte der Song „Auf uns“, den der Schulchor sang. Damit setzte die Schulgemeinschaft einen weiteren musikalischen Akzent zum Abschied.
Nach dem Festakt lud die Schule zu einem Imbiss in die Cafeteria und auf den Schulhof ein. Bei Sekt und kalten Getränken nutzten viele Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und persönliche Erinnerungen auszutauschen.

Info: Der Werdegang von Elisabeth Schulte-Huxel
- 1973 kam Elisabeth Schulte-Huxel als Schülerin an das Gymnasium St. Ursula.
- 1982 legte sie dort ihr Abitur ab.
- 2001 kehrte sie als Lehrerin an die Schule zurück.
- 2013 übernahm sie das Amt der stellvertretenden Schulleiterin.
- Seit 2015 leitete sie das Gymnasium St. Ursula.
- Zugleich übernahm sie Verantwortung im Vorstand der Schulstiftung.
- Insgesamt verbrachte sie 34 Jahre am Gymnasium St. Ursula.

















































