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Wenn der Bürgermeister kocht

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Hervest. Auf einer großen Leinwand im Begegnungszentrum am Brunnenplatz brodelt die Spannung während des Fußballspiels Deutschland gegen Südkorea. 

Im Nebenraum kochen die Fans. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie stehen in der Küche. Unter ihnen auch Bürgermeister Tobias Stockhoff.

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Bürgermeister Tobias Stockhoff kochte im Rahmen des Integrationsprojektes

Hervest. Schon im März stand fest, dass er im Rahmen des Integrationsprojektes mit der interkulturellen Kochgruppe „Zukunft“ kochen wird. Zukunft steht dabei für „Zusammen kochen und Nahrung friedlich teilen.“

Bürgermeister schnibbelt Gurken

Im adretten Hemd schnibbelt er Gurken klein und bereitet den Joghurt vor. Gleichzeitig riskiert er ab und zu einen Blick auf das laufende Spiel im Nebenraum.

Noch steht es 0:0. Er ist ein bisschen abergläubisch: „Wenn ich ein Spiel mit anschaue, wo ich wirklich für eine Mannschaft bin, verlieren die meistens“, meint er skeptisch. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb er gerade lieber am Herd steht.

Bürgermeister Tobias Stockhoff kochte im Rahmen des Integrationsprojektes

Auf Augenhöhe

Einer muss darauf achten, dass nichts anbrennt. Die Idee hinter der Koch-Aktion: „Hier arbeitet man mit den Menschen zusammen. Politiker und Bürger begegnen sich auf Augenhöhe“, sagt Lothar Möhring, ehrenamtlicher Helfer.

Mit Tobias Stockhoff habe Dorsten einen Politiker zum Anfassen, der nah am Bürger sei und jedem mit einem offenen Ohr begegne. „Das wollen wir den Menschen zeigen. Sie sind nicht allein“, betont er.

Wir fühlen uns hier sehr wohl

Ein bisschen ist es hier vielleicht vergleichbar mit einem Gemüse-Eintopf oder einem bunten Salat: Hier kommt alles zusammen. Essen aus verschiedenen Kulturen. Menschen mit verschiedenen Sprachen. Helfer, Geflüchtete, Asylbewerber und Migranten.

Seit die jungen Männer in Deutschland angekommen sind, lernen sie die deutsche Sprache, belegen Kurse in der VHS, machen Praktika oder beginnen eine Ausbildung. Omiar Albuni und Farhan Bero kommen oft hierher. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt Bero.

Bürgermeister Tobias Stockhoff kochte im Rahmen des Integrationsprojektes

Keine Vielfalt auf dem Teller

Zwei junge Männer kommen auf Gudrun Schade, ehrenamtliche Leiterin der Kochgruppe Zukunft, zu. Sie halten ihr flatternd eine Zeitung entgegen, haben Wohnungsangebote eingekreist, um umzuziehen. „Das hier könnte was sein“, sagt sie und zeigt auf eine Annonce.

Noch leben einige von ihnen im Flüchtlingszentrum an der Bochumer Straße. Dort sei nicht viel Platz – und es gebe keine Vielfalt auf dem Teller, bedauert Schade.

Alle für Deutschland – Emotionen kochen hoch

So vielfältig die Kulturen beim gemeinsamen Public Viewing nebeneinander sitzen, so vielfältig sind auch Geschmack und Geruch in der Küche. Kochen und Fußball verbinden.

Albaner, Syrer und Iraner sitzen neben dem Bürgermeister. Gemeinsam feuern sie die Deutschen an. Emotionen kochen hoch.

Sie fiebern mit. „Ohhhs“ und „Ahhs“ sind zu hören. Noch schwingen die deutschen Fähnchen in der Luft. Dann ein leichtes Fluchen. Manche laut, manche leise. Zunächst die Gewissheit, dass Schweden gewinnt. Dann der Dämpfer: Deutschland verliert.

WM verpatzt

Die Deutschen haben die WM verpatzt und heute nicht gewonnen. Ganz im Gegenteil zum Begegnungszentrum in Hervest. Denn hier vergeht keinem der Appetit. Alle sind hungrig auf das Leben. Auf die Prise Salz in der Suppe.

Bürgermeister Tobias Stockhoff kochte im Rahmen des Integrationsprojektes

Unterschiedliche Kulturen

Im Begegnungszentrum zeigt sich, wie sich unterschiedliche Kulturen zuhause fühlen können: „Wir merken, dass sich die Menschen integrieren – sie sind mittendrin. Sie gehören dazu, haben Freunde gefunden und zeigen, wie „Zukunft“ miteinander aussehen kann“, sagt Lothar Möhring.

Deftige Mahlzeit

Gemeinsam Kochen macht gleich doppelt Spaß. Und ist Kochen nicht wie das Leben selbst? Da gibt es die süßen und sauren Gurken, die leichte Vorspeise, eine deftige Mahlzeit und ein süßes Dessert zum Abschluss.  Ein Glück, dass im Begegnungszentrum für leckeres Essen gesorgt wurde.

2:0 für Südkorea

Schließlich muss das Ergebnis 2:0 für Südkorea am nach Spielende erstmal verdaut werden. Ein verlorenes Spiel kann die gute Laune am Ort der Begegnung trotz allem nicht trüben.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und selbst eine Kostprobe vom gemeinsamen Kochen machen möchte:
Jeden Donnerstag um 16 Uhr treffen sich die Helfer mit den jungen Männern im Begegnungszentrum und kochen Gerichte aus aller Welt.

Weitere Infos und Kontakt gibt’s hier.

Fotos: André Elschenbroich

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