StartAllgemeinWelttag des Stotterns: Drei erstaunliche Fakten

Welttag des Stotterns: Drei erstaunliche Fakten

Veröffentlicht am

Drei Fakten über Stottern, die überraschen

Dorsten. Zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober machen die Mitglieder der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) auf sich aufmerksam. Sie könnten ein Lied darüber singen, welche Mythen und Fehleinschätzungen über die Redeflussstörung existieren.

Doch Stottern ist nicht gleich Stottern, deshalb klären die BVSS und ihre Selbsthilfegruppen zum heutigen Welttag darüber auf und präsentieren drei besonders überraschende Fakten.

1. Jemand kann stottern, obwohl der Gesprächspartner keinen Laut von ihm hört.

Der Mann in der Bäckerei steht gefühlte Minuten stumm vor der Theke ohne etwas zu sagen, vielleicht ist sein Mund dabei geöffnet oder man erkennt keinerlei Ansatz zum Sprechen. „So kann Stottern auch sein“, erklärt Prof. Dr. Martin Sommer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe, „der stotternde Mann weiß genau, was er bestellen möchte, aber er kann es nicht aussprechen, sein Körper sträubt sich nahezu“.

Anzeige
Anzeige zum Freizeitspezial 2026 auf Dorsten-Online

Blockaden sind ein Kern-Symptom

So genannte Blockaden treten fast ebenso häufig als Kern-Symptom der Redeflussstörung Stottern auf, wie das Wiederholen und Dehnen von Buchstaben oder Silben, das gemeinhin als typisch für Stotternde gilt.

2. Stottern ist eine neurologische Störung des Sprechens, keine Hemmung.

Sprechen ist ein hochkomplexer Vorgang. Unser Gehirn muss dafür eine Vielzahl von Impulsen empfangen und weiterverarbeiten. „Einige dieser Abläufe sind bei stotternden Menschen beeinträchtigt. Das Gehirnareal, das für die Steuerung der Sprechmuskeln zuständig ist, wird von den anderen beteiligten Arealen nicht störungsfrei beliefert.

So misslingt die Vorbereitung auf die anstehende Sprechaufgabe – der Mensch stottert“, erläutert Martin Sommer der selbst seit seiner Kindheit stottert und als Neurologe an der Uniklinik Göttingen arbeitet.

Stottern lässt deshalb keine Rückschlüsse auf die Psyche, die Intelligenz, den Charakter oder die Herkunft der betroffenen Person zu. Auch das vermeintliche Phänomen, dass jemand beim Singen nicht stottert ist darin begründet: „Singen wird von anderen Prozessen im Gehirn ausgelöst, als das Sprechen, das ja bei Stotternden beeinträchtigt ist. Deshalb stottert an sich niemand beim Singen, das ist gar nicht ungewöhnlich“.

Foto: Gewert

3. Stottern ist als Behinderung anerkannt.
Die Auswirkungen von Stottern werden oft unterschätzt, die für jeden hör- oder sichtbaren Symptome sind nur die Spitze eines Eisbergs, dessen größter Teil für Außenstehende unsichtbar bleibt.

Dabei können durch das Stottern verursachte psychische Belastungen wie Ängste oder ein Verlust des Selbstwertgefühls selbst bei Betroffenen entstehen, deren Stottern von außen gesehen als leicht empfunden wird. Hinzu kommen körperliche Begleitsymptome, wie Muskelverspannungen oder eine veränderte Atmung.

Aufgrund der dauerhaften Beeinträchtigungen ist Stottern als Behinderung anerkannt und selbst ohne einen so genannten Behindertenausweis haben stotternde Schulkinder Anspruch auf Nachteilsausgleich. „Leider ist dies sowohl Lehrkräften als auch Eltern nicht immer bewusst oder stotternde Schüler scheuen sich vor dem Begriff Behinderung. Das ist sehr schade, denn der Nachteilsausgleich sichert ihnen Chancengleichheit in Schule und Ausbildung“, ergänzt Sommer.

Basisfakten
Typischerweise tritt Stottern erstmalig zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr auf, wobei es beim Großteil dieser Kinder wieder weggeht. Doch bei einigen Kindern bleibt es dauerhaft. So stottert gut 1 % aller Erwachsenen, in Deutschland mehr als 800.000. Obwohl eine Heilung nach der Pubertät eher selten ist, ist doch das Leiden am Stottern heilbar.

Es haben sich zwei Hauptrichtungen entwickelt, auf denen die meisten Angebote der qualifizierten Stottertherapie basieren und die inzwischen auch miteinander kombiniert werden können: das so genannte Fluency Shaping und die Stottermodifikation. Durchgeführt werden sie ambulant in Praxen für Logopädie oder akademischer Sprachtherapie sowie stationär in speziellen Einrichtungen. Für eine gute Stottertherapie ist es nie zu spät, aber sie braucht Zeit. Beide Behandlungswege erfordern mehrmonatiges Üben und oft jahrelange Nachsorge.

Der Welttag des Stotterns wird seit 1998 jeweils am 22. Oktober begangen und wurde von den weltweiten Verbänden der Betroffenen, Angehörigen und Fachleute ausgerufen. Selbsthilfegruppen, Therapieeinrichtungen und Einzelpersonen machen an diesem Tag gezielt auf die Bedürfnisse stotternder Menschen aufmerksam und tragen durch öffentliche Aktionen sowie persönliche Statements zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Stotternden bei. Das vom Stotterer-Weltverband ISA (International Stuttering Association) ausgerufene Welttagsmotto 2020 lautet: Journey of Words – Resilience and Bouncing Back.

Über die Bundesvereinigung

Die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) ist die Interessenvertretung stotternder Menschen in Deutschland, gegründet 1979, mit sieben Landesverbänden und rund 90 Selbsthilfegruppen. Die BVSS betreibt als gemeinnütziger Verein die einzige bundesweit tätige unabhängige Informations- und Beratungsstelle zum Thema Stottern. Weitere Infos unter https://www.selbsthilfe-stottern.de/bvss/

Eine Selbsthilfegruppe der Bundesvereinigung gibt es zum Beispiel in Borken. Kontakt: Josef Micke, Telefon: 02861 – 80 57 17, E-Mail: [email protected]

Für junge Betroffene gibt es weitere Infos unter https://www.flow-sprechgruppe.de/

Neuer WhatsApp-Kanal

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal unter https://bit.ly/dorstenonline für aktuelle Infos. Wir bieten lokale Nachrichten, Event-Infos, Polizeimeldungen und mehr.

NEUSTE ARTIKEL

Raub auf Getränkemarkt in Dorsten: Polizei sucht Zeugen

Nach einem Raub auf einen Getränkemarkt in Dorsten sucht die Polizei nach dem Tatverdächtigen und nach Zeugen. Ein maskierter Mann bedrohte eine Mitarbeiterin mit einer...

Lokallust Dorsten Juli 2026 ist da

Die neue Lokallust Dorsten erscheint im Juli 2026 einen Tag früher und bringt Geschichten über Heinz Mönk, Stauder, den 24-Stunden-Lauf und die Innenstadt.

Ein Jahr Peru mit Rotary: Matilda kehrt mit Fernweh nach Dorsten zurück

Vor einem Jahr sprach Matilda Schwieren aus Rhade noch darüber, wie es sich wohl anfühlen würde, für viele Monate Familie, Freunde und den vertrauten Alltag...

Dorsten erinnert in Riga an die Opfer des Holocaust

Die Erinnerung an die aus Dorsten deportierten und ermordeten Juden ist inzwischen auch an einem der wichtigsten Gedenkorte in Lettland sichtbar. Im Wald von Bikernieki...

Klick mich!