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Vera Konieczka zu: Equal Pay Day-Wertschätzung für Frauenberufe

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„Wertschätzung sollte sich auch in der Entlohnung niederschlagen“

Vera Konieczka, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dorsten, spricht über den Equal Pay Day

Am morgigen Mittwoch (10. März) findet der bundesweite Equal Pay Day statt.

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Vera-Konieczka Dorsten
Vera Konieczka ist seit knapp 35 Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dorsten. Foto: Stadt Dorsten

Vera Konieczka ist seit knapp 35 Jahren die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dorsten und beantwortet Fragen zu diesem wichtigen Thema.

Was bedeutet der Equal Pay Day eigentlich und was will er erreichen?

Im Video: Gemeinsam mit dem Landrat Bodo Klimpel und allen Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen im Kreis Recklinghausen sowie der Stadt Bottrop unterstützt auch Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit und macht sich stark für Equal Pay.

Jeder Mann und jede Frau ist eingeladen, selbst für Lohngerechtigkeit einzutreten und zum Game Changer zu werden – damit Frauen nicht noch in hundert Jahren beweisen müssen, dass ihre Arbeit den gleichen Wert hat wie die Arbeit von Männern.

Beim Laden des Videos werden Daten an YouTube/Google uebermittelt.

Vera Konieczka: Beim Equal Pay Day geht es um Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Eigentlich sollte es keiner Aktionstage bedürfen, um das Prinzip der Lohngerechtigkeit einzuhalten. Doch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, der sogenannte Gender Pay Gap, beträgt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes noch immer 19 Prozent. Das sind genau 19 Prozent zu viel.

Mit diesem Ergebnis belegt Deutschland im EU-Vergleich nach wie vor einen der hinteren Plätze; nur in Estland und Tschechien ist die geschlechtsspezifische Lohnlücke größer. Der Equal Pay Day legt hier den Finger auf die Wunde. Angenommen, Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn, steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. 2008 wurde dieser Aktionstag zum ersten Mal in Deutschland begangen. Die Idee: mit roten Taschen auf rote Zahlen im Portemonnaie von Frauen hinzuweisen. Viel hat sich seitdem am Gender Pay Gap allerdings leider nicht geändert.

Was sind die Gründe dafür?

Vera Konieczka: Die Gründe sind vielfältig: Frauen arbeiten häufiger in Branchen, in denen das Entgeltniveau niedriger ist, sind seltener in gut bezahlten Führungspositionen vertreten und unterbrechen familienbedingt häufiger ihre Erwerbstätigkeit. Bestehende Rollenbilder beeinflussen die Aufgabenverteilung in den Familien und auch die Berufswahl. Frauen tragen den größten Teil der Familienarbeit, sind oft in Teilzeit erwerbstätig, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Das hat nach wie vor Konsequenzen für ihre Aufstiegschancen und die spätere Rente. Nicht zuletzt erfährt ihre Arbeit häufig nicht die verdiente Wertschätzung.

Wie lässt sich das ändern?

Vera Konieczka: Weil die Ursachen vielfältig sind, gibt es nicht die eine Maßnahme, die die Lohnschere auf einen Schlag schließt. Steter Tropfen höhlt den Stein. 20 Jahre gibt es den Girls‘ Day, um Mädchen und junge Frauen zu ermuntern, ihr Ausbildungs- und Berufswahlverhalten zu ändern, es gibt Gesetze, die die berufliche Gleichberechtigung fördern wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das Entgelttransparenzgesetz oder das Landesgleichstellungsgesetz für den Öffentlichen Dienst, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wichtig ist, sie im Alltag auch tatsächlich immer mitzudenken. Wie kann es sein, dass im Wettbewerb um attraktive Arbeitsplätze Bewerberinnen heute immer öfter die Nase vorn haben, sie hoch motiviert und meist mit besseren Ausbildungsabschlüssen ihre Karrieren starten, doch der Lohn, den sie für ihre gute Arbeit erhalten, im Schnitt 19 Prozent hinter dem ihrer männlichen Kollegen zurück bleibt? Bei den Hochschulabsolventen und Führungskräften klafft die Schere sogar noch weiter auseinander.

Hat die Corona-Pandemie nicht die Wertschätzung für traditionelle Frauenberufe wie in Pflege und Erziehung erhöht?

Und hat sich durch die Pandemie nicht auch manches an der innerfamiliären Arbeitsteilung verändert? Schließlich waren nicht nur weibliche Beschäftigte, sondern auch viele männliche Beschäftigte in Kurzarbeit, oder haben im Homeoffice gearbeitet.

Vera Konieczka: Wertschätzung sollte sich auch in der Entlohnung niederschlagen. Vor kurzem sind die Bestrebungen, zu einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in der Pflege zu kommen, leider gescheitert. Was Veränderungen in der innerfamiliären Arbeitsteilung hin zu mehr Gleichheit angeht, teile ich eher pessimistische Einschätzungen. Homeoffice belastet Frauen eher als Männer, wenn Kinder zu Hause betreut werden müssen, oder Homeschooling ansteht. Wir brauchen viele Verbündete, damit die geschlechtsspezifische Lohnlücke endlich aufgehoben wird und wir brauchen sie auf vielen Ebenen – im privaten Alltag ebenso wie in Gesellschaft und Politik.

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