Nach Berichten über schadhafte Artillerieraketen möchte die Bundeswehr die Bevölkerung beruhigen. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, betonte ein Sprecher gegenüber der Redaktion der Heimatmedien.
Nach einer Anfrage am vergangenen Freitag meldete sich nun ein Sprecher der Bundeswehr aus Koblenz in der Redaktion. Der Oberst bestätigte, dass es ein Problem mit den alten Raketen gibt. „Die Raketen waren ursprünglich für das leichte Artillerieraketensystem LARS beschafft worden, das bereits Anfang der 1990er Jahre außer Dienst gestellt worden war. Mit einer Anpassung wurden sie dann für den Übungs- und Ausbildungsbetrieb für das neuere System MARS freigegeben“, erklärte der Sprecher. Bei einer Übung 2019 sei es dann zu einem sogenannten „Kurzschuss“ gekommen, die Rakete fiel also bereits weit vor dem Ziel herunter. Daraufhin sei die Munition für den Übungsbetrieb gesperrt worden.
„Wir haben darauf eine Untersuchung angeordnet, mit der die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen betraut war“, so der Bundeswehrsprecher. Die Munitionsexperten hätten daraufhin festgestellt, dass durch den Mantel der Raketen Treibstoffteile in kleinen Mengen ausgetreten seien. Dieses sogenannte Ausschwitzen sei aber kein ungewöhnliches Phänomen bei langer Lagerung. Das ausgesonderte Material enthielt dabei rund fünf Prozent hochexplosives Nitroglycerin. Dies sei kein größeres Problem, so der Oberst. „Im zivilen Handel kann man Lösungen mit bis zu zehn Prozent Nitroglycerin erwerben, und diese stellen auch keine Gefahr dar.“
Entsorgung wohl erst im Herbst
Wenn das Problem bekannt sei, warum sind die Raketen dann noch nicht entsorgt worden? Das hänge mit dem vorgeschriebenen Verfahren zusammen, betonte der Bundeswehrsprecher. Zunächst müsse die Prüfung vollständig abgeschlossen sein, womit man etwa im Februar rechnen könne. Dann erfolge eine Ausschreibung an Fachfirmen, die die rund 30.000 Raketen entsorgen könnten.
Den Auftrag an zivile Firmen zu vergeben, habe für die Bundeswehr gleich drei Vorteile: Zum einen entlaste es die eigenen Munitionsexperten, die bereits mit anderen Aufgaben ausgebucht seien. Zum zweiten würden bei einer einfachen Sprengung umweltschädliche Stoffe frei werden, die dann fachgerecht entsorgt werden müssten. Und zum dritten könnten Fachfirmen die Metalle und chemischen Bestandteile der Munition besser für eine Wiederverwertung aufbereiten. Mit einem Beginn der Entsorgungsarbeiten könne wohl im 3. Quartal 2022 gerechnet werden.
„Selbstentzündung ausgeschlossen“
Bis dahin müsse sich die Bevölkerung keine Sorgen machen, betonte der Sprecher. „Zum einen ist eine Selbstentzündung der Raketen ausgeschlossen“, so der Sprecher, da der Treibstoff sogenannte Stabilisatoren enthalte. Außerdem befände sich die Munition an den sechs Lagerorten in gehärteten Bunkern. Berichten des NDR, der von einer Sperrung der Einrichtungen gesprochen hatte, widersprach der Bundeswehrsprecher: „Für eine Sperrung besteht derzeit kein Grund“.




























