Für manche ein Skandal, für andere ein aufgebauschtes Nicht-Thema im Sommerloch: Die Diskussion um den Ballermannhit „Layla“ beschäftigt die Republik. Alles halb so wild, meint DJ Peter Suttrop aus Dorsten.
Seit vier Wochen ist das wenig anspruchsvolle Lied auf Platz eins der deutschen Charts. Dadurch ist der Partyhit Layla von DJ Robin und Schürze auch vielen Menschen zu Ohren gekommen, die sonst einen weiten Bogen um Ballermannkneipen und Schützenfestzelte machen würden.
Debatte ist die beste Werbung
Den besten Werbeeffekt hatte dann aber die auch medial vielfach aufgegriffene und immer wieder thematisierte Diskussion um den Liedtext. Kritiker wollten hier Sexismus entdeckt haben, und so mancher Festwirt setzte den Song dann aus Angst vor Ärger auf die Bannliste.
Das beschworene Verbot sorgte dann aber erst recht für eine explosionsartige Verbreitung der dreieinhalb Minuten musikalischer Einfalt. Millionenfach wurde der Song im Internet heruntergeladen, gestreamt oder geklickt. Experten nennen das den „Streisand-Effekt“: Die angestrebte Unterdrückung eines Werkes wird ins Gegenteil verkehrt. Produzent Ikke Hüftgold dürfte die Diskussion jedenfalls auf seinem Konto spüren.

Die Verwechslung mit Clapton
„Mir ist der Song schon beim ersten Schützenfest in diesem Jahr begegnet“, erzählt der Dorstener DJ Peter Suttrop. „Spiel doch mal Layla!“, hätte sich eine Dame im Deutener Festzelt immer wieder gewünscht.
Ein ungewöhnlicher Wunsch für ein Schützenfest, aber warum nicht, habe sich Suttrop gedacht – und folgerichtig Eric Claptons Meisterwerk von 1970 durch die Lautsprecher gejagt. „Da war die Frau dann etwas enttäuscht“, lacht Suttrop.
Besonders aufgefallen sei ihm der neue Partyhit Layla anfangs nicht. „Wir bekommen jede Woche so 40 bis 50 Songs zugeschickt, da fiel das Lied nicht besonders auf“, erklärt der Dorstener Partyprofi.
Einfache Formel macht den Sommerhit
Sonderlich außergewöhnlich sei der Song ja auch nicht. „Es gibt im Grunde keinen hohen Anspruch für so einen Ballermannhit“, analysiert Suttrop. „Er muss einen Schalalala-Refrain haben, und einen einfachen Text, den man auch mit drei Promille noch vorwärts und rückwärts singen kann.“ Dazu noch den passenden Bass, und schon ist das Bierzeltlied fertig. Angesichts des Nachholbedarfes nach zwei Jahren Corona-Pause sei der Markt für solche Partylieder zudem derzeit besonders groß.
Provokation als Stilmittel
Dass bei solchen Werken keine hochtrabende Prosa erwartet wird, ist fast schon eine Binsenweisheit. Dass man mit etwas Provokation noch einen Aha-Effekt dazuwürzt, dürfte ebenfalls kein Geheimnis sein. Schließlich hatten schon die Minnesänger des Mittelalters den einen oder anderen derben Scherz in ihren Texten versteckt.

„Es gibt da noch ganz andere Kaliber“
Daher ringt dem erfahrenen DJ die Diskussion um den Partyhit Layla nur noch ein Lächeln ab. „Von der Sache her haben die Kritiker natürlich recht – man kann das als Sexismus deuten“, sagt Peter Suttrop. „Aber man muss auch ehrlich sagen, da gibt es in der Musikwelt noch ganz andere Kaliber.“
Selbst hatte er einmal einen bitterbösen Brief an einen Ballermann-Musiker geschickt, der sich in einem Lied über behinderte Kinder lustig gemacht hatte. Und wenn sich tatsächlich jemand durch Layla beleidigt fühle, dann sei das in Ordnung und sollte natürlich nicht verharmlost werden. „Meiner Erfahrung nach sind aber auf den Feiern die Frauen die ersten, die zur Tanzfläche strömen, wenn das Lied gespielt wird.“
Partyhit Layla darf bei Peter Suttrop weiterlaufen
Letztendlich nimmt DJ Peter Suttrop die Diskussion um den Partyhit Layla nicht allzu ernst, und wird das Lied auch weiterhin spielen, falls die Leute es sich wünschen. „Vielleicht sollte man einfach auch aufhören, in Schlagertexten einen tieferen Sinn zu suchen“, so Suttrop.




























