Acht Dorstener leisten im Ahrtal ganze Arbeit

Samstag, 23. April, sechs Uhr morgens im Lippetal: Sieben Dorstener starten mit dem von der Firma Kremerskothen zur Verfügung gestellten Bus ins Ahrtal. Christian Sklenak war dabei.

Ahrtal
Acht Helferinnen und Helfer helfen im Ahrtal. Foto: Christian Sklenak

Noch schnell die liebevoll belegten Brötchen von der Bäckerei Imping abholen und dann ab auf die Autobahn. Ich wäre zwar lieber mit viel mehr Helfern gestartet, aber die kleine Gruppe sorgt am Ende für eine große Überraschung und vor allem für zwei glückliche Familien im Ahrtal.

Am Helfer-Shuttle in Grafschaft-Ringen angekommen, geht es für uns zügig weiter nach Walporzheim. Doch wo sind die ganzen Pflanzen, die wir durch die Spendengelder u.a. von der Vereinten Volksbank finanziert bekommen haben? „Sie wurden gestern geliefert, sind superfrisch und in einer Scheune untergestellt. Dort werden sie gepflegt und dann am kommenden Wochenende gepflanzt“, verrät uns unser Guide Tina. „Heute muss jetzt erst Rollrasen gelegt werden, sonst ist der kaputt!“ Natürlich sind wir einverstanden, denn auch grüner Rasen macht das Ahrtal wieder bunt. Schnell noch die Adresse merken und los geht’s nach Walporzheim.

Ein Haus ohne Garten?

„Hausnummer 16, oder“, frage ich? „Jepp, 16“, bekomme ich als Antwort. Wir klingeln. Keiner öffnet. Das Haus sieht auch noch nicht wirklich wieder bewohnt aus. Thomas Hein, der vor Ort zu uns gestoßen ist, stellt fest: „Das Haus hat gar keinen Garten!“ Wir haben uns wohl mit der Hausnummer vertan. Ok – ein prüfender Blick in den Nachbargarten. Das sieht gut aus. Er ist zwar nicht so perfekt vorbereitet, wie beschrieben, aber wir haben ja noch ein wenig Zeit, bis der Rollrasen geliefert werden soll. „Hallo“, rufen wir und prompt erscheint auf dem Balkon in der ersten Etage eine Frau. „Oh, dass heute jemand kommen soll, wurde uns gar nicht mitgeteilt!“ Egal, wir sind jetzt da. Auf geht’s. Wir sind voller Tatendrang und schon nach kurzer Zeit steht uns der Schweiß auf der Stirn, denn der Boden ist nicht wirklich gut für das Verlegen von Rollrasen vorbereitet. Thomas Hein teilt dieses Guide Tina mit. Hier werden ihr wohl schon die ersten Zweifel gekommen sein.

Der falsche Garten

Eine gute Stunde später kommt Tina über den Ahr-Wanderweg an unseren Arbeitsplatz. „Ihr seid im falschen Garten“, sagt sie. „Ihr solltet zur Hausnummer 26!“ Ok – jetzt wissen wir zumindest, dass unsere 16 die 26 sein sollte, wir aber gerade in 18 arbeiten. So ein Mist! Doch schnell sind wir einer Meinung: Es muss ganz viel Rollrasen besorgt werden und dann machen wir einfach beide Gärten fertig! Tina schaut uns mitleidig an: „Das meint ihr doch nicht wirklich ernst, oder? Das sind zusammen rund 650 Quadratmeter!“ Und wie ernst wir das meinen! Doch ein Problem gibt es noch. Es ist natürlich nur Rollrasen für einen Garten geplant. Also geben wir Tina die Aufgabe, jede Rolle Rollrasen zu organisieren, die sie bekommen kann. Wir machen den Rest.

Mit der Walze geht es über den Rollrasen Foto: Christian Sklenak

Zunächst teilen wir uns auf. Ein Teil der Gruppe geht in den Garten der Hausnummer 26 und arbeitet dort mit der Walze, damit der Rasen gleich zügig ausgerollt werden kann. Der Rest arbeitet im Garten der Hausnummer 18 weiter. Eine halbe Stunde später werden die Rollen für Garten 26 geliefert. Wie sich später herausstellt, wurde hier zum Glück schon viel zu viel abgeladen. Nun konzentrieren wir uns alle auf den einen Garten und schon eine gute Stunde später ist die Fläche grün und es geht noch einmal mit der Walze drüber, fertig.

Stärkung muss sein

Das heißt: Jetzt können wir im Garten 18 weitermachen. Doch zunächst stärken wir uns mit leckerem mediterranem Nudelsalat von Heike Hein und 25-Gramm-Frikadellen von Peter Finke. „Da biste echt pappsatt nach einer so großen Frikadelle“, stellt Daniel fest.

Da kommt Tina auf dem LKW mit dem neu organisierten Rollrasen um die Ecke. Schnell noch die Chance des LKWs nutzen, um die noch im Garten 26 liegende, zu viel gelieferte Menge rüber in Garten 18 zu holen. „Das müsste schon fast reichen“, ist unser aller Meinung.

Noch haben wir rund drei Stunden Zeit, doch im oberen Teil des Gartens 18 muss noch mächtig Vorarbeit geleistet werden. Wir teilen uns abermals auf. Der eine Teil beginnt im unteren Bereich mit dem Verlegen des Rollrasens, der andere Teil kämpft im oberen Teil mit dem sehr steinigen Boden. Stück für Stück geht es voran. Pünktlich um 17:25 Uhr legen wir die letzte zur Verfügung stehende Bahn Rollrasen aus. Und wenn ich Ihnen, liebe Leser, jetzt sage, dass wir mit dieser letzten Bahn genau den zweiten Garten fertig bekommen haben, dann können Sie unsere verspürte Freude sicherlich nachempfinden.

Zwei Gärten und acht Dorstener fertig

Fertig! Genau, sozusagen im doppelten Sinne. Zwei Gärten fertig und acht Dorstenerinnen und Dorstener auch. Dafür zwei glückliche Familien in Walporzheim. Wir haben alles richtig gemacht, das zeigt uns die Freude der Hausbesitzer und lässt uns unsere Müdigkeit vergessen.

Wir verabschieden uns in Richtung Helfer-Shuttle. Dort warten noch eine warme Mahlzeit sowie ein kühles Blondes auf uns. Das haben wir uns auch echt verdient. Gegen 19:30 Uhr begeben wir uns auf die Heimreise. Die gesammelten Eindrücke beschäftigen uns, denn es ist bei Weitem nicht alles fertig im Ahrtal. Alle sind bereit, sich ein weiteres Mal zu engagieren. Vielleicht schaffen wir es im Juni oder Juli noch einmal hier hin und mit viel Glück sind dann ein paar Personen mehr dabei. Der Dank der Menschen im Ahrtal ist auf jeden Fall allen Helferinnen und Helfern gewiss.

Im Namen des gesamten Teams der Lokallust Dorsten und der Heimatmedien GmbH sagen wir DANKE für das Engagement! Es war ein unvergesslicher Tag, der Tag, an dem anstelle von einem Garten zwei Gärten fertig wurden.