StartDorstenMenschenAcht Ecken, zwölf Kanten, 21 Augen

Acht Ecken, zwölf Kanten, 21 Augen

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Der ehemalige Würfelsammler Hans-Jürgen Schauer. Foto: Jürgen Moers

„Ein Würfel ist ein dreidimensionaler Körper, der sechs gleich große quadratische Flächen hat“, so lautet die mathematische Beschreibung des Hexaeders.

Ein Spielwürfel kann dagegen jedoch auch 40 und sogar 120 Seiten haben, wie der größte Würfel der Welt. Hier passt die alte Behauptung dann nicht mehr, dass die Punkte auf den sich gegenüberliegenden Seiten stets die Ziffer „7“ ergeben.

Würfel sind eigentlich keine Würfel

Das Wort „Würfel“ stammt von dem Wort „Wurf“ oder dem Verb „werfen“ ab und jeder kennt sicher die Spielwürfel, die in der Hand oder aus dem Lederbecher geschüttelt werden. Genaugenommen fallen sie auch nicht nicht, sondern rollen durch die angeschrägten Ecken und sind damit eigentlich auch keine Würfel. Aber sei‘s drum, ich bleibe bei dieser Bezeichnung. So hält es auch Hans-Jürgen Schauer und er muss es schließlich wissen, erhielt er doch 1997 eine Urkunde für die weltweit größte Spielewürfel-Sammlung. Aber der Reihe nach.

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Schnell war der erste Setzkasten voll

1987 übernahm der Holsterhausener mit seiner Frau Jutta die Leitung der Jugendherberge in Lembeck. „Wir sortierten dort irgendwann die vorhandenen Brettspiele und es blieben dabei einige Würfel übrig. Jutta sammelte Schildkröten in allen erdenklichen Formen und ich hatte plötzlich Spaß daran, Würfel zu sammeln“, erzählt mir Hans-Jürgen Schauer. „Schnell war der erste Setzkasten voll. Da mir Freunde weitere Würfel schenkten, waren meine erste Vitrine und die Setzkästen sehr schnell mit den ersten hundert Würfeln gefüllt“, berichtet er weiter.

500 Zauber-, Scherz und auch ganz normale Würfel

Gesammelt hat er alles, was auch nur im Entferntesten nach einem Würfel aussah: Zauberwürfel, Scherzwürfel, beleuchtete, elektronische, runde oder mehrseitige Würfel, gezinkte Würfel, die nur Sechsen würfeln, Blinden- und Gebetswürfel sowie Unikate. Dazu gehören neben einem Würfel aus Las Vegas auch Würfel aus Gold und Silber sowie ein Exemplar, das speziell für ihn aus Kännelkohle gefertigt wurde. Aber auch Exemplare aus Keramik, Plastik, Kork, Horn, Stein, Metall, Ton, Karton oder Glas in zahlreichen Formen, Größen und Farben finden sich in Hans-Jürgen Schauers Sammlung.

Hans-Jürgen Schauer erhielt für seine Sammlung einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde. Foto: Martina Jansen

Eintrag im Guinness Buch der Rekorde

„In jedem Urlaub hielt ich Ausschau nach besonderen Würfeln, mich hatte die Sammelleidenschaft endgültig gepackt.“ Und so füllte der Sammler weitere Vitrinen und Setzkästen mit Anspitzern, Feuerzeugen, Aschenbechern, Radiergummis, Blumenvasen, Socken, Manschettenknöpfen, Telefonkarten, Ketten und Ohrringen oder Christbaumkugeln in Würfelform oder mit Würfelmotiven. „Meine Sammlung zählte bald mehr als 500 Exemplare und ich bekam die Urkunde des Guinness Buch der Rekorde für die damals größte Würfelsammlung der Welt“, ist Hans-Jürgen Schauer heute noch stolz auf diese Auszeichnung. „Ich hängte die Urkunde zu meinen Würfeln in den Aufenthaltsraum der Jugendherberge und plötzlich waren sie ein Highlight für die Jugendlichen“, fährt er fort.

Im Lembecker Heimatmuseum in guten Händen

2008 gab das Ehepaar Schauer seine Arbeit in der Jugendherberge auf. Die Beiden wanderten den Jakobsweg, Hans-Jürgen Schauer trat eine neue Stelle als Betreuungsassistent im Altenheim an und immer öfter stand die Frage im Raum: Wohin mit der Sammlung? „Sie war mir irgendwie immer im Weg und daher wollte ich sie abgeben.“

Auf manchen Spielmessen gab Hans-Jürgen Schauer gut und gerne 200 Euro für neue Würfel aus, die Sammlung hatte daher einen Wert von sicher 2.000 Euro. „Kaufen wollte sie niemand, aber nachdem ich die Würfel in einer Ausstellung zum Thema ‚Sammelleidenschaft‘ in den Mercaden präsentierte, wurde das Heimatmuseum, das sich im Schloss Lembeck befindet, auf meine Sammlung aufmerksam. „Da ich sie dort in guten Händen weiß, gab ich dem Museum im März 2022 etwa 450 meiner Würfel. Es hat mir schon sehr leidgetan um meine Sammlung, aber zumindest kann sie jetzt wieder von vielen Besuchern betrachtet werden. Und wenn ich jetzt einen besonderen Würfel sehe, dann juckt es mir manchmal immer noch in den Fingern, ihn zu kaufen“, gibt der 66-Jährige ehrlich zu und lacht.

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