„So ruhig erleben wir sie selten.“ Selbst die begleitenden Lehrkräfte waren überrascht, wie konzentriert und aufmerksam die sonst sehr lebendige Jahrgangsstufe 6 des Gymnasiums Petrinum der Lesung von Autorin Andrea Behnke folgte. Anlass war der Holocaust-Gedenktag, der jedes Jahr am 27. Januar an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnert.
Im Baumhaus las Andrea Behnke aus ihrem auf wahren Begebenheiten basierenden Kinderroman „Die Verknöpften“. Darin nimmt sie die Schülerinnen und Schüler mit ins Bochum des Jahres 1938. Im Mittelpunkt stehen die engen Freunde Liselotte, Leon, Minna und Hildegard. Ihre Leben ändern sich mit dem Erstarken des Nationalsozialismus dramatisch.
Kinderschicksale im Nationalsozialismus
Die vier Kinder stehen stellvertretend für viele junge Menschen, die in der NS-Zeit Judenhass, Ausgrenzung, Angst und Gewalt erleben mussten. Hilflos sehen sie zu, wie ein menschenverachtendes System Freundschaften zerstört, Hoffnungen raubt und Leben vernichtet. Gerade diese kindliche Perspektive machte die Geschichte für die Sechstklässler besonders eindrücklich.
Die Lesung wurde von der städtischen Kinder-, Jugend- und Schulkultur organisiert und richtete sich bewusst an junge Zuhörer, um Geschichte greifbar und verständlich zu machen.
Bürgermeister mahnt zur Erinnerung
Bei der Begrüßung erinnerte Bürgermeister Tobias Stockhoff an die Dimension der Verbrechen: „Mehr als eine Million Menschen wurden in Auschwitz ermordet. Die meisten waren Juden und Jüdinnen.“ Solche Zahlen wirkten oft anonym, betonte er. Umso wichtiger sei es, zu erkennen, dass jedes Opfer ein Gesicht hatte, Nachbarn hatte, eine Schule besuchte oder einen Arbeitsplatz hatte.
Andrea Behnkes Roman zeige eindrucksvoll, dass hinter den nüchternen Zahlen individuelle Schicksale stehen. Stockhoff erinnerte auch daran, dass jüdische Familien in Dorsten lebten, die deportiert und ermordet wurden. Er lobte das Interesse der Schülerinnen und Schüler und betonte, wie wichtig es sei, sich mit Zeiten auseinanderzusetzen, in denen die Würde des Menschen missachtet wurde. Solche Gedenktage seien Mahnung und Auftrag zugleich, damit sich solches Leid niemals wiederholt.
Großes Interesse und viele Fragen
Im anschließenden Gespräch mit der Autorin riss der Strom der Schülerfragen nicht ab. Das große Interesse ließ erkennen, dass der Wunsch, mehr über diese Zeit zu erfahren, noch lange anhalten wird. Die Lehrkräfte kündigten an, das Thema im Unterricht weiter aufzugreifen und zu vertiefen.
Die Lesung machte deutlich, wie wichtig es ist, Erinnerungskultur auch für junge Generationen lebendig zu halten und Geschichte über persönliche Geschichten begreifbar zu machen.




























