Dorsten feiert 775 Jahre Stadtgeschichte und bekommt dazu einen Konzertabend, wie ihn die Stadt in dieser Form noch nicht erlebt hat: Am Dienstag, 16. Juni 2026, kommt die Big Band der Bundeswehr erstmals nach Dorsten. Die Formation eröffnet den Dorstener Kultursommer auf der Frei- und Parkfläche im Lippetal. Beginn ist um 20 Uhr.
Der Eintritt ist frei. Statt Tickets zu verkaufen, setzen die Veranstalter auf Spenden. Das Geld soll dem ehrenamtlichen Engagement in Dorsten zugutekommen. Damit passt der Abend in den Rahmen des Stadtjubiläums: Gefeiert wird nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern auch das, was Dorsten heute trägt: Vereine, Initiativen, Helferinnen und Helfer.
„Wir freuen uns sehr auf dieses besondere Ereignis zum Stadtgeburtstag“, sagt Ralf Bröker, Sprecher der Vereinten Volksbank. Die Bank trägt gemeinsam mit der Stadt Dorsten den Kultursommer, übernimmt die technische Infrastruktur vor Ort und will auch selbst etwas zur Spendensumme für das Ehrenamt beitragen.
„Keine Marschmusik“
Wer bei Bundeswehr und Musik zuerst an Marschklänge denkt, wird an diesem Abend überrascht. Die Big Band der Bundeswehr steht nicht für Parademusik, sondern für Swing, Pop, Klassiker, moderne Unterhaltungsmusik und große Bühnenshow.
„Keine Marschmusik“, stellt Tourmanager Stabshauptmann Johannes M. Langendorf klar. Das Programm für Dorsten wird derzeit noch zusammengestellt. Fest steht aber: Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf einen Mix aus bekannten Klassikern und Popmusik freuen.

„Wir sind die musikalische Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland“, erklärt Langendorf. Dieser Satz ist mehr als ein Werbespruch. Die Big Band reist regelmäßig durch Deutschland und ins Ausland, spielt bei offiziellen Anlässen, Benefizkonzerten, diplomatischen Empfängen und großen Open-Air-Abenden.
Helmut Schmidts Idee klingt bis heute nach
Die Geschichte der Big Band beginnt 1971 und damit in einer Zeit, in der auch die Bundeswehr neue Wege suchte. Der damalige Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt, später Bundeskanzler, stellte eine einfache Frage: Warum sollte es bei der Bundeswehr eigentlich nur Marschmusik geben?
Aus dieser Idee entstand ein Orchester, das moderne Unterhaltungsmusik in Uniform auf die Bühne brachte. Der erste Leiter Günter Noris formte aus dem damaligen „Schauorchester der Bundeswehr“ eine neue musikalische Einheit. Schon kurz nach der Gründung spielte die Band vor großem Publikum, unter anderem 1972 bei der Einweihung des Münchener Olympiastadions. Im selben Jahr erhielt sie ihren heutigen Namen: Big Band der Bundeswehr.
Heute zählt die Formation zu den bekanntesten Ensembles des Landes. Sie verbindet professionelle Präzision mit Show, Jazztradition mit Pop und Unterhaltung mit einem klaren Benefizgedanken.
Eine Bühne, die nicht auf den Marktplatz passte
Dass das Konzert im Lippetal stattfindet, hat einen einfachen Grund: Die Bühne ist zu groß für den Marktplatz. Die Organisatoren prüften mehrere mögliche Standorte, sogar der Segelflugplatz war im Gespräch. Am Ende fiel die Wahl auf die große Fläche im Lippetal.
„Wir kommen mit einem großen Tross“, beschreibt Langendorf die umfangreiche Logistik. Vier Sattelschlepper, ein Tourbus, rund 70 Personen, 25 Musikerinnen und Musiker sowie drei Sängerinnen und Sänger gehören zur Produktion. Die mobile Bühne misst 18 Meter in der Breite, zwölf Meter in der Tiefe und zehn Meter in der Höhe. Dazu kommen Licht, Ton, Technik und viel Material.

Für Dorsten bedeutet das: Aus dem Parkplatz im Lippetal wird für einen Abend eine große Konzertfläche. Erwartet werden rund 2.000 Besucherinnen und Besucher. Sitzplätze wird es nicht geben. „Es ist ein zweistündiges Stehkonzert“, so Langendorf. Stühle und Tische seien nicht vorgesehen.
Aufbau ab dem frühen Morgen
Der Aufwand hinter dem Konzert ist enorm. Während das Publikum erst am Abend kommt, beginnt der Arbeitstag der Crew bereits am frühen Morgen. „Um 7.15 Uhr geht es los“, berichtete Langendorf. Bis etwa 16 Uhr soll die Bühne stehen. Danach folgt der Soundcheck, der bis gegen 18 Uhr geplant ist. Anschließend isst die Band gemeinsam, bevor um 20 Uhr das Konzert beginnt.
Nach dem letzten Ton ist die Arbeit noch lange nicht vorbei. Dann wird abgebaut, verladen und gesichert. Langendorf rechnet damit, dass die Crew bis tief in die Nacht beschäftigt sein wird.
Zur Show gehören nicht nur die Musikerinnen und Musiker. Die Big Band bringt eine aufwendige technische Produktion mit. Moderne Licht- und Tontechnik, Kameras, Mikrofone und eine große LED-Wand sorgen dafür, dass der Abend nicht nur musikalisch, sondern auch optisch wirken soll.
Berufsmusiker in Uniform
Die Big Band der Bundeswehr ist keine gewöhnliche Kapelle. Die Musikerinnen und Musiker sind ausgebildete Berufsmusiker und zugleich Berufssoldaten. Viele von ihnen haben an renommierten Musikhochschulen studiert. Innerhalb der deutschen Musiklandschaft gehört die Formation zu einem kleinen Kreis: Laut Langendorf ist sie eine von nur fünf professionellen Big Bands in Deutschland.

„Handverlesen“ nennt der Tourmanager die Besetzung. Wer auf dieser Bühne steht, beherrscht sein Instrument auf höchstem Niveau. Das merkt man auch daran, mit wem die Big Band in den vergangenen Jahren gearbeitet hat. In ihrer Geschichte standen unter anderem Till Brönner, Max Mutzke, Tom Gaebel, Dee Dee Bridgewater, Curtis Stigers und Heinz Rudolf Kunze mit ihr auf der Bühne.
Langendorf kennt diese Welt seit Jahren. Seit rund zehn Jahren organisiert er Auftritte der Big Band, prüft Standorte, plant Abläufe und begleitet die Formation auf Tour. Derzeit führen ihn Termine unter anderem häufiger nach Washington. Dort spielt die Big Band im Umfeld des US-Jubiläums am 4. Juli gemeinsam mit der Big Band der US Air Force.
Warum Open Air besonders reizvoll ist
Gerade die Freiluftsaison hat für Langendorf ihren eigenen Reiz. In Konzertsälen sei das Publikum meist gezielt gekommen. Draußen entstehe oft eine andere Dynamik. Menschen blieben stehen, hörten zu, ließen sich überraschen. „Da entsteht eine besondere Energie zwischen Publikum und Bühne“, beschreibt er den Reiz solcher Abende.
Diese Energie könnte auch im Lippetal entstehen. Die Fläche liegt nah an der Altstadt, bietet Platz und ist offen genug für ein großes Publikum. Der Kommunale Servicebetrieb Dorsten hatte die Frei- und Parkfläche zuletzt saniert, begradigt und gewalzt. Die Arbeiten waren früher fertig als geplant und erfolgten auch mit Blick auf das Konzert am 16. Juni.
Damit ist der Platz für einen der größten musikalischen Programmpunkte im Jubiläumsjahr vorbereitet.
Spenden für das Ehrenamt in Dorsten
Ein zentrales Merkmal der Big Band ist ihr Benefizgedanke. Die Musikerinnen und Musiker treten ohne Gage auf. Seit der Gründung flossen die Erlöse ihrer Konzerte in soziale und gemeinnützige Zwecke. Nach Angaben der Big Band sind inzwischen weit über 20 Millionen Euro zusammengekommen.

In Dorsten soll das Ehrenamt profitieren. Die Besucher zahlen keinen Eintritt, werden aber um Spenden gebeten. Für Ralf Bröker passt genau das zum Charakter des Abends. Die Vereinte Volksbank wolle nicht nur die technische Umsetzung ermöglichen, sondern auch dazu beitragen, dass am Ende etwas für die Menschen übrig bleibt, die sich in Dorsten engagieren.
So wird das Konzert mehr als ein musikalischer Höhepunkt. Es verbindet Unterhaltung, Stadtjubiläum und Gemeinsinn.
Auftakt für den Dorstener Kultursommer
Mit dem Big-Band-Konzert startet der Dorstener Kultursommer 2026. Die Veranstaltungsreihe wird von der Vereinten Volksbank und der Stadt Dorsten getragen und umfasst in diesem Jahr drei große Termine.
Nach dem Auftakt im Lippetal geht es am Samstag, 11. Juli, in Barkenberg weiter. Dort plant das bewährte Organisatoren-Team um Hans Schmidt-Domogalla die Fortsetzung der erfolgreichen Veranstaltungen der vergangenen Jahre. Am Samstag, 18. Juli, folgt ein Kultursommer-Fest in Östrich. Die Arbeitsgruppe Östrich des Heimatvereins Gahlen und das Östricher Bürgerforum bereiten dort ein buntes Programm vor.
Der erste Abend aber gehört der Big Band der Bundeswehr. Und damit einer Formation, die seit mehr als 50 Jahren zeigt, dass Uniform und Swing, Präzision und Spielfreude, offizieller Auftrag und lockere Unterhaltung sehr gut zusammenpassen können.
Info: Big Band der Bundeswehr in Dorsten
Die Big Band der Bundeswehr spielt am Dienstag, 16. Juni 2026, auf der Frei- und Parkfläche im Lippetal in Dorsten. Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das Konzert ist als zweistündiges Stehkonzert geplant. Stühle und Tische sind nicht vorgesehen. Besucherinnen und Besucher werden vor Ort um Spenden für das ehrenamtliche Engagement in Dorsten gebeten.




























