Was für ein Wochenstart! Als Gründungsmitglieder des Jüdischen Museums waren Christel und ich beim Dorsten-Besuch des Bundespräsidenten am vergangenen Montag zu seinem Etappen-Stopp ins Jüdische Museum geladen worden. So standen wir parat, falls Frank-Walter Steinmeier oder seine Gattin Elke Büdenbender aus authentischem Munde etwas über die Vorgeschichte und Museumsgründung zu hören wünschten.
Christel zeigte sich in der Wahl des passenden Dresscodes weitaus forscher als ich: „Der kann bestimmt die ewigen schwarzen und dunkelblauen Trauerklamotten um sich herum nicht mehr sehen“, mutmaßte sie. Deshalb hatte sie sich für ein elegantes Ensemble in harmonischen Rot- und Rosetönen entschieden, garniert mit einem bestechenden Zickzack-Design, das an das muntere Auf und Ab turbulenter Börsencharts erinnert. Dagegen schien ich in meinem Langweiler-Look „Dunkler Hosenanzug, helles Blüschen“ mit dem in der Vitrine ausgestellten königsblauen Thora-Mantels zu verschmelzen. Mein defensives Mode-Motto: „Nicht-cool-aber-damit-kann-man-nix-falsch-machen.“
Etwas Nervosität knisterte schon in der Luft, schließlich trifft man den 1. Mann im Staate nicht alle Tage. Und ehrlich gesagt hatte die vorherige Einweisung in das staatliche Protokoll uns nicht unbedingt entspannter gemacht. „Wie spricht man Frank-Walter eigentlich an? Und darf man ihm die Hand geben?“ Während ich mich fragte, welche Toilette ich in diesem Security-überwachten Gebäude noch benutzen durfte, suchte Christel fieberhaft nach einer unauffälligen Abstellmöglichkeit für ihre Handtasche. Denn die sollte bei der Begegnung auf keinen Fall um ihren Bauch baumeln – das wäre ja noch schöner!
So warteten wir zwangsgeduldig in der Dauerausstellung im ersten Stock. Als mein im unbequemen linken Halbschuh gefesselter kleine Zeh gerade schmerzhaft gegen seine Inhaftierung aufbegehrte, kam endlich Bewegung ins Erdgeschoss, wo sich die lokale Polit-Prominenz für den offiziellen Akt der Eintragung der Ehrengäste ins Goldene Buch der Stadt versammelt hatte. Applaus, Großes Hallo und angeregtes Stimmengewirr – jetzt konnte es sich nur noch um Minuten handeln, bis wir Frank-Walter und seine Ehefrau Elke erstmals live begegnen sollten.
Da waren wir gefragt
Und da kamen sie auch schon – offen, sympathisch und bürgernah defilierte das Paar an der wartenden Schlange vorbei, die mittlerweile stark angewachsen war. Jede verkrampfte Hand wurde geschüttelt, für jeden gab es einen freundlichen Gruß mit direktem Augenkontakt. Locker drauf, die beiden – das nennt man professionell! Interessiert verfolgten die Ehrengäste die Ausführungen der Vereinsvorsitzenden Elisabeth Cosanne-Schulte Huxel und bestaunten ausgewählte Exponate. Und dann wollten sie doch tatsächlich wissen, wie das hier alles angefangen hat. Da waren wir gefragt!
Kurz darauf verließ Frank-Walter das Museum – mit einem dicken und gelachten Danke für das originelle Gastgeschenk: eine ehrenamtlich gehäkelte Kippa in blau-weiß, verziert mit dem Emblem seines Lieblingsfußball-Vereins Schalke 04. Auf zur nächsten Etappe, ab in die Fahrrad-Rikscha, wo Werner Springer schon auf seinen berühmten „Beifahrer“ wartete.
Ach ja: Die Kippa für Ehefrau Elke, die sich als Fan von Borussia Dortmund geoutet hatte, wird selbstverständlich nachgeliefert. Aber jetzt erst mal: Schuhe aus und Beine hoch – mal runterkommen nach dieser Aufregung!




























