Bürgermeister Tobias Stockhoff hat bei der Einbringung des Haushalts 2026 zunächst den Mitarbeitenden im Rathaus gedankt. Der Haushaltsentwurf sei das Ergebnis intensiver Arbeit und vieler Abwägungen. Er betonte, dass Dorsten auch unter schwierigen Bedingungen verantwortungsvoll gewirtschaftet habe.
Im Mittelpunkt seiner Rede stand die klare Botschaft, dass die finanzielle Krise der Stadt nicht aus Dorsten selbst stammt. Stockhoff erklärte, die Kommune habe in den vergangenen Jahren sparsam und strukturiert gearbeitet und zahlreiche Einsparungen umgesetzt. Er verwies darauf, dass Dorsten Prozesse verschlankt, Doppelstrukturen abgebaut und kritische Aufgabenkontrollen durchgeführt habe.
„Wir haben gut gewirtschaftet und unsere Aufgaben solide erledigt“, sagte er. Gleichzeitig warnte er davor, die Ursachen der Defizite bei der Kommune zu suchen. „Die Löcher sind nicht hausgemacht.“
Mehr Aufgaben ohne ausreichende Finanzierung
Nach Stockhoffs Darstellung gerät Dorsten vor allem durch äußere Faktoren in Schieflage. Bund und Länder übertrügen immer mehr gesetzliche Verpflichtungen, ohne eine passende finanzielle Ausstattung mitzuliefern. Besonders die Kosten für Kinderbetreuung, Integration, Sozialleistungen und Digitalisierung seien massiv gestiegen.
Der Bürgermeister formulierte einen zentralen Appell: „Wer Aufgaben überträgt, muss sie auch vollständig finanzieren.“ Nur dann könne eine Stadt wie Dorsten ihre Arbeit verlässlich erfüllen.
Kommunen werden zum Reparaturbetrieb
Stockhoff kritisierte zudem, dass der Bund Programme und Versprechen ankündige, deren Umsetzung dann bei den Stadtverwaltungen lande. Er sprach davon, dass viele Kommunen sich wie ein „Reparaturbetrieb der Republik“ fühlten.
Die Menschen vor Ort würden große Erwartungen entwickeln, aber häufig fehlten die Mittel, um diese Erwartungen zu erfüllen. Daraus entstehe Enttäuschung, die laut Stockhoff „am Ende sogar unsere Demokratie gefährden“ könne.
Dorsten bleibt dennoch handlungsbereit
Trotz der angespannten Lage betont der Bürgermeister, dass Dorsten weiterhin aktiv gestalten wolle. Er verwies auf Projekte in Bildung, Erziehung, Ehrenamt, sozialer Infrastruktur, Klimaschutz und Digitalisierung.
Der Haushalt bilde „alles ab, was notwendig und personell leistbar“ sei. Gleichzeitig stellte er ausdrücklich klar, dass Einsparungen im freiwilligen Bereich nicht ausreichen würden, um das strukturelle Defizit zu beseitigen.
„Selbst wenn wir all das streichen würden, wäre unser Defizit weiterhin zweistellig“, erklärte Stockhoff.
Ein symbolisches Geschenk zum Schluss
Zum Abschluss seiner Rede knüpfte der Bürgermeister an die bekannte Metapher des Stadtkämmerers an, der seit Jahren vom schiffbrüchigen „Günni“ berichtet. Stockhoff überreichte Karsten Meyer ein Modell des größten Seenotkreuzers Deutschlands mit dem Namen Hermann Marwede.
Das Modell solle daran erinnern, dass Dorsten auch bei hohen finanziellen Wellenlagen auf Rettung angewiesen sei. Stockhoff sagte dazu: „Vielleicht ist ein selbstaufrichtender Seenotkreuzer genau das, was unser Haushalt brauchen würde.“
Lesen Sie im Hauptartikel, wie sich die finanzielle Lage bis 2029 entwickelt und welche Faktoren die Haushaltskrise verschärfen.




























