Bundeswehr muss noch mehr Raketen entsorgen

Neben den schadhaften Artillerieraketen scheinen noch mehr Altbestände für Unruhe zu sorgen. Foto: Dirk Vorderstraße CC BY 2.0

Ein Spiegel-Artikel berichtet über weitere schadhafte Munition. Die Bundeswehr sieht keine Sicherheitsprobleme. Ob die Muna auch diese Raketen lagert, wird nicht offiziell bestätigt.

Nach dem Bekanntwerden von offenbar auch im Munitionsversorgungszentrum West (ehemals Muna Wulfen) eingelagerten schadhaften Artillerieraketen (wir berichteten) werden nun noch mehr Lagerschäden öffentlich. So berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über weitere Raketen, die „schwitzen, schimmeln und korrodieren“.

Der Artikel bezieht sich dabei auf einen internen Bericht des Verteidigungsministeriums vom November vergangenen Jahres. Im Detail ging es dabei um alte, noch aus DDR-Beständen übernommene Flugabwehrraketen vom Typ „Strela“ und ebenfalls längst ausgemusterte Leinenschleppraketen zur Minenräumung. Während erstere von Korrosion und Schimmelbildung betroffen seien, würden letztere ebenfalls Nitrogylcerin absondern. Außerdem gäbe es noch veralterte Raketen eines weiteren Typs, die als Scheinziele zu Übungszwecken eingesetzt würden.

Alte Fliegerfaust „Strela“: Seit Jahren außer Dienst. Foto: Bundeswehr

Bundeswehr sieht keine Gefahr

„Von allen drei Raketentypen geht keine Gefährdung für die Bevölkerung, die Umwelt, die Soldatinnen und Soldaten sowie das zivile Personal der Bundeswehr aus“, heißt es nun in einer Pressemitteilung der Bundeswehr aus Koblenz.

Von den Raketen des Typs „Scheinziel“ habe die Armee ohnehin nur noch 139 Stück im Bestand, die „grundsätzlich voll verwendungsfähig“ seien. Aufgrund ihres Alters würden 40 dieser Raketen zunächst für die Ausbildung an der Technischen Schule des Heeres in Aachen verwendet und dann bis Ende 2023 verschrottet. Die restlichen 99 Stück sollen durch gewerbliche Anbieter entsorgt werden, eine Ausschreibung dazu sei „in der Vorbereitung“.

Die 2500 Flugabwehrraketen „Strela“ sollen sich laut dem Spiegel-Bericht nicht in der Muna, sondern in einem Depot in Baden-Württemberg befinden. Hier würden sie laut Bericht die Munitionslagerhäuser durch aggressiven Schimmelbefall verseuchen. Die Bundeswehr bestätigte den Schimmelbefall, allerdings würden die Raketen in abgesonderten Lagern aufbewahrt, die nur zur Überprüfung betreten würden. Eine Gesundheitsgefährdung sei nur dann gegeben, wenn man dem Schimmel länger ausgesetzt sei. „Sie entspricht etwa einer Schimmelbildung, die beispielsweise in Wohnungen auftreten können. Die Sicherheit der Raketen ist davon nicht betroffen“, heißt es. Zudem seien die Raketen ohnehin seit zehn Jahren für den Einsatz gesperrt.

Bei den Leinenschleppraketen trete Nitroglycerin aus dem Treibstoff durch die Außenhülle aus. Damit wäre das Problem mit dem bekannten „Ausschwitzen“ der auch in der Muna gelagerten Artillerieraketen vergleichbar. Da die Konzentration des hochexplosiven Stoffes aber unter fünf Prozent betrage, bestehe auch hier „keinerlei Gefahr“. Die Entsorgung sei aber bereits in Vorbereitung. „Die zuständigen Experten an der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) für Waffen und Munition in Meppen haben nach Abschluss der Untersuchungen im Rahmen der regelmäßigen Munitionsüberwachung die Transportfähigkeit bis Ende 2022 bestätigt“, so die Bundeswehr. So sei die Übergabe an kommerzielle Entsorger kein Problem.

Welche der genannten Munitionsarten auch in der Muna gelagert werden, wird von der Bundeswehr grundsätzlich offiziell nicht angegeben.

Mit Leinenschleppraketen wird beispielsweise Sprengschnur verschossen, um eine Gasse durch ein Minenfeld zu schaffen. Hier der Einsatz beim amerikanischen Marinekorps. Foto: USMC