Sie wird mit 24 Jahren die bislang jüngste, aber auch erst die zweite Gleichstellungsbeauftragte Dorstens überhaupt sein.

Kim Wiesweg übernimmt zum 1. November das Amt von Vera Konieczka. Bürde oder Ansporn? Verwaltung oder Politik? Dorsten oder Berlin? Dorsten Online sprach mit der lokalen Grünen-Chefin über ihre persönlichen Ziele und Herausforderungen im neuen Amt.

Dorsten Online: Frau Wiesweg, warum Gleichstellungsbeauftragte?

Kim Wiesweg: Weil Gleichstellung und Gerechtigkeit schon immer Schwerpunktthemen für mich waren und sind. In meinem bisherigen Beruf als Schulsozialarbeiterin und auch in der Politik.

Sie haben bislang primär mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Jetzt geht es um die Geschlechtergerechtigkeit in der ganzen Gesellschaft. Ein Unterschied?

Ja und nein. Ungerechtigkeiten gibt es in allen Altersstufen und auf allen Ebenen. Sie zeigen sich nur anders. Die strukturellen Ungerechtigkeiten fangen in jungen Jahren an. ,Mädchen können eh nicht Fußball spielen‘ und ,Frauen gehören nicht in Führungspositionen‘ – da ist kein großer Unterschied.

Was sind die größten Herausforderungen im neuen Amt?

Die Umstellung auf einen anderen Arbeitsalltag, auf neue Anforderungen und neue Aufgaben.… die Sie mit welchen persönlichen Zielen angehen wollen?

Ich will erstmal ankommen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenlernen. Besonders wichtig ist mir, als Gleichstellungsbeauftragte sichtbar und erreichbar zu sein. Für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung, weil ich hier als interne Beschwerdestelle ein neuer Anlaufpunkt bin.

Inhaltlich denke ich aktuell an die Vorbereitung der Frauenkulturtage, die mir sehr am Herzen liegen. Bei allen Punkten wird mich Vera Konieczka noch bis Ende des Jahres einarbeiten. Für ihre Unterstützung bin ich besonders dankbar.

Ihre Vorgängerin, die als erste und bisher einzige Gleichstellungsbeauftragte Dorstens große Fußstapfen hinterlässt. Ist das eine Bürde?

Nein, Ansporn. Vera hat sehr viel erreicht. Während der Einarbeitung kann ich von ihrer Erfahrung nur profitieren. Ich freue mich sehr auf diesen Austausch. Aber ich möchte und werde auch meine eigenen Akzente setzen.

Apropos Erfahrung: Sie sind 24 Jahre alt. Wie oft wird Ihnen ein Mangel an Erfahrung vorgeworfen? Werden Sie aufgrund des jungen Alters manchmal nicht ernst genommen?

(lacht)… Ja klar, das kommt vor. Ein Problem ist das für mich nicht. Auch mit 24 habe ich beruflich und privat schon einiges erlebt. Vor allem, selbstbewusst und mit kühlem Kopf an Themen und Herausforderungen heranzugehen.

Als Sie als neue Gleichstellungsbeauftragte vorgestellt wurden, gab es viel Kritik. Vor allem der SPD-Chef Friedhelm Fragemann wollte darin ein abgekarteteres Spiel gesehen haben. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Das hat mich geärgert, weil es unsachliche Kritik war und es schon ein bisschen unter die Gürtellinie ging. Es ging nicht um meine berufliche Eignung, es ging um politische Spielchen. Und die werden der inhaltlichen Bedeutung einer Gleichstellungsbeauftragten nicht gerecht. Aber das Thema ist jetzt für mich durch.

Wie wollen Sie überhaupt künftig Beruf und Politik trennen? Immerhin sind Sie Parteivorsitzende der Dorstener Grünen und sitzen noch im Stadtrat?

Noch. Das Ratsmandat gebe ich natürlich Ende Oktober ab. Aber ich werde mich weiter politisch engagieren und Parteivorsitzende bleiben. Da sehe ich keinen Widerspruch. Und rechtlich ist das auch kein Problem. Es muss natürlich niemand die Sorge haben, dass ich Parteipolitik in die neue Stelle mit einbringe. Ich bin durchaus in der Lage, zwischen meiner Rolle als Politikerin und der der Gleichstellungsbeauftragten zu unterscheiden.

Sie sind jüngst mit Ihrer Kandidatur zum Bundestag gescheitert. Da haben sich viele schon gefragt: ja was denn jetzt, Dorsten oder Berlin?

Ich sehe meine Kandidatur nicht als gescheitert an, im Gegenteil. Wir haben als Grüne ein gutes Ergebnis erzielt und ich war mir meiner geringen Chancen auf einen Einzug in den Bundestag von Beginn an bewusst. Daher habe ich mich auch während des Wahlkampfes und unabhängig davon auf die öffentlich ausgeschriebene Stelle beworben.

Also keine zukünftigen politischen Ambitionen mehr? Oder könnte Berlin nochmal locken?

Ich bin 24. Was soll ich jetzt für die Zukunft ausschließen? Ich stehe privat, beruflich und politisch mit vielem noch am Anfang. Aber nochmal: Ich freue mich sehr auf meinen neuen Job, auf die neuen Herausforderungen und auf die neuen Kolleginnen und Kollegen. Das Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Dorsten ist also keineswegs ein Trostpflaster oder eine Übergangslösung für mich. Im Gegenteil: Ich freue mich sehr und werde mich voll und ganz der neuen Aufgabe widmen.

Frau Wiesweg, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Markus Fuhrmeister

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.