„Bisher habe ich 30 Jahre lang mit meinem Mann in Europa gecampt“, erzählt mir Jutta Richta. „Geflogen bin ich bisher nie, aber das wird sich 2028 ändern. Dann fliege ich mit meiner Tochter Britta sowie meiner Enkelin Svea in die Republik Südkorea.“
Seit ihr Mann 2016 verstorben ist, verbringt die Barkenbergerin gerne ihren Urlaub bei der Familie in Bayern oder genießt die unmittelbare Umgebung zu Hause. Warum traf sie jetzt diese große Entscheidung, mit drei Generationen auf Fernreise zu gehen? „Netflix war schuld“, sagt Jutta augenzwinkernd. Ich wurde neugierig auf dieses ostasiatische Land, als ich bei Netflix zufällig auf eine koreanische Serie stieß. Ich habe den Inhalt durch die Untertitel verstanden und ich fand die einzelnen Folgen einfach nur toll: keine Gewalt, ein höflicher Umgang miteinander, keine übertriebenen Liebesszenen und ausschließlich gutaussehende, sehr sympathische Schauspieler.“
Die Serie spiegelt sehr gut die Realität wider. Koreaner vermeiden den zu engen Umgang in der Öffentlichkeit miteinander, selbst direkter Blickkontakt gilt als unhöflich. Ihnen wird Bescheidenheit nachgesagt, zudem legen sie viel Wert auf Höflichkeit, Respekt gegenüber Älteren und auf gepflegte Kleidung. Nach wenigen Folgen kannte Jutta bereits einige koreanische Worte. „Dennoch bin ich noch ganz am Anfang“, berichtet sie. „Aber ich mache Tag für Tag Fortschritte.“

Ihr Interesse an diesem Land stieg weiter an, aber Jutta war schon klar, dass sie mit den Sätzen „Möchten Sie einen Kaffee mit mir trinken?“ oder „Ich liebe dich“, im Urlaub nicht weit kommen würde. Also nahm sich die 69-Jährige vor, die Sprache so weit zu lernen, dass sie in Korea gut zurechtkommen würde. Eine Sprach-App hilft ihr dabei, die Worte zu lernen und sie richtig auszusprechen. Koreaner schreiben wie wir von links nach rechts, aber teilweise auch noch von oben nach unten. Ansonsten ist der Schnittpunkt mit der deutschen Schreibweise gleich null. Auch lassen sich einzelne Worte nicht mit viel Fantasie ableiten, wenn Sie Englisch oder Französisch sprechen. „Koreanisch hat dafür viel Ähnlichkeit mit Latein, aber das spreche ich nicht. Auch die Betonung ist wichtig. Sprichst du ein Wort aus der Kehle, dann hat es eine andere Bedeutung, als wenn es aus dem Mund kommt“, weiß Jutta.
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Wörter nicht aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt werden, sondern bestimmte Zeichen stehen für die einzelnen Wörter. Aber vielleicht sehen unsere Wörter für Koreaner auch aus wie einzelne Zeichen. Wer weiß das schon?
Offen für kulinarische Experimente in Korea
Nur die Sprache bis zum Flug zu können, das ist Jutta zu wenig. „Ich möchte auch die traditionelle koreanische Küche kennenlernen. Und daher lade ich meine gesamte Familie zu mir zum koreanischen Grillen ein.“ Die Landesküche ist vielfältig, gesund und scharf. Auf dem Speiseplan steht viel Fleisch, wobei dann das ganze Tier auch mit Eingeweiden und Füßen verwertet wird. Ansonsten gibt es Reis, Suppen, Fisch, Gemüse, vor allem Kimschi, und auch Algen. „Ich werde alles probieren, bis auf Eingeweide“, hat sich Jutta vorgenommen. „Auch Insekten?“, frage ich sie. Jutta verneint vehement, aber vielleicht wird sie vor Ort ja doch noch die gedämpften Seidenraupen probieren. Ansonsten sollte sie sich die koreanische Bezeichnung „Beondegi“ merken. Kleiner Tipp von mir: Auch „Nureongi“ sollte ganz oben auf deiner Liste der zu lernenden Worte stehen. Denn hierbei handelt es sich um den speziell gezüchteten Koreanischen Speisehund.
Bekannte bestärkten sie in ihrem Vorhaben nach Südostasien zu fliegen: „Koreaner sind extrem gastfreundlich und herzlich, der Aufenthalt wird euch gefallen und ihr werdet euch dort wohl, aber auch sicher fühlen.“ Ob es Juttas Reise ihres Lebens wird, das weiß sie jetzt noch nicht. Aber bereits jetzt steht fest, dass die Neugier auf etwas Neues nicht vom Alter abhängt.




























