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Erkundungsgänge (3): Bei den Störchen im Hervester Bruch

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Die Dorstener Schriftstellerin Dörthe Huth schreibt Bücher rund um die Lebensfreude, Geschichten, Gedichte und mehr. Sie ist eine exzellente Beobachterin und Erzählerin. Für Dorsten-Online macht sie sich auf Erkundungsgänge durch unsere Heimat.

Für viele Menschen in der Region ist der Hervester Bruch ein Ort der Ruhe und Naturverbundenheit. Mit den ersten Frühlingsblumen sind auch die Störche hierher zurückgekehrt. Nach monatelanger Winterpause haben die entkräfteten Tiere ihren Weg zurück in unser feuchtes Flachland gefunden, um hier ihre Sommerresidenz einzunehmen. Sommerlich ist es bei ihrer Ankunft aber keineswegs. Eine ungastliche Kälte liegt wie ein grauer Schleier über den Wiesen und ein schneidend kalter Wind fährt durch die kahlen Sträucher. Seit der Ankunft der Störche hat sich viel verändert.

Foto: Dörthe Huth

Ein Ort für Naturliebhaber, Vogelbeobachter und Fotografen

Die warme Frühlingssonne hat viele Menschen in den östlichen Teil des Hervester Bruchs gelockt, vom Fahrradfahrer über Vogelbeobachter und Naturliebhabern bis zu Hobbyfotografen. Einige sind mit Ferngläsern ausgestattet, andere haben es sich auf den Bänken bequem gemacht und ihr Picknick auf den Tischen vor sich ausgebreitet. Sie beobachten das Storchenpaar, das den Mast eingenommen hat, und das andere, das den Baum nebenan besiedelt. Von ihren Positionen aus haben beide Storchenfamilien einen weiten Blick auf das umliegende Land. Im Gebüsch vor dem kleinen Teich verfolgt ein Fotograf die unermüdliche Jagd eines Storchs nach Beute. Er will die Momente abpassen, wenn der Jäger mit seiner Beute vom Boden abhebt und mit ausgestreckten Flügeln durch die Luft zu seinem Nest gleitet. Lange und geduldig wartet er und wird dafür mit wundervollen Aufnahmen belohnt.

Foto: Dörthe Huth

Kleine Kämpfer mit großem Herzen

Im westlichen Teil hat sich ein Storchenpaar ebenfalls auf einem Mast niedergelassen. Mitte Mai ragen die Silhouetten der Jungtiere aus den Nestern hervor. Die Geduld der Eltern und das unermüdliche Warten haben sich also gelohnt. Die Jungvögel müssen sich von Anfang an einer Welt voller Gefahren stellen. Neben Wind und Wetter sind es auch Greifvögel, Marder und Füchse, die es auf die unerfahrenen Vögel abgesehen haben. Doch sie lernen schnell, ihre Umgebung aufmerksam zu beobachten, sich zu verstecken und um Hilfe zu rufen. Gegen Eindringlinge verteidigen sie sich schon von klein auf lautstark und erhalten tatkräftige Unterstützung von ihren Eltern. Störche sind nicht nur anspruchsvoll bei der Partnerwahl, auch ihre Elternschaft nehmen sie sehr ernst. Sie teilen sich ihre Aufgaben und kümmern sich beharrlich um den Nachwuchs. Unermüdlich arbeiten sie daran, Futter zu organisieren, das Nest auszubauen und die Familie gegen Feinde abzuschirmen. Jeder kennt seine Rolle genau und ist auf den anderen abgestimmt.

Foto: Dörthe Huth

Familie Storch hautnah im Hervester Bruch erleben

Eine Weile beobachte ich die Störche von der Aussichtsplattform im westlichen Teil des Hervester Bruchs aus. Unbeeindruckt von meiner Gegenwart gehen sie ihrem Tagesgeschäft nach. Die Eltern organisieren unermüdlich Nahrung für den hungrigen Nachwuchs, Insekten, Frösche und kleinen Nagetiere. Einmal ist zu erkennen, dass der Storch eine Blindschleiche durch die Luft transportiert und im Nest an den stets hungrigen Nachwuchs verfüttert. Liebevoll kümmern die Eltern sich um ihren Nachwuchs und sind um jedes einzelne Küken bemüht. Zwischenzeitlich ist ihr Geklapper weithin zu hören und bald schon werden auch die zarten Schreie der Jungvögel lauter. Sobald sie flügge werden, erkunden sie spielerisch ihr Nest und später auch die Umgebung. Das ist die Zeit, in der es besonders gefährlich für sie wird.

Foto: Dörthe Huth

Was Störche uns über Geduld und Durchhaltevermögen lehren können

Dass die Störche sich hier in Dorsten wohlfühlen, zeigt auch, dass die Natur hier noch einigermaßen intakt ist. Denn die majestätischen Vögel lassen sich nur dort nieder, wo die umliegende Landschaft ein gesundes Ökosystem bietet. Sie sorgen dafür, das Gleichgewicht in der Nahrungskette aufrechtzuerhalten und helfen durch ihren Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen dabei, die die Artenvielfalt zu erhalten.

Doch so idyllisch das Leben im Hervester Bruch auch wirkt, so schwierig kann es für die Störche sein. Für mich sind sie daher ein Symbol für Geduld und Ausdauer. Mutig trotzen sie allen Widrigkeiten und haben einen erstaunlichen Lebenswillen, immer mit der Hoffnung im Herzen, dass der Frühling bessere Zeiten und neues Leben bringt. Ein Zyklus, der sich jedes Jahr aufs Neue wiederholt. Genießen wir ihre Anwesenheit, bevor sie sich im Herbst schon wieder auf die Reise in ihre Winterquartiere begeben.

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