Die Dorstener Taucherstaffel gewährt einen Blick in ihre Arbeit

Dorstens Feuerwehrtaucher. Heute darf ich bei einer Übung der Dorstener Taucherstaffel dabei sein. Natürlich nur als Zuschauer auf dem Trockenen, Danny Rusin und Marc Glaser bereiten sich schon einmal dafür vor. „Die schönsten Einsätze sind die, die abgebrochen werden“, sind sich die Taucher der Dorstener Feuerwehr einig. „Denn dann wissen wir, dass die Personen gerettet wurden.“

Ruhe bewahren ist oberstes Gebot der Feuerwehrtaucher

Zehn Tauchgänge muss jeder der 30 Taucher der Taucherstaffel der hauptamtlichen Feuerwache Dorsten jährlich durchführen, um seine Tauchbefähigung zu erhalten. Darüber hinaus ist ein jährlicher Termin beim betriebsärztlichen Dienst zwingend, um die besondere gesundheitliche Eignung zu überprüfen. „Ich freue mich sehr darüber, dass unsere Kollegen außerhalb ihrer Schichtdienste an den Übungseinsätzen teilnehmen“, betont Tauchdienstleiter Olaf Kliem. „Diese Zusatzdienste sind von den Kollegen nicht immer leicht in ihrem Alltag unterzubringen. Aber die Kollegen garantieren damit, dass wir einsatzbereit und leistungsfähig bleiben.“

Gut gesichert kann sich jeder Taucher auf seine Kollegen verlassen 

Alle Mitglieder der Taucherstaffel versehen ihren „normalen“ Dienst bei der hauptamtlichen Feuerwache und werden darüber hinaus zu Taucheinsätzen angefordert und eingesetzt. Die Dorstener Taucherstaffel rückt dafür in den gesamten Kreis Recklinghausen aus, hilft aber gelegentlich auch in Schermbeck oder Bottrop aus.

Im Wasser fühlt man sich leichter

Mehr als fünf Minuten dauert es, bis sich Danny und Marc ihre schweren Tauchanzüge, die Bleigürtel sowie die Tauchgeräte angelegt haben. Beim Befestigen des Rettungsmessers hilft Justin Seeger, denn in der mehr als 30 Kilogramm schweren Montur ist Danny nicht mehr so beweglich. „Im Wasser fühlt man sich aber leichter“, betont der 29-Jährige, der froh ist, wenn er gleich im Wasser sein wird.
Während der Übung konnten sich die beiden beim Ankleiden Zeit lassen, beim echten Einsatz bereiten sich die Taucher, soweit möglich, während der Anfahrt zur Einsatzstelle auf ihren Einsatz vor. So groß der Einsatzwagen von außen auch aussieht, innen ist er durch die zahlreichen Ausrüstungsgegenstände gut gefüllt. Die Tauchgeräte sind an den Sitzen befestigt, sodass die Taucher sie nur noch umhängen müssen, um einsatzbereit zu sein.

Die Feuerwehrtaucher müssen körperlich und mental fit sein

Frank Lohmann leitet das Einsatztauchen. Er hat wie seine Kollegen auch neben seiner Ausbildung zum Feuerwehrmann den Zusatzlehrgang „Feuerwehrtaucher“ belegt. „Allerdings tauche ich jetzt nicht mehr selbst“, erwähnt der 50-Jährige. „Das Tauchen ist nämlich sehr viel anstrengender, als es vielleicht aussehen mag“, fährt er fort.

Frank Lohmann leitet das Einsatztauchen

Nicht nur körperlich müssen die Taucher fit sein, auch wird ihnen mental viel abverlangt. „Als Feuerwehrmann kann ich mich bei einem Unfall darauf einstellen, was mich gleich erwartet. Ich bin vorbereitet“, erzählt Frank weiter. „Unter Wasser taste ich mich aber fast blind vor und bin immer angespannt, ob ich etwas berühre. Eine Wasserleiche ist plötzlich da. Das ist schon sehr belastend für die Psyche.“

Über das Erlebte zu reden hilft

Ich möchte mir nicht vorstellen, was es für die Taucher bedeutet die vermisste Person, die sie suchen, leblos aufzufinden. Wenn sie sicher wissen, dass sich die Person noch im Wasser befindet, dann suchen die Feuerwehrtaucher so lange, bis sie sie gefunden haben. Immer in der Hoffnung, Menschenleben retten zu können. „Wir wissen, was auf uns zukommt, aber dennoch stecken wir manche Einsätze nicht so leicht weg“, erzählt Marc. „Zum Glück ist es in der heutigen Zeit aber kein Zeichen von Schwäche mehr zuzugeben, dass uns der Einsatz Probleme bereitet hat“, fährt er fort und Justin ergänzt: „Hier hilft es mit seinen Kollegen oder der PSU, der psychosozialen Unterstützung darüber zu reden. Die (speziell ausgebildeten) Kollegen wissen, wovon wir reden.“

Feuerwehrtaucher: Hundertprozentiges Vertrauen

Dany steigt ins Wasser. Bereits nach wenigen Sekunden ist nur noch an den Luftblasen und dem straff gespannten Seil zu erkennen, wo er gerade auf dem Grund des fünf Meter tiefen Kanalbeckens herläuft. Justin wacht als Signalmann über sein Wohl, und um im Notfall eingreifen zu können. Er ist heute mit 26 Jahren der Jüngste im Team, aber die Verantwortung im Einsatz ist bei jedem gleich hoch. „Im Notfall können wir uns hundertprozentig aufeinander verlassen und jeder weiß, was er zu tun hat“, ist sich Olaf Kliem sicher.

Justin Seeger hilft Danny Rusin bei den letzten Handgriffen, bevor es ins Wasser geht

Kontakt zu seinem Kollegen hält Justin über ein Seil, welches zudem das Kabel für das Tauchertelefon enthält. Es wird aber auch für die Signalgebung per Zug verwendet, falls die Technik ausfallen sollte. „Könnt ihr denn euren Kollegen im Notfall schnell genug aus dem Wasser ziehen?“, möchte ich wissen. „Davon kannst du ausgehen“, antwortet Justin prompt und Danny ergänzt: „Im Notfall würden mich vier Mann aus dem Wasser ziehen, und zwar mit so viel Speed, dass ich die Maske festhalten müsste, um sie nicht zu verlieren“, bekräftigt er Justins Aussage.

Der Sicherheitstaucher ist bereit für einen möglichen Notfall

Marc, der sich auch tauchfertig gemacht hat, ist heute der Sicherheitstaucher und sitzt in voller Montur auf einem Stuhl. Er ist bereit für den Notfall, der bei seinen Kameraden hoffentlich nie eintreten wird. Aber falls doch, dann kann er ihm in Sekundenschnelle zur Hilfe eilen und Atemluft anbieten. Der 41-Jährige ist seit 2005 Mitglied der Dorstener Feuerwehr und fand recht schnell Interesse am Feuerwehrtauchen, das bis heute bestehen blieb.

Marc Glaser beim Anlegen der Tauchausrüstung

Im Gegensatz zu den Rettungseinsätzen, die leider sehr oft mit „Leid und Elend“ zu tun haben, wie Frank erwähnt, sind aber auch durchaus technische Hilfeleistungen ein Einsatzgebiet für die Dorstener Taucher, wie beispielsweise das Abdichten eines Schiffsrumpfes oder Entfernen von Seilen oder Netzen aus der Schiffsschraube von Binnenschiffen. Auch an den Tauchernachwuchs wird in Dorsten gedacht. In bewährter Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr Gelsenkirchen werden gegenwärtig drei Kollegen der Feuerwehr Dorsten zu Feuerwehrtauchern ausgebildet.

„Unsere Taucher sind ein Superteam und ich habe Hochachtung vor der Arbeit, die die Kollegen leisten“, lobt Tauchdienstleiter Olaf Kliem zum Abschluss der Übung noch seine „Jungs“. Ich schließe mich dem an, denn ich konnte mich heute davon überzeugen, mit wie viel Spaß, aber auch Gewissenhaftigkeit alle Übungsteilnehmer ihr Bestes gaben.

Fotos: Christian Sklenak

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