Wenn Zuhause Angst bedeutet

„Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich“, heißt es in Artikel 2 im Grundgesetz.

Und doch leiden oft vor allem Frauen und Mädchen unter Gewalt. Häusliche Gewalt ist alles andere als eine Bagatelle. Es ist eine Straftat und ein gesellschaftlich-soziales Problem.

Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig

Das macht der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen deutlich. Gewalt hat viele Gesichter: Häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch bis hin zur Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Zwangsheirat. Sie kommt in allen Schichten, Nationalitäten, Altersgruppen, Religionen und Kulturen vor.

Eine Geschichte: Erfunden, und doch real

So könnte es sich abspielen: „Wenn der Mann die Frau alkoholisiert schlägt – und der vierjährige Sohn am Fenster sitzt und wartet. Sich still fragt: Wie kommt der Papa heute nach Hause? Wird er Mama wieder schlagen?

Sein Vater kommt besoffen zur Tür herein. Nach der anfänglichen Ruhe sind erste Schreie zu hören. Der Sohn rennt in die Küche. Seine Eltern streiten sich. Er stellt sich zwischen sie, kann die Schläge auf seine Mutter nicht abwehren. Fällt zu Boden, sieht das Grauen. Leidet. Anders als seine Mutter. Dennoch bleiben die Wunden in seiner Seele.

Wer einmal schlägt, der hört nicht auf

Wenn sein Vater wieder nüchtern ist, tut es ihm leid, gewalttätig gewesen zu sein. Er verspricht, es nicht wieder zu tun. Seine Frau spielt es klein. Sagt: Gut, es kann besser werden, ich gebe ihm noch eine Chance. Er ist ja nicht immer so. Den Nachbarn erzählt sie, sie sei zu Boden gestürzt und hätte sich Prellungen geholt.

Bis zum nächsten Mal, wenn der Vater besoffen heim kommt und wieder zuschlägt. Immer tiefer werden die Abgründe der Gewalt. Sie kommt schleichend und bleibt.“

Da ist die Verzweiflung des Kindes. Die stille Ohnmacht der Frau. Der Alkoholkonsum des Mannes. Ein Schlag. Eine Entschuldigung. Eine Versöhnung. Ein nächster Gewaltausbruch. Immer wieder dasselbe Muster – und am Ende bleibt doch nur die Gewalt.

Manchmal erfordert es allen Mut für Frauen, neue Wege zu gehen. Doch nur so lässt sich das System der Gewalt zerschlagen.

Solange es Menschen gibt, die sich für Frauen in Not einsetzen, wie der Verein „Frauen helfen Frauen in Dorsten“, sollten betroffene Frauen keine Scheu haben diese Hilfsangebote auch in Anspruch zu nehmen.

Vorheriger ArtikelWeihnachtsbasar im Dorstener Tierheim
Nächster ArtikelDer Weg in ein Leben ohne Gewalt
Marie-Therese Gewert
Hallo, ich bin Marie. Schon während meines Studiums in Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule schlug mein Herz für die Geschichten der Menschen. Als freie Mitarbeiterin war ich während meines Studiums stets für die WAZ Dorsten unterwegs. Danach zog es mich nach Kassel zum Volontariat bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, kurz HNA. Im Dezember 2017 wurde ich in einer Kommunikationsagentur in Düsseldorf tätig. Im Mai 2018 entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Seither arbeite ich für verschiedene Auftraggeber, journalistisch und beratend. Ich schreibe für dorsten-online.de, weil die Plattform von Menschen aus der Heimat für Menschen aus der Heimat gemacht wird. Ich freue mich, Sie mit Beiträgen und Informationen aus der Region versorgen zu dürfen. Anregungen, Fragen und Hinweise nehme ich gerne entgegen. Marie-Therese Gewert

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.