Frauen helfen Frauen: Neue Lebenswege ohne Angst

Dorsten. Heute ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Er ruft ins Gedächtnis, dass Frauen täglich Gewalt erleben. Durch den Partner und andere Familienmitglieder. Sie werden geschlagen, verletzt, körperlich misshandelt, bedroht und unter Druck gesetzt.

Gefahr droht dort, wo sie sich sicher und geborgen fühlen sollten. In ihrem Zuhause. Sie kommen aus allen Schichten und Nationalitäten. Manche haben Kinder, die alles mit ansehen und somit selbst zu Opfern der häuslichen Gewalt werden.

Jahrelanges Martyrium

Hinter verschlossenen Türen ertragen Frauen still ihr Leid. Nach außen wahren sie den Schein. Oft aus Scham. Es fällt ihnen schwer, mit anderen über ihr Martyrium zu sprechen. Daher erdulden sie ihr Dilemma oft jahrelang und suchen die Schuld bei sich, bevor sie Hilfe aufsuchen. Auch im Raum Dorsten.

„Es ist ein großes Thema in unserer Gesellschaft“, sagt Barbara Klaus-Krämer, Leiterin vom Verein Frauen helfen Frauen. Seit 36 Jahren finden Frauen hier Zuflucht. Fast 4800 Frauen und Kinder nahmen das Angebot mittlerweile in Anspruch.

Hohe Dunkelziffer

Die Dunkelziffer derer, die keine Hilfe suchen, liegt noch viel höher. Allein die Kriminalstatistik 2018 macht die häusliche Gewalt deutlich. Jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt.

„Viele Frauen, die zu uns kommen, sind allein“, erläutert Sabine Fortmann vom Frauenhaus. „Betroffene haben nicht selten wenig Kontakt zur Außenwelt, werden vom Partner eingeengt und in der Familie isoliert.“, erklärt sie weiter. Manche kommen nur mit den Kleidern, die sie am Körper tragen. Ohne Ausweise und Papiere.

Schutz suchen im Frauen- und Kinderschutzhaus

Auch hier hilft der Verein weiter. Im Frauen- und Kinderschutzhaus Dorsten leben die Damen wie in einer WG, bekommen bei Bedarf praktische und psychologische Hilfe. Tanken Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit. Eine Art Hilfe zur Selbsthilfe. Sie gehen einkaufen, kochen selbst, leben eigenverantwortlich und zahlen Miete.

Nadine Kötters, Barbara Klaus-Krämer und Sabine Fortmann vom
Verein „Frauen helfen Frauen“in Dorsten.
Foto: André Elschenbroich

Wenn kein eigenes Geld vorhanden ist, hilft das Jobcenter. „Hier entstehen wunderbare Freundschaften, die manchmal ein Leben lang halten. Bei uns wird viel gelacht“, erzählt Sozialpädagogin Nadine Kötters. „Jede Frau bringt ihre eigene Geschichte mit und hinterlässt Spuren.“ Fünf Mitarbeiterinnen sind stets im Einsatz für das Wohl der Frauen.

Ein Umzug steht an

In der Vergangenheit gab es mehrere Umzüge. Und auch jetzt steht dem Frauenhaus ein Umzug bevor: „Wir ziehen Anfang des kommenden Jahres mit dem Frauenhaus um“, freut sich Barbara Klaus-Krämer, die nun seit über 20 Jahren im Verein tätig ist.

Während im jetzigen Frauenhaus alles sehr beengt ist, werden im kommenden Haus die Zimmer auf unterschiedlichen Etagen verteilt sein und über mehrere Badezimmer verfügen. „Hier sind die räumlichen Bedingungen besser“, erklärt Klaus-Krämer.

Es gibt 13 Plätze für Frauen und Kinder. Außerdem Platz für Lagermöglichkeiten. Einen Keller und eine Garage. Einen eigenen Kinderbereich und ein Wohnzimmer. „Das bringt viel mehr Lebensqualität, bietet mehr Platz für Freizeitaktivitäten und mehr Rückzugsorte“, ergänzt Nadine Kötters. Es wird ein neuer Standort in Dorsten sein, der geheim bleibt. Nur so können sich die Frauen sicher und frei im Ort bewegen.

„Frauensache“ – Ein Laden von und für Frauen

Im vereinseigenem Second-Hand-Laden „FrauenSache“ in der Ursulastraße 27, können die Frauen sich neu einkleiden. Hier helfen zwölf Ehrenamtliche mit.

Zwölf Ehrenamtliche arbeiten im Second-Hand-Laden „Frauensache“ mit.
Foto: André Elschenbroich

„Wer Opfer von häuslicher Gewalt wird, sollte sich nicht scheuen, zur Polizei zu gehen“, lautet ein Appell der Polizei. Manchmal schleicht sich die Gewalt in das Leben ein.

Bei häuslicher Gewalt sofort die Polizei rufen

„Die Frauen sind so eingeschüchtert, dass sie bei uns aufgebaut werden und Wege aufgezeigt bekommen, wie es weitergehen kann“, ist sich das Team einig. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen macht deutlich, wie viel nach wie vor getan werden muss.

Laut einer Studie der Weltbank sind mehr als eine Milliarde Frauen weltweit nicht durch das Gesetz vor sexueller Gewalt im häuslichen Umfeld geschützt. Zeit, das zu ändern. Der Verein Frauen helfen Frauen geht einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft – für alle Frauen, die ohne Angst durchs Leben gehen wollen.

Wer Hilfe braucht:

Der Notruf vom Frauen- und Kinderschutzhaus Dorsten ist rund um die Uhr erreichbar unter der Telefonnummer 02362-41055.

Schutzengel werden und spenden

Wer das Frauen- und Kinderschutzhaus unterstützen möchte, kann einen symbolischen Schutzengel á 30 Euro erwerben. Spenden werden immer gebraucht. Mit dem Umzug kommen auf den Verein noch Kosten zu, die gedeckt werden müssen. Jede Spende hilft:

Spendenkonto:

Frauen helfen Frauen e.V. Dorsten
Sparkasse Vest Recklinghausen
IBAN: DE 85 4265 0150 1015 0146 71
BIC: WELADED1REK

Verwendungszweck: „Schutzengel“

Tipps und Adressen:

  • Freie Plätze in Frauenhäusern nach dem Ampelprinzip: Grün steht für freie Plätze, gelb für Mutter-Kind-Plätze und rot ist belegt. „Im Sommer war zwei Wochen lang die ganze Karte rot“, erinnert sich Barbara Klaus-Krämer: https://www.frauen-info-netz.de/

  • Auch das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Falls jemand kein Deutsch spricht, gibt es hier Dolmetscher, die vermitteln. Rund um die Uhr erreichbar unter 08000 116 016. Weitere Infos unter https://www.hilfetelefon.de/

  • Weitere Seiten zu Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen:

https://www.frauenhauskoordinierung.de/
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/aktuelles.html

„Häusliche Gewalt – auch im Kreis Borken“ – zu dieser Veranstaltung lädt die Stadt Borken Interessierte am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Montag, 25. November, ein.

Beginn ist um 18.30 Uhr mit einem Gottesdienst im Chorraum der St. Remigiuskirche zum Thema „Häusliche Gewalt ist kein Schicksal“. Im Anschluss wird Referentin Dagmar Reimer, Opferschutzbeauftragte der Kreispolizei Borken, um 19.30 Uhr einen Vortrag im Kapitelshaus Borken halten. Außerdem wird Silke Hempen, Leiterin vom Frauenhaus Bocholt, anwesend sein. Die Stadt Borken bietet jedes Jahr eine Veranstaltung zum Internationalen Tag in Kooperation mit dem Büro für Chancengleichheit, der KFD St. Remigius und erstmals mit den Frauen der Soropitimisten Borken an. (www.soroptimist.de). Der Eintritt ist frei, um Spende wird gebeten. Die Veranstaltung ist gekoppelt an die „Terre des Femmes“-Veranstaltungen unter dem Motto „Frei leben ohne Gewalt“. Mehr Infos hierzu unter frauenrechte.de.

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Marie-Therese Gewert
Hallo, ich bin Marie. Schon während meines Studiums in Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule schlug mein Herz für die Geschichten der Menschen. Als freie Mitarbeiterin war ich während meines Studiums stets für die WAZ Dorsten unterwegs. Danach zog es mich nach Kassel zum Volontariat bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, kurz HNA. Im Dezember 2017 wurde ich in einer Kommunikationsagentur in Düsseldorf tätig. Im Mai 2018 entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Seither arbeite ich für verschiedene Auftraggeber, journalistisch und beratend. Ich schreibe für dorsten-online.de, weil die Plattform von Menschen aus der Heimat für Menschen aus der Heimat gemacht wird. Ich freue mich, Sie mit Beiträgen und Informationen aus der Region versorgen zu dürfen. Anregungen, Fragen und Hinweise nehme ich gerne entgegen. Marie-Therese Gewert

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