Wir stehen vor dem neuen Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Dorsten-Altstadt, dem ältesten Löschzug im Kreis Recklinghausen. „Hier war einmal mein großer Garten“, erzählt mir Heinz Mönk, Dorstens ältester Feuerwehrmann. Dass er ihn immer noch vermisst, das sehe ich ihm an.
Erinnerungen im Gerätehaus
Drinnen im Gerätehaus zeigt mir der 90-Jährige stolz, aber auch wehmütig, alte Schwarz-Weiß-Fotografien. Junge, schmucke Männer in Uniform stehen in Reih und Glied neben einem neuen Löschfahrzeug. „Viele der Kameraden auf den Bildern leben heute leider schon nicht mehr“, bedauert er und sieht sich dabei weiter die Fotos an.

Geblieben sind dennoch bis heute Erinnerungen an vier Jahrzehnte aktiven Dienst für die Freiwillige Feuerwehr, an Freundschaft und Zusammenhalt. Für den Oberfeuerwehrmann war die Feuerwehr ein Zuhause, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bis 2010 lebte er mit seiner Familie im Wohnhaus direkt über dem Gerätehaus im Lippetal.
Erst als das Gebäude größeren Feuerwehrfahrzeugen weichen musste, endete diese besondere Wohnsituation. „Das war für uns alle eine tolle Zeit und ich bedauere immer noch, dass wir ausziehen mussten.“
Ein besonderer Ort zum Aufwachsen
Für seine drei Kinder war das Feuerwehrhaus der wohl außergewöhnlichste Ort, um aufzuwachsen. „Wir hatten den Logenplatz schlechthin“, erzählen Marion und Ulrike lachend. Ob Schützenfest, Kirmes oder andere Veranstaltungen im Lippetal, von ihrem Kinderzimmerfenster aus hatten sie alles im Blick.
Und wenn die Sirene heulte, war die Feuerwehr sofort Mittelpunkt des Familienlebens. „Die Sirene hing ja direkt über unserem Kinderzimmer“, erinnert sich Marion. „Bis wir uns an den Lärm gewöhnt hatten, standen wir jedes Mal senkrecht im Bett.“

Manchmal allerdings wurde Heinz Mönk der Trubel rund um das Gerätehaus zu viel. Das bekamen vor allem die Jugendlichen zu spüren, wenn sie wieder einmal zu laut wurden. „Wenn der Feldwebel etwas sagte, war schnell Ruhe“, erinnern sich seine Töchter schmunzelnd.
„Papa, weißt du noch, wie Mama in der Garage Rollschuhfahren und wir dort das Radfahren lernten?“ Natürlich weiß er es noch. Marion erzählt weiter: „Unsere Fahrräder standen im Sirenenturm, und wir kletterten heimlich, wenn Papa es nicht bemerkte, außen am Turm hinauf, was natürlich streng verboten war.“ Ihr Vater schmunzelt, woraus ich schließe, dass er natürlich auch davon wusste.
Garten, Sirene und Dampflokomotiven
Während Heinz Mönk seine freie Zeit im Garten verbrachte, erkundeten seine Kinder die Umgebung, insbesondere die Badeanstalt am Kanal oder den Bahndamm, auf dem damals noch Dampflokomotiven vorbeifuhren. Für die drei Kinder war es das Paradies, für ihre Mutter eher weniger.
„Wenn meine Frau Wäsche im Garten hängen hatte und sich eine Dampflok näherte, musste sie alles schnell wieder von der Leine nehmen, sonst wäre die frisch gewaschene Kleidung innerhalb weniger Minuten mit Ruß übersät gewesen“, erinnert sich der rüstige Rentner.

Auch im Gerätehaus selbst gab es unvergessliche Momente. „Duschen mussten wir immer unten im Feuerwehrhaus“, erzählen Marion und Ulrike und fahren fort: „Kam währenddessen ein Alarm, standen auch schon mal Feuerwehrmänner um uns herum. Wir sind daher immer vorsichtshalber zu zweit nach unten zum Duschen gegangen.“ Heute lachen alle über diese Erinnerung, damals war ihnen aber absolut nicht zum Lachen.
Smokie im Gerätehaus
Ein besonderes Erlebnis blieb Marion ebenfalls in Erinnerung: Zum 100-jährigen Jubiläum des Löschzuges gab die englische Rock-Pop-Band Smokie ein Konzert und die Bandmitglieder übernachteten im Gerätehaus. „Das war echt cool, aber ich war ja damals in einen Marineoffizier verliebt“, gesteht sie.
„Mussten sie nicht immer ein Auge auf ihre beiden Mädchen haben?“, frage ich den Senior. Auch dazu schmunzelt er nur. Stattdessen antwortet Marion: „Ach was, ich war doch erst 10.“
Wasser im Keller
Ihr Vater wechselt das Thema und erzählt mir, dass der Kanal zweimal neu gespundet werden musste, weil das Gelände im Lippetal durch eindringendes Grundwasser abgesackt war. Ursache waren Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg, die die Lehmschicht des Kanals beschädigt hatten.

„Im Keller des Gerätehauses stand deshalb dauerhaft Wasser und wir konnten dort nichts lagern, alles wurde schimmelig.“ Etwas, worüber Marion sich freute, denn „es war richtig gruselig, in den Keller zu gehen.“
Ich frage Heinz Mönk nach seinem schönsten Erlebnis während seiner Feuerwehrzeit. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Durch meinen Feuerwehrfreund Adolf Axinger habe ich meine Frau Ellen kennengelernt.“ Dass er bei ihrer Hochzeit selbstverständlich Trauzeuge war, das versteht sich von selbst.



