Wulfener Klavierspieler Hendrik Jordan erhielt den Sonderpreis im Bundeswettbewerb der Carl-Bechstein-Stiftung in Berlin in der Altersgruppe bis 18 Jahre

Sonntagsgeschichte von Martina Jansen

Bei meinem Treffen mit Henrik bin ich etwas irritiert. Einen jungen Pianisten, der früher klassische Musik spielte, heute aber ein T-Shirt mit einem Pink-Floyd-Namenszug trägt und mir erzählt, dass er gerne Rockmusik hört, hatte ich nicht erwartet. Das ist aber nicht die einzige Überraschung, die mir der junge Wulfener bereitet.

Noten sind nicht so meins

„Meine ersten musikalischen Versuche hatte ich auf die Gitarre, aber das war nichts für mich. Da aber einer meiner Klassenkameraden Klavier spielte, probierte ich es mit 12 Jahren ebenfalls aus“, erzählt mir Henrik. „Zum Glück“, bemerkt Melanie Jordan, Henriks Mutter.

Nach zweieinhalb Jahren klassischer Musik gefiel dem 17-Jährigen die Richtung dann aber nicht mehr und er wechselte zum Jazz und Blues. „Ich erinnere mich noch gut daran, dass Henrik die Filmmusik von Pirates of the Carribean auf seinem Keyboard nachspielte. Einige Zeit später folgten Pink Floyd und David Bowie.“ Und dies nur nach Gehör, nicht nach Noten. „Noten sind nicht so meins“, bemerkt Henrik, der sehr zurückhaltend wirkt, sich aber später von einer ganz anderen Seite zeigen wird.

Henrik-Jordan-aus-Wulfen
Foto: Christian Sklenak

Talent und Lampenfieber

Möglicherweise hat Henrik das Musik-Gen von seinem Uropa geerbt, der als Rentner im Orchester Akkordeon und Trompete spielte. Auch sein Onkel spielt bereits seit 40 Jahren Gitarre.

Nun tritt der 17-Jährige die musikalische Nachfolge in der Familie an. „Als ich merkte, dass ich spielen kann, lieh ich mir im Sommer 2015 ein Klavier aus und nahm bis zum Frühjahr 2019 Unterricht in der Dorstener Musikschule im klassischen Bereich. Ende 2016 erhielt ich gleichzeitig noch in der Musikschule Marlo Klavierunterricht in den Fächern Jazz und Blues und spielte Songs von Frank Sinatra. „Ich mag diese Kompositionen, auch weil ich dort variieren kann und mich nicht an Noten halten muss“, freut sich das junge Talent, das bei seinen Wettbewerben immer ein bisschen Lampenfieber hat.

Henrik „räumt ab“

Henrik lernte so schnell, dass er bereits im Januar 2018 zum ersten Mal beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ mitmachte und auf Anhieb den zweiten Preis in seiner Altersgruppe erreichte. Ende 2019 erhielt er den Sonderpreis im Bundeswettbewerb der Carl-Bechstein-Stiftung in Berlin in der Altersgruppe bis 18 Jahre für die beste Interpretation und Improvisation des St. Louis Blues und kurz darauf sogar den ersten Preis bei „Jugend jazzt“.

„Dass ich beim Landeswettbewerb auf Anhieb einen Preis erhielt, damit habe ich nicht gerechnet“, so der Wulfener und seine Mutter ergänzt: „Henrik hat ein sehr gutes Rhythmusgefühl, das hat man oder man hat es nicht, da hilft auch kein Üben. Aber bei dem superguten Abschneiden beim Wettbewerb wurde mir erst so richtig bewusst, welches Talent mein Sohn besitzt“, freut sich die stolze Mutter.

Henrik-Jordan-aus-Wulfen
Foto: Christian Sklenak

Der coole Klavierspieler

Henriks Klavier steht mittlerweile zentral im Haus der Familie. Anfangs übte Henrik noch mit Kopfhörern, damit der Rest der Familie die hin und wieder falschen Töne nicht hören musste. „Henrik spielt täglich zwischen 10 Minuten und einer Stunde und seit geraumer Zeit ohne Kopfhörer. So kommen wir jetzt auch in den Genuss seiner Stücke“, freut sich Melanie Jordan.
Der Petrinum-Schüler spielte früher in seiner Freizeit Tennis, seine Liebe gilt jedoch nun der Musik. Noch ist er ganz entspannt, was seine berufliche Zukunft betrifft. Das Abitur hat er bereits im Blick und danach wird Henrik wohl ein Studium in Richtung Musik einschlagen.

Zum Ende des Gesprächs setzt sich das Talent an sein Klavier und fängt an zu spielen. Ich erlebe die oben erwähnte Überraschung: Aus dem zurückhaltenden großen Jungen wird ein cooler Klavierspieler, der Pink Floyd ohne Notenvorlage interpretiert und seine Gefühle mit der Musik offenlegt. Selbst ich als absoluter Musik-Laie erkenne sein Talent, und ich bin mir sicher, dass wir noch viel von ihm hören werden.

Henrik Jordan konnte sein Können bisher auf einigen kurzen Auftritten zeigen und damit sein Taschengeld aufbessern, um sich neue Boxen zu kaufen.

Wenn Sie in Zukunft noch einen begabten Pianisten zur Untermalung Ihres Events suchen, dann melden Sie sich bitte bei Henrik Jordan unter [email protected] oder bei Melanie Jordan unter 0174 1833239.
Einige Kostproben seiner Interpretationen hat er unter seinem Synonym Henrik Piano auch auf YouTube hochgeladen.

Vorheriger ArtikelCorona-Virus: 19 weitere Todesfälle im Kreis Recklinghausen
Nächster ArtikelKreis Recklinghausen ist wieder Hotspot
Martina Jansen
Hallo, ich bin Martina Jansen. Meine Heimat ist das Monatsmagazin „Lokallust“, aber da wir mit den „Heimatmedien“ eng zusammenarbeiten, richte ich mich seit einiger Zeit nun auch hier als freie Mitarbeiterin häuslich ein. Als nicht gelernte Redakteurin schreibe ich aus dem Bauch heraus und lasse dabei unbewusst, gerne aber auch ganz bewusst, redaktionelle Regeln aus. Soll heißen: Ich schreibe so, dass ich auch verstanden werde. Gerne treffe ich mich mit Menschen aus Dorsten, Schermbeck oder Raesfeld, die ein verrücktes Hobby haben, ehrenamtlich tätig sind oder einfach „gut drauf“ sind, also mit Menschen wie du und ich und bin jedes Mal darauf gespannt, welche Geschichte am Ende dabei herauskommt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.