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Hinter den Kulissen des Dorstener Wasserwerks

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Mit jedem Tropfen, der aus unserem Wasserhahn fällt, erleben wir die hundert Jahre alte Geschichte von Flüssen und Regenfällen in Dorsten.

Vom Regentropfen zum Trinkwasser

Frisches Trinkwasser begleitet uns morgens beim Aufbrühen von frischem Kaffee, mittags beim Kochen und abends beim Duschen. Aber kann ich es auch wirklich bedenkenlos trinken?

Die Geschichte der Wasserversorgung in Dorsten

Um 1900 wurden die Gahlener Quellen entdeckt. Seit 1921 sichert sich die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) dort die Wasserrechte und betreibt seit 1927 das Wasserwerk Dorsten-Holsterhausen. Das versickernde Regenwasser sammelt sich jeweils nach etwa hundert Jahren an den Tiefbrunnen der RWW in der Lippeaue.

„Das Grundwasser in diesen 47 Brunnen längs der Lippe bis hoch nach Schermbeck, wird von einer mächtigen bis zu 60 Meter Mergelschicht vor schädlichen Einflüssen von oben geschützt. In den 1970er Jahren hinzugekommen sind 17 Tiefbrunnen in der Üfter Mark“, erklärt mir Peter Tewes, der Leiter der technischen Instandsetzung des Holsterhausener Standortes.

Ramon Steggink, Pressesprecher der RWW, ergänzt: „Die Brunnen sind relativ unscheinbar und unspektakulär, sichern aber die Wasserversorgung in Dorsten sowie in unseren Nachbargemeinden Gladbeck, in Teilen Oberhausens, Bottrops, Schermbecks und Raesfeld-Erle und sind daher mehrfach durch unbefugtes Öffnen gesichert.“

Natürlich gefiltert – seit Millionen Jahren

Durch den „Bottroper Mergel“ bilden sich in einer Tiefe von bis zu 100 Metern die natürlichen, gut geschützten Quellen unseres Trinkwassers, das sich seinen Weg durch die kreidezeitlichen „Halterner Sande“ und „Recklinghäuser Sandmergel“ suchte.

„Wir sichern uns für jeweils 20 bis 30 Jahre die Wasserrechte, dann werden sie neu anhand der Grundwassermenge der jeweiligen Brunnen neu vergeben. Dazu werden ständig Grundwasserstandsmessungen durchgeführt. So haben wir einen guten Überblick über alle Brunnen und können die Trinkwasserversorgung auf Jahrzehnte sichern“, erklärt mir der technische Leiter, während wir auf dem Weg zum Pumpenhaus sind.

Vom Grundwasser zur Trinkwasserleitung

Acht große elektrische Kreiselpumpen, die in den 1970er Jahren die dampfbetriebenen Pumpen ersetzten, fördern hier das zehn- bis zwölf Grad kalte Grundwasser nach oben. Das gleichmäßige Dröhnen der Pumpen erinnert mich wieder deutlich daran, dass das Wasser nach Jahrhunderten seinen Weg an die Oberfläche findet und uns klar und frisch geliefert wird.

Schaffen die Pumpen einen Anfangsdruck von neun bar, so sinkt er, je weiter der Weg ist. So sind in Wulfen nur noch sieben bar auf den Leitungen vorhanden.

4,5 Millionen Liter in zwei Speichern

Von hier aus wird das Trinkwasser in zwei Speichern mit einem Fassungsvolumen von 4,5 Millionen Litern gesammelt. Obwohl die Speicher natürlich vollständig geschlossen sind, durften wir nicht einmal die Halle betreten, in der sich die Wasserspeicher befinden.

In den 16 jeweils drei Meter hohen Behältern wird das zuvor belüftete Grundwasser gefiltert – ein zentraler Schritt auf dem Weg zum klaren Trinkwasser. Foto: Christian Sklenak

„Sicherheit geht nun mal vor“, erklärt mir Ramon. „Wir versorgen als RWW 700.000 Menschen, davon vom Wasserwerk Dorsten rund 350.000 mit frischem Trinkwasser. Zudem unterstützen wir die Stadtwerke Velbert, Ratingen, Wülfrath und Heiligenhaus für die Versorgung ihrer rund 200.000 Menschen mit unserem Wasser. Damit alle unser Trinkwasser weiterhin bedenkenlos direkt aus dem Hahn trinken können, muss es den Vorgaben der strengen Trinkwasserverordnung entsprechen und natürlich auch keimfrei bleiben.“

Minimaler Aufwand – maximale Reinheit

Das von der RWW geförderte Grundwasser ist frei von menschlich verursachten Verunreinigungen. Es ist keim- und schadstofffrei und muss daher nur minimal mit moderner Technik aufbereitet werden. Eisenhaltiges Wasser ist gesundheitlich unbedenklich, ist aber aufgrund des Trinkwasser-Reinheitsgebots aus ästhetischen Gründen nur mit 0,2 mg/l erlaubt.

„Daher setzen wir dem Grundwasser Sauerstoff zu, damit Eisen und Mangan, Spurenelemente aus kreidezeitlichen Ablagerungen eines subtropischen Meeres, im Wasser oxidiert und herausgefiltert werden kann. Die abschließende Desinfektion des fertig aufbereiteten Trinkwassers aus Holsterhausen sowie aus der Üfter Mark geschieht seit 2011 mit ultraviolettem Licht“, weiß Ramon.

Peter Tewes ergänzt: „Dieses Vorgehen erhöht weiter die Qualitätsanforderungen an unser Trinkwasser. Für höchste Sicherheit sorgen zudem regelmäßige Wasseranalysen der externen und hauseigenen Labore.“

Demzufolge besitzt das Dorstener Wasser eine ausgezeichnete Qualität. Mit einer mittleren Härte von 12 bis 14° dH zählt es jedoch zu den harten Wässern. Kalkablagerungen in Haushaltsgeräten sind daher möglich.

Trinkwasserschutzgebiet seit 1998

Das insgesamt 185 km² große Einzugsgebiet der Brunnen zwischen der Lippe und dem Dortmund-Ems-Kanal ist seit August 1998 als Trinkwasserschutzgebiet Holsterhausen/Üfter Mark behördlich festgesetzt. Um die tief liegenden Quellen weiterhin frei von Verunreinigungen zu halten, haben sich 1992 rund 360 Landwirte und fast 40 Gärtner im Schutzgebiet verpflichtet, sanfte und gewässerschonende Anbaumethoden anzuwenden.

Sicher versorgt – auch im Notfall

Gesteuert wird die Anlage von Mühlheim aus, aber auch die direkte Bedienung von Dorsten aus ist noch möglich. Auch die Instandhaltung der Wasserversorgung in Reken und Velen erfolgt von hier aus.

„Wir betreiben eine kritische Infrastruktur“, weist Ramon auf die Vorschriften des Bundes hin. „Wir haben Notfallpläne für verschiedene Szenarien erstellt und bei Stromausfall können wir durch unsere Netzersatzanlage drei Tage lang den Betrieb aufrechterhalten.“

Beide RWW-ler versprechen zum Schluss: „Wir tun alles, um auch kommende Generationen mit gutem, klarem Wasser zu versorgen.“

Zahlen und Fakten zur Wasserversorgung in Dorsten

  • RWW in Dorsten liefert über 4 Millionen m³ Wasser jährlich an 18.000 Zähler
  • Es werden 2.500 Hydranten und 4.300 Schieber betrieben
  • Das Rohrnetz ist 410 Kilometer lang

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