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Kiten mit dem mehrfachen Deutschen Meister

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Julian beim Tourstop der deutschen Meisterschaſt in Heiligenhafen. Foto: Multivan Kitesurf Masters

Haben Sie die Begriffe „Hangtime“, „Bidi“ oder „Indy“ schon einmal gehört?

Nein? Dann geht es Ihnen so wie mir, liebe Leserin, lieber Leser. Zu meinem Glück hat mir der Kitesurfer Julian Hein diese und auch andere Begriffe erklärt. Nun bin ich im Bilde und könnte sofort loskiten, zumindest theoretisch.

Ab Windstärke zwei kann man schon kiten

Ob im Garten, in der Garage oder im umgebauten Kleinbus, überall auf dem Grundstück der Familie Hein auf der Hardt ist sichtbar, welchem Hobby, beziehungsweise welchem Beruf, Julian und sein Vater nachgehen. Hier hängen die Neoprenanzüge zum Trocknen, dort werden die Halteleinen der Lenkstangen, der sogenannten Bars, kontrolliert und in der Garage stehen sorgfältig aufgereiht die verschiedenen Boards nebeneinander. „Ich benutze verschiedene Bretter für die verschiedenen Disziplinen“, erklärt mir Julian und zeigt auf die Boards, „je nachdem, ob ich Rennen fahre oder springe“.

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Alles ist griffbereit, damit es privat oder mit der familieneigenen, 2018 gegründeten mobilen Kiteschule, auf die Schnelle nach Holland gehen kann. „Ab Windstärke zwei kann man schon kiten und da der Wind an Ost- oder Nordsee konstant ist, fahre ich gerne nach Holland oder Fehmarn“, fährt er fort.

Respekt vor den Naturgewalten

Zu seinem Sport kam der junge Dorstener durch seinen Vater Michael, selbst ein passionierter Kiter. „Kiten ist gar nicht schwer, nach dem zweiten Versuch stand ich bereits und konnte zumindest schon übers Wasser fahren“, erinnert sich Julian. Sicher leicht daher gesagt von einem jungen Mann, der auch Snowboard und Ski fährt. „Es macht einen Riesenspaß, auf den Boards zu stehen und mit dem Wind übers Wasser oder über den Schnee zu gleiten. An Sprünge habe ich damals noch nicht gedacht, das Abheben beim Kiten kommt natürlich erst mit der Zeit. Dann wird man mutiger, aber das liegt ja wohl in den Genen von uns Jugendlichen“, lacht der 22-Jährige. Den Respekt vor den Naturgewalten, vor Wind, Wasser und Wellen, den hat er sich jedoch behalten. 2009 brachte Julians Vater ihm das Kiten bei und bereits ein Jahr später startete Julian bei seinem ersten Turnier in Deutschland. „Ab da hatte ich fast nur noch Kiten im Kopf“, erwähnt der Student der Fachrichtung „Online-Marketing“.

Ready to take off

„Ich sah mir bei YouTube die Sprünge der ganz Großen auf diesem Gebiet an, habe versucht, sie nachzumachen und bin dadurch Stück für Stück besser geworden. Und das, ohne mich dabei zu verletzen oder mir Knochen zu brechen“, betont er. Um für die Meisterschaften fit zu sein, trainiert er regelmäßig im Fitnessstudio. „Auch wenn es beim Kiten weniger auf Kraft, sondern mehr auf Technik ankommt, so muss ich doch bei Sprüngen, die bei mir auch schon mal zehn Sekunden dauern und 15 Meter hoch sein können, die Bar halten können.“

Julian Hein liebt seinen Sport.
Foto: Christian Sklenak

Zum ersten Mal auf dem Podest

War Julian 2013 noch Zuschauer bei den Deutschen Meisterschaften in Fehmarn, so meldete er sich ein Jahr später bereits selbst bei den Junioren an. „2016 ging ich dann wieder an den Start und war total nervös. Ich habe mir recht gute Chancen ausgerechnet und landete dann wirklich zum ersten Mal auf dem Podest“, ist Julian immer noch zu Recht stolz auf diesen zweiten Platz. 2018 hat es der freundliche junge Mann leider nicht geschafft, sich für die Jugendolympiade in China zu qualifizieren. Dafür nahm er in jenem Jahr an der Weltmeisterschaft in Italien teil und erreichte einen beachtenswerten fünften Platz der Senioren in der Disziplin Slalom. „Das war schon ein cooles Gefühl, es geschafft zu haben. Endlich hat sich das Training für mich gelohnt.“

Der Deutsche Meister

Bei der Deutschen Meisterschaft im selben Jahr schnitt er noch besser ab: Der zweite Platz im Freestyle und sogar der erste Platz in Rennen waren ihm sicher und die Erfolgsserie riss auch danach nicht ab.

Fuhr anfangs noch Vater Michael mit, so ist Julian mit seinem Bully nun mit Freundin Estella unterwegs. Im August zu drei Kite-Events in Heiligenhafen, in St. Peter-Ording und auf Fehmarn fuhr zum ersten Mal sein Mischlingshund Kenny mit. Auch beim Tourstop der deutschen Meisterschaft in Heiligenhafen schätzte Julian seine Chancen in der Disziplin Slalom einen Platz unter den ersten drei zu erreichen, als realistisch ein. Und er sollte recht behalten: Mit einem Sieg und damit dem ersten Platz fuhr er zurück nach Dorsten. Möglicherweise hat auch mein Daumendrücken ein klein wenig dazu beigetragen. 

Auch wenn es deutsche Kiter nicht wie Brasilianer, die täglich bei hohem Wellengang trainieren können, zur Weltspitze schaffen, so können wir Dorstener dennoch stolz auf unseren Deutschen Meister im Kiten sein.

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