Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und Direktionsleiter Martin Kirchner stellen den Kriminalitätsbericht 2022 der Öffentlichkeit vor. In Dorsten zeigt sich bei der Kriminalität ein gemischtes Bild.
Am 1. März stellte das Polizeipräsidium Recklinghausen den neuen Kriminalitätsbericht für den Kreis und für Bottrop vor. Dabei gab es zumeist schlechte Nachrichten. So zeigt die Entwicklung der Kriminalität im Jahr 2022 einen deutlichen Anstieg der Straftaten gegenüber den Vorjahren.
Einer der Hauptgründe: Mit dem Wegfall der Isolation und der Coronabeschränkungen hat sich das Leben nach fast drei Jahren Pandemie wieder normalisiert. Menschen sind wieder weniger zu Hause, damit mehr unterwegs und dadurch ergeben sich für Kriminelle viele neue Tatgelegenheiten.
„Es fahren wieder mehr Menschen zum Arbeiten ins Büro, die Schüler werden wieder in Präsenz unterrichtet und in der Freizeit sind die Menschen wieder häufiger unterwegs. Es gibt also mehr Gelegenheiten, unbemerkt in Wohnungen einzusteigen“, erklärt Friederike Zurhausen.

Gewalt und Raub
Kreis RE: Die Gewaltdelikte, insbesondere Raubstraftaten, sind im Kreis deutlich gestiegen. Von den Raubüberfällen auf Straßen, Wegen und Plätzen konnten mit 74 geklärten Straftaten 34 Delikte mehr als im Vorjahr geklärt werden. Das entspricht einer Steigerung der Aufklärungsquote um 5,4 Prozentpunkte. Es gab 20 Tötungsdelikte im Jahr 2022, davon zwölf Taten im Versuch.

Dorsten: Raubdelikte sind in Dorsten auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre. Der klassische Handtaschenraub scheint zudem in der Stadt seit Jahren so gut wie nicht mehr vorzukommen – zuletzt wurde 2019 ein Fall dokumentiert. Dafür bereiten die vermehrt vorkommenden Körperverletzungen der Polizei Sorgen, auch wenn die meisten aufgeklärt werden. 2022 gab es fast zehn Fälle die Woche, rund 60 mehr als im Vorjahr. Ausgerechnet das einzige Tötungsdelikt im Jahr 2022 blieb allerdings ohne Aufklärung.
Diebstahl und Einbruch
Kreis RE: Auch bei den Diebstahlsdelikten wie Wohnungseinbruch, Delikten der
Straßenkriminalität oder den Sexualdelikten, ist ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu
verzeichnen. Trotz deutlichen Anstieg der Wohnungseinbrüche liegen diese im Jahr 2022 noch knapp unter dem Niveau von 2019, also vor Coronabeginn.
Dorsten: Die gute Nachricht vorweg – Diebstähle und Fahrraddiebstähle sind in Dorsten auf erfreulich niedrigem Niveau. Bei den Einbrüchen sieht es leider anders aus. 2022 stiegen die Zahlen wieder deutlich an, auch wenn die insgesamt 113 Fälle im Zehn-Jahres-Vergleich immer noch niedrig erscheinen.
Sexualdelikte
Kreis RE: Die Fallzahlen im Bereich der Polizeidirektion Recklinghausen sind in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. Die hohen Fallzahlen erklären sich auch durch das Aufdecken einer Vielzahl von Missbrauchsfällen und die Verbreitung von Missbrauchsabbildungen im Internet.
Dorsten: In Dorsten gab es im vergangenen Jahr insgesamt 127 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, darunter 14 Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung. Auch wenn diese Taten in neun von zehn Fällen aufgeklärt wurden und die Zahl im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken ist, ist die Zahl Anlass zur Sorge.
Täterprofil
Wie in den Vorjahren sind die ermittelten Tatverdächtigen zumeist Männer. Ihr Anteil lag 2022 bei rund 72 Prozent. Rund 30 Prozent der Tatverdächtigen besitzen keinen deutschen Pass.
Der Anteil jugendlicher Tatverdächtiger (Tatverdächtige unter 21 Jahren) ist von 19,46%
leicht auf 21,30% gestiegen. Dieser Anteil liegt jedoch unter dem Anteil jugendlicher
Tatverdächtiger vor der Corona-Zeit, also im Jahr 2019. Hier waren es 22%. Im Jahr
2007 waren dies noch 30,20%.

Fazit
Seit 2016 sind die Fallzahlen grundsätzlich rückläufig. Außerdem hat sich auch die Corona-Pandemie auf den Rückgang ausgewirkt – seit 2020 sind die Zahlen in mehreren Deliktsbereichen nach unten gegangen. Mit dem Ende der meisten Corona-Maßnahmen ist dieser Trend vorbei.
Dorsten zeigt sich bei der Kriminalitätsstatistik im Mittelfeld. Positiv sind hier die gesunkenen Zahlen bei Diebstahl und Raub. Allerdings bereiten die Einbrüche und häufige Körperverletzungen der Polizei Sorgen.
Wer sich den gesamten Bericht zur Kriminalität einmal ansehen will, findet eine elektronische Version als PDF hier.




























