In diesem Jahr scheinen sich die Eichenprozessionsspinner nicht nur in Dorsten, sondern in ganz NRW vermehrt zu haben.

Die Stadt Dorsten erfasst derzeit alle Hinweise vonseiten der Bevölkerung auf Nester der Eichenprozessionsspinner-Raupen.

Viele Bürger haben aktuell den Eindruck, dass die Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr vermehrt auftreten. Diesen Eindruck bestätigt auf Nachfrage der Redaktion auch Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen.

Keine konkreten Zahlen für 2019

Konkrete Zahlen allerdings, so Blaschke, liegen dem Landesbetrieb derzeit noch nicht vor. Während in urbanen Wohngebieten, an Schulen und Kindergärten sowie in öffentlichen Parks Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, lasse der Landesbetrieb mitten im Wald der Natur in der Regel ihren Lauf. „Mit dem so genannten Johannistrieb Ende Juni treiben die Eichen neue Blätter aus. Das schwächt die Bäume, bringt sie aber nicht um“, so Michael Blaschke.

Eichenprozessionsspinner-

Ursache

Laut Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen habe die April- und Maiwitterung 2018 die Eichenprozessionsspinner begünstigt.

Auf einen rekordträchtig warmen April 2018 folgte in diesem Jahr ein ebenso warmer Mai. Laut Angaben des deutschen Wetterdienstest handelte es ich um den wärmsten und sonnenscheinreichsten Mai seit 1889, dem bisherigen Rekordhalter. Auch Spätfrösteblieben in diesem Jahr aus. Neben vollen Eisdielen und Biergärten, fühlen sich auch die für den Menschen gefährlichen Eichenprozessionsspinner durch die Witterung angeregt.

Hohe Temperaturen begünstigen das Wachstum

Die hohen Temperaturen begünstigen das Wachstum und die Entwicklungder Anfang Mai schlüpfenden Raupen. Die Gefahr für den Menschen ist zur Zeit des Raupenfraßes am höchsten.

Betroffen sind, wie in den letzten Jahren, vor allem Eichen im „Privaten und Öffentlichen Grün“, wobei in Wäldern sich der Befall auf Waldränder beschränkt.

Dies ist nachvollziehbar, weil die Schmetterlinge von Lichtquellen im privaten und öffentlichen Grün angelockt werden und vor allem dort die Eiablage in den Oberkronen von Eichen stattfindet.

EPS Raupen Haare
Die Spitzen der Brennhaare bohren
sich in die Haut und brechen danach ab. Foto: LWF Freising

Allergene Wirkung von EPSRaupenhaaren

Von den unscheinbaren Schmetterlingen geht keine Gefahr aus. Ganz anders bei den Raupen, die prozessionsartig in Gruppen krabbelnd, bei Gefahr winzige, 0,1 bis 0,2 mm kleine, nicht sichtbare „Brennhaare“ abschießen können. Eine ausgewachsene Raupe verfügt über mehr als 600.000 dieser „Pfeile“, die allerdingserst ab dem dritten Larvenstadium gebildet werden.

Die Spitzen der Brennhaare bohren sich in die Haut und brechen danach ab
Foto: mediXtra

Bei Berührung reagiert die Haut des Menschen zunächst mit roten, juckenden Pusteln. Die Spitzen der Brennhaare bohren sich in die Haut und brechen danach ab, z. B. beim Kratzen an den Pusteln oder beim Waschen. Durch die Bruchstelle wird das Nesselgift Thaumetopoein freigesetzt, was anschließend zu heftigen allergischen Reaktionen führt. Beim Einatmen der feinen Härchen können zudem Atembeschwerden wie Bronchitis und Asthma auftreten.

Stadien EPS-Raupen

Antworten auf häufig gestellte Fragen

1. Welche Baumarten werden befallen und welche natürlichen Gegenspielergibt es?

In allererster Linie werden Eichen (Gattung Quercus) befallen. Von den Vögeln istv.a. der Kuckuck in der Lage die Raupen für ihn in unschädlich Weise aufzunehmen.

Der Vollständigkeit halber sei hier auch der Wiedehopf angeführt, welcheraber leider bei uns nur in sehr geringen Dichten vorkommt. Aus dem Reich der Insekten sind insbesondere räuberische Käfer wie der Große Puppenräuber (Calosomasycophanta) aber auch die Raupenparasiten Raupenfliegen (Tachinidae), Schlupfwespen (Ichneumonidae) und Brackwespen (Braconidae) zu nennen.

Aus ökologischer Sicht könnten diese Gegenspieler ggf. in der Lage sein eine Massenvermehrung zu beeinflussen – sie sind aber zum Schutz der Menschen vor den Raupenhärchen nicht geeignet, da sie sich erst nach dem Dichteanstieg des EPS vermehren können und dann die Gefahr bereits besteht.

2. Sind die Raupen und die von ihnen ausgehende Gefährdung eine „für denWald typische Gefahr“? (wie z.B. der Riesenbärenklau)?

Ja!

3. Müssen die Waldbesitzenden zur Gefahrenabwehr selber tätig werden?

In der Regel nein, es sei denn es bestehen besondere vertragliche Verbindlichkeitenz.B. zwischen einem Kindergarten und Waldbesitzenden.

4. Kann in einem von EPS befallenen Wald der Betrieb eines Waldkindergartens weiter aufrecht erhalten bleiben? Welcher Abstand zu den Befallsherden sollte eingehalten werden?

Das muss mit dem Kindergartenbetreiber abgestimmt werden. Die Kinder dürfendie Nester auf keinen Fall berühren und auch nicht im befallenen Wald spielen oder sich dort bewegen. Ein konkreter Abstand ist justiziabel nur schwer zu nennen, da die Härchen sehr weit verdriftet werden können

5. Muss die Ordnungsbehörde zur Gefahrenabwehr im privaten Wald tätigwerden und welche Ordnungsbehörde ist zuständig?

a) Für unmittelbare Gegenmaßnahmen im Sinne der Gefahrenabwehr (Koordination des Biozideinsatzes und des Absammelns der Nester durch Spezialfirmen) Tatsächlich liegt es im Ermessen der Ordnungsämter der Kommunen, ob diese tätig werden, denn für die EPS-Gefahrenabwehr innerhalb und außerhalb des Waldes sind nicht die Forstämter, sondern die Ordnungsämter der Kommunen zuständig. Ggf. könnten die Zuständigkeit auch bei den Kreisverwaltungen (Gesundheitsämter) liegen. Das ist im Einzelfall zu prüfen. Wald und Holz NRW wäre grundsätzlich nur dann zuständig, wenn es sich um eine ökologische Fragestellung handeln würde (wird Eichensterben induziert).

b) Information von Waldbesuchenden durch Wald und Holz NRW

Da die Härchen erhebliche Irritationen der Haut und/oder der Atemwege oder Allergien bei Menschen und Tieren auslösen können, sollte Wald und Holz NRW (immer in Verbindung mit den Ordnungsämtern) die Bevölkerung über die Befallssituation informieren, auch wenn es sich um eine waldtypische Gefahr handelt.

6. Was muss ich tun, wenn Eichen in meinem Garten ein EPS Befall haben?

a. Zuerst an die eigene Gesundheit denken und alle ggf. betroffenen Personenvon den Tieren, den Nestern und Häuten fernhalten!

b. Keine Gegenmaßnahmen auf eigene Faust durchführen!

c. Benachbarte Türen und Fenster geschlossen halten.

d. Ordnungsamt der zuständigen Kommune informieren und diese nach ggf. bereits eingeleiteten Maßnahmen (kooperatives Entfernen der Nester durchSpezialfirmen) befragen.

e. Wenn die Ordnungsämter keine Maßnahmen planen, sollte in eigener Zuständigkeit eine Spezialfirma mit der Entfernung der Nester beauftragt werden.

7. Was für Gegenmaßnahmen sind einzuleiten und wer bezahlt das?

a) Absaugen und Kartierung der Befallsstellen im Juli 2018

Kommen die kommunalen Ordnungsämter zum Schluss, dass von den befallenenEichen eine Gefahr für Menschen und Tiere ausgeht, ist aktuell ein Absaugen der Nester durch Spezialfirmen das Mittel der Wahl. Abflämmen kommt wegen der Thermik und des Verwirbelns der Härchen in der Regel nicht in Frage. Die Befallsstellen sind in einer Karte zu dokumentieren.

b) Biozideinsatz im Frühjahr 2019

Beim Absaugen der Nester werden erfahrungsgemäß nicht alle gefunden. Insofernsind im Frühjahr 2019 Biozideinsätze in besonderen Bereichen ins Auge zu fassen. Die Einsatzbereiche sollten ggf. durch Eigelegesuchen in den Eichenoberkronen verifiziert werden.

c) Kostenträger

Die kommunalen Ordnungsämter tragen in der Regel die Kosten.

8. Ab welchem Zeitpunkt ist die „Gefahr“ vorbei?

Wenn die Härchen nach ca. 2 Jahren ihre allergene Wirkung verloren haben.Wenn erneuter Befall auftritt, verlängert sich der Zeitraum entsprechend.

9. Welche Pflichten habe ich als RevierleiterIn im Wald mit bzw. ohne Beförsterungsvertrag?

Forstschutz im Sinne des § 52 LFoG zählt nicht zu den Leistungen der TätigenMithilfe oder dem kostenlosen Rat und Anleitung. Wenn aber der Befall im Zuge einer Reviertätigkeit wahrgenommen wurde, sind die Waldbesitzenden, die Ordnungsämter und die Öffentlichkeit (siehe Antwort 5b) zu informieren. (Quelle: Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen).

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