Tisa-Archiv zieht in neue Räumlichkeiten

Dorsten. Im Keller des St. Ursula-Gymnasiums liegen sie verborgen: Die Schätze von Tisa von der Schulenburg, genannt Schwester Paula.

Noch stapeln sich hunderte ihrer Zeichnungen in den Schubladen, Blätter rascheln. Ihre Werke aus Bronze flüstern Geschichten. Könnten sie reden, hätten sie wohl unzählige Geschichten aus dem Leben zu erzählen. Bald finden sie eine neue Heimat. Das Tisa-Archiv zieht um.

Tisa-Archiv zieht aufs Zechengelände

Jahrelang hüteten die St. Ursulinen-Schwestern die Werke ihrer wohl berühmtesten Bewohnerin im Keller: Schwester Paula, wie sich die Künstlerin Tisa von der Schulenburg später nannte. Nun ziehen ihre Werke um: In die Räume der RAG, gleich neben dem Förderturm in Hervest. Hier gilt das Bergbaurecht. Zutritt ist nur nach Absprache gestattet.

Bronzeskulpturen zieren den Weg zum Atelier.
Foto: André Elschenbroich

Vor zehn Jahren wurde das RAG-Gebäude als Wasserhaltungsstandort gebaut. Mit der Funktion, steigendes Wasser abzupumpen. Doch das war in den vergangenen Jahren nicht nötig. Jetzt liegt das Gebäude im Dornröschenschlaf, die Pumpen stehen still. Aus diesem Grund darf die Tisa-von-Schulenburg-Stiftung die Räume der RAG demnächst wiederbeleben. Solange die Pumpen ruhen, findet Tisas Nachlass hier eine neue Heimat.

Dokumentation des Schaffensprozesses

Aufgrund der Luftverhältnisse und klimatisierten Räume finden die Kunstwerke in dem Gebäude einen sicheren Ort der Aufbewahrung. Ohne dem Zahn der Zeit zum Opfer zu fallen. Besichtigungen sind nach Absprache möglich. Sowohl im neuen Archiv als auch im alten Atelier. Im Tisa-Archiv läuft künftig ein Film in den RAG-Räumen, der den Schaffensprozess der Dorstener Künstlerin zeigt. Das Atelier bleibt, wo es war. Die Schubladen dort sind noch gefüllt mit Zeichnungen.

Hans-Josef Leiwen und Schwester Barbara stöbern in Tisas Werken.
Foto: André Elschenbroich

Ein großer Bewunderer Schwester Paulas ist Hans-Josef Leiwen. Dieser sortierte die Werke in monatelanger Arbeit liebevoll. Er ordnete hunderte Papiere zu, archivierte und verpackte sie. Uralte und alte Filmrollen liegen noch im Keller. Diese sollen in naher Zukunft digitalisiert werden. Ingrid Sommer-Brinkamp, Geschäftsführerin, und Lambert Lütkenhorst, erster Vorsitzender der Stiftung arbeiten tatkräftig an der Realisierung des Vorhabens.

Schwester Paula – dem Bergbau verbunden

Im Vorraum des Ateliers an im Keller des St. Ursula Gymnasium lächelt Tisa von der Schulenburg uns auf einem Foto als Kind und Jugendliche entgegen. Foto für Foto reisen wir mit ihr durch die Zeit. Durch ihr Leben. Zurück und doch vorwärts.

Momente aus Schwester Paulas Leben.
Foto: André Elschenbroich

Wir begegnen bekannten Gesichtern wie Johannes Rau, der zur Mahnwache der Schließung der Zeche Fürst Leopold gekommen war. Angela Merkel, damals noch Bundesministerin für Frauen und Jugend, verleiht Schwester Paula das Bundesverdienstkreuz für ihr Lebenswerk und ihr soziales Engagement.

Bewegende Momente aus einem erfüllten Leben

Wir werfen einen Blick in Tisas altes Telefonbuch, in dem Albert Einsteins Telefonnummer eingezeichnet ist. Kurze Momente aus einem langen Leben. In der Zeit eingefroren. Bewegend.

Als komme Schwester Paula jeden Moment zur Tür hereinspaziert…
Foto: André Elschenbroich

Beim Betreten des Ateliers wirkt es, als komme Schwester Paula jeden Moment zurück. Ihre Mützen liegen ordentlich auf dem Schaukelstuhl. An der Wand hängt ihre erste Bronzeskulptur. Wachs, Farbtöpfe und Pinsel liegen auf dem Tisch verteilt. Sie scheinen nur darauf zu warten, gleich wieder zum Einsatz zu kommen.

Werke bleiben im Kloster-Bestand

Noch immer erzählt Schwester Barbara, eine langjährige Freundin der Künstlerin, die Geschichten zu jedem einzelnen Werk. Schwester Barbara sieht mehr in den Tisa-Arbeiten, als es auf den ersten Blick ersichtlich ist. Sie bringt das Hintergrundwissen mit.

Tisas erste Skulptur findet sich im Atelier
Foto: André Elschenbroich

Lebendig erzählt sie vom Sturm auf den Meeren, vom Kampf für die Bergleute, von dem Mut und der Verzweiflung im Glauben. Nur einige Aspekte, die Schwester Paula in ihrer Kunst ausdrückte. Im Tisa-Archiv kommen ihre Kunstwerke aus ganz Deutschland zusammen. Sie sind eine Dauerleihgabe an die Ruhrkohlestiftung und bleiben im Kloster-Bestand.

Kooperationen mit heimischen Künstlern

Auf Dauer sollen Kooperationen mit heimischen Künstlern folgen, die bei der RAG am Förderturm ebenfalls ihre Kunst ausstellen können. Zudem ist eine Metallwerkstatt eingerichtet, in der Jugendliche in Kooperation mit dem „LEO“ mit Metall und Holz arbeiten können. Alles im Sinne der Kunst. Im Gedenken an Tisa.

Aus diesem Grund wird auch alle drei Jahre der Förderpreis der Stiftung vergeben. Noch können Künstler ihre Werke bis zum 31. Dezember 2020 einreichen. Passend zu den Themen Lepra, Ungerechtigkeit in der Welt, Bergbauarbeiter, Menschenrecht und Umwelt, wie sie Tisa von der Schulenburg am Herzen lagen.

Wer das Atelier besichtigen möchte: Schwester Barbara bietet Führungen durch das Atelier an. Kontakt: : 02362-9541064.

Tisa von der Schulenburg war eine deutsche bildende Künstlerin. Sie fand in Dorsten eine Heimat und wurde Ordensschwester im Orden der Ursulinen, wo sie den Namen Schwester Paula annahm. Weitere Infos unter https://www.tisa-von-der-schulenburg.de/

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