Die Senioren Union Dorsten reagiert mit Sorge auf Berichte, wonach der Pflegegrad 1 in der gesetzlichen Pflegeversicherung gestrichen werden könnte.
Nach Einschätzung des Vorstands drohen dadurch Nachteile für Pflegebedürftige, besonders für demenzkranke Menschen und ihre Familien.
Fehlende Milliarden in der Pflegeversicherung
In der Pflegeversicherung fehlen laut aktuellen Angaben mehr als zwei Milliarden Euro. Diese Lücke beunruhigt viele Mitglieder der Senioren Union Dorsten. Innerhalb der Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ wird derzeit über Strukturänderungen beraten.
Aus einem Papier dieser Gruppe geht hervor, dass der Pflegegrad 1 entfallen soll. Diese Überlegung stößt bei der Senioren Union Dorsten auf deutliche Kritik.
Warum der Pflegegrad 1 wichtig ist
Mit der Einführung der Pflegegrade im Jahr 2017 wurden erstmals auch Menschen mit Demenzerkrankungen in die Pflegeversicherung aufgenommen. Viele Betroffene erhielten dadurch finanzielle Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, den Alltag länger selbstständig zu bewältigen und den Umzug in ein Pflegeheim hinauszuschieben.
„Die Abschaffung des Pflegegrad 1 könnte für viele Betroffene und ihre Familien eine deutliche Verschlechterung bedeuten. Ohne die bisherige Unterstützung droht für Demenzkranke schneller eine stationäre Unterbringung mit höheren Kosten für alle Beteiligten“, so wie Lambert Lütkenhorst, Vorsitzender der Senioren Union Dorsten, mitteilt.
Stimmen aus der Praxis
Auch Mitglieder der Senioren Union berichten von eigenen Erfahrungen. Eberhard, der Pflegegrad 1 bezieht und in einer Pflegeeinrichtung lebt, erklärt im Gespräch mit dem Vorstand, dass die Unterstützung unter anderem für die Reinigung seiner Wohnung verwendet wird.
Fiele diese Leistung weg, könnte er die Arbeiten wegen mehrerer gesundheitlicher Einschränkungen – darunter Herz- und Niereninsuffizienz sowie eine Gehbehinderung – nicht mehr selbst übernehmen. Aus Solidarität hat er bislang keinen höheren Pflegegrad beantragt, würde dies bei einer Abschaffung der bisherigen Regelung aber tun. Das könne, so Eberhard, die Kosten für die Pflegeversicherung zusätzlich erhöhen.
Appell an die Politik
Der Vorstand der Senioren Union Dorsten sieht die Gefahr, dass der Wegfall niedrigschwelliger Leistungen zu mehr Anträgen auf höhere Pflegegrade führt. Dadurch könnten die Ausgaben der Pflegeversicherung weiter steigen und die Solidargemeinschaft stärker belastet werden.
Die Senioren Union Dorsten appelliert deshalb an die politischen Entscheidungsträger, den Pflegegrad 1 beizubehalten und die Interessen der Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen in den Mittelpunkt der Reform zu stellen.




























