Vor sechzehn Jahren begann ihr großes Abenteuer. Christian Henniger baute einen Lkw zu einem vollwertigen „Wohnmobil“ um. Vier Jahre später begann ihre Reise, geplant auf zwei Jahre. Aber auch nach zwölf Jahren ist für das Dorstener Ehepaar kein Ende in Sicht. 

„Der Weg ist das Ziel“, ist Christian Hennigers Motto. „Wir halten dort, wo es schön ist oder wenn es sein muss. Bei einer Panne beispielsweise.“ Bisher sind die beiden Rentner jedoch ohne große Reparaturen durchs Land gezogen. Oder besser durch die Länder gezogen. Vor allem Norwegen und Spanien haben es dem Paar angetan, immer auf der Flucht vor dem Winter und der Suche nach angenehmen 25 Grad. „Dann fühlen wir uns am wohlsten“, lächelt seine Frau. 
Auf halbem Weg jeweils zwischen Norwegen und Spanien macht das Dorstener Paar stets für zwei oder drei Monate Halt auf dem Dorstener Wohnmobilstellplatz an der Eissporthalle. Wie auch jetzt, als ich mich mit ihnen traf und sie mir von ihrem Abenteuer erzählen, das vor 16 Jahren begann. 

Monika und Christian Henniger machten wahr, wovon andere Menschen vielleicht träumen 

„Wir wollten unser Leben genießen und unabhängig, ganz ohne Verpflichtungen sein, wenn wir Rentner sind“, erzählt Monika Henniger weiter. „Uns schwebten zwei Jahre mit einem Truck vor, mit dem wir abwechselnd in den Süden und dann wieder in den Norden fahren wollten.“ Ihr Mann hatte als gelernter KFZ-Elektriker und LKW-Fahrer genug Erfahrung und Wissen, um sich den Umbau eines Trucks zuzutrauen und ihn anschließend auch zu fahren. „Ich suchte nach einem gut erhaltenen Auflieger und wurde in München fündig. Ein zehn Meter langes Umwelt-Messfahrzeug, bereits mit Dachfenstern und einer Tür versehen, isoliert und nur 200.000 Kilometer auf dem Tacho, weckte mein Interesse.“  

Nach vier Jahren Arbeit war der Truck bereit für die große Reise 

Vier Jahre lang werkelte Christian Henniger nun an diesem Prachtstück herum. Dabei flossen sämtliche Erfahrungen in den Umbau hinein, die die zwei in 40 Jahren Camping gemacht haben. So sind die Holsterhausener auf ihren Fahrten nicht nur mit allem, was sie brauchen ausgestattet, mit Solaranlage und einem Windrad, das sie in Spanien benutzen, sind sie zudem autark. 
Die vier Jahre gingen zu Ende, der Truck war reisefertig, es hieß Abschied zu nehmen für angedachte zwei Jahre. Dazu gaben die beiden reiselustigen Senioren ihre Wohnung in Holsterhausen auf, verschenkten ihren Hausstand, brachten den Rest zum Sperrmüll, kauften sich eine Eigentumswohnung für den Notfall und dann ging es ab auf Reisen. 

Alles, was die brauchen, ist in ihrem Truck 

„Wir mussten ordentlich reduzieren, Fotos und andere persönliche Andenken wegwerfen, damit wir alles im Truck unterbekommen. Aber die Erinnerungen sind ja in unseren Köpfen vorhanden“, betont Christian Henniger. Und in der Tat ist im Inneren des Aufliegers alles zu finden, was man zum Leben braucht. Alles ist bis ins Kleinste ausgetüftelt. Jeder Zentimeter ist optimal genutzt oder verbaut. Möbel, Gasanschlüsse und die Elektrik verlegte der heute 75-Jährige selbst. 100.000 Euro hat er dabei in den Ausbau gesteckt. „So weiß ich wenigstens, wenn etwas kaputtgeht, wo was ist“, betont der rüstige Handwerker. 
„Ich konnte mir unsere leere Wohnung am Tag vor der Abreise nicht mehr ansehen“, erinnert sich seine Frau. „Das tat schon weh, aber das Fernweh war stärker.“ Und das Fernweh packt sie auch noch heute. Aus den zwei Jahren sind mittlerweile zwölf Jahre geworden und ein Ende ist nicht abzusehen. „Für uns sind die 25 Quadratmeter Freiheit auf Rädern gelebte Normalität.“  

Die vollausgestattete Küche
Foto: Christian Sklenak

Zeit zu haben muss erst gelernt werden 

Ende August geht es wieder los nach Norwegen, in das absolute Traumland des Ehepaares. Hier im Land der Wasserfälle, Seen und der Berge fühlen sie sich ebenso zu Hause wie in Andalusien, „aber unser Zuhause ist und bleibt Dorsten“, sind sich die zwei einig. Bevor der Winter einbricht, geht es wieder ab Richtung Deutschland und weiter nach Spanien. „Die Zeit, in der wir in Dorsten haltmachen, nutzen wir für Treffen mit der Familie, insbesondere mit unseren Kindern und Enkeln“, erzählt Monika Henniger. 
Zeit zu haben, mussten die beiden Camper erst lernen. „Keine Eile zu haben und auf dem Weg zum Süden oder nach Norden dort stehenzubleiben, wo es uns gefällt, das war ja ganz neu für uns“, ergänzt ihr Mann. 
200.000 Kilometer sind die zwei seit ihrer ersten Fahrt mittlerweile mit dem Truck gefahren. „Der Tacho steht nun auf 400.000, aber der Truck hält noch“, ist sich der Trucker sicher. „Das Führerhaus hat ja einen Stern auf dem Kühler“, lacht er. In fünf Minuten ist Selbiges abgekoppelt, damit das Paar auch ohne Auflieger unterwegs sein kann. Christian Henniger hat für solche Fälle sein Motorrad hinten am Truck befestigt. 

Mit der Familie auch unterwegs in Verbindung 

„Im ersten Jahr hatte ich noch etwas Heimweh und wir waren auch unruhig“, erinnert sich die 70-Jährige, „aber mit Skype, E-Mail und Handy sind wir ja in Kontakt. Jetzt kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, in einer Wohnung zu leben.“ Und beide schwärmen unisono davon, wie herrlich es ist, morgens die Gardinen zur Seite zu schieben, den Sonnenaufgang zu erleben und zu sehen, wie die Fischerboote allmählich vom Fischen zurück in die Lagune kehren.   

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