Tage des Grundgesetzes mit vollem Programm

Am 23. Mai 1949 trat in der Bundesrepublik Deutschland das Grundgesetz in Kraft. Um an diesen demokratischen Meilenstein zu erinnern, feiert Dorsten vom 19. bis 23. Mai die Tage des Grundgesetzes.

Joachim Thiehoff und Tobias Stockhoff werben für die Tage des Grundgesetzes in Dorsten. Foto: Borgwardt

Nachdem die Tage des Grundgesetzes im vergangenen Jahr rund um den Tag der Deutschen Einheit angelegt waren, finden sie dieses Mal im Mai statt. Vom 19. bis zum 23. Mai stehen Projekte im Mittelpunkt, die sich mit Demokratie und Werten auseinandersetzen. Besonderen Schwerpunkt bilden dabei in diesem Jahr die Themen Rassismus und Ausgrenzung. Schließlich wollten die Väter des Grundgesetzes unter dem Eindruck der Naziverbrechen ein Zeichen gegen solche Diskriminierung setzen.

„Wir können stolz auf das Grundgesetz sein“, da sind sich Bürgermeister Tobias Stockhoff und Joachim Thiehoff einig. Der Leiter des Büros für Bürgerengagement, Ehrenamt und Sport freut sich auf die Aktionstage. „Ich bin begeistert, wie viele Dorstener Gruppen sich wieder bereit erklärt haben, mitzumachen“, so Thiehoff dazu. Ohnehin sei das gesamte Programm aus bürgerschaftlichem Engagement hervorgegangen. Ziel ist es, die Auseinandersetzung mit demokratischen Werten zu fördern. Zudem sollen die Menschen für den Stadtdialog begeistert werden.

Besonders stolz ist Joachim Thiehoff dabei auf die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung„, die bislang nur in großen Metropolen wie Berlin oder München zu sehen gewesen sei. Nun kommt die Wanderausstellung auch nach Dorsten, wo sie an jüdische Sportidole erinnert, denen ihr Glaube und ihre Herkunft zum Verhängnis wurde.

Das Programm im Einzelnen

Während des gesamten Aktionszeitraumes wird es drei Angebote der Youngcaritas geben. Die Jugendplattform der Caritas bietet etwa eine „multimediale Schnitzeljagd“ durch die Innenstadt an. Unter dem Titel „Actionbound – Dorstener Geschichtssplitter“ können sich die Teilnehmer mit Hilfe einer Handy-App selbst auf den Weg machen. Dabei sollen Stationen aufgesucht werden, die in Dorsten für Demokratie und Freiheit stehen. Zudem wird am 13. Mai ein Interview mit dem Bürgermeister im Podcast CariWas auf der Caritas-Seite veröffentlicht. Eine Aktion zum Anfassen gibt es auch: Vor dem Alten Rathaus kann man auf der Bank für Toleranz seinen Fingerabdruck hinterlassen.

Im Gymnasium Petrinum und im Foyer der Stadtbibilothek wird es während der Tage des Grundgesetzes eine Aktion mit „Shirts gegen Rassismus“ samt begleitender Ausstellung geben. Im „Postkarten Projekt“ haben die Schüler zudem ihre Gedanken zu Ausgrenzung und Rassismus dokumentiert. In die gleiche Richtung geht eine Plakataktion der Hervestkonferenz auf der alten Zechenbahnbrücke zu Menschenwürde, Demokratie und Respekt. Wer seine eigenen Rassismuserfahrungen teilen möchte, kann dies auch bei einer Fragenbogenaktion des Seniorenbeirats auf dem Marktplatz tun. Diese findet am Donnerstag, Samstag und Montag um die Mittagszeit statt.

Zu der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, deren bekannteste Mitglieder die Geschwister Scholl waren, gibt es am 19. und 23. Mai einen Vortrag im Alten Rathaus.

Programm am 19. Mai

  • Am Donnerstag werden die Tage des Grundgesetzes um 10.30 Uhr auf dem Marktplatz offiziell eröffnet. Die Eröffnungsfeier wird dabei von Bürgermeisterin Christel Briefs und Schülern des St. Ursula-Gymnasiums gestaltet.
  • Von 12 bis 14 Uhr lädt die Geschwister-Scholl-Schule zu einem Vortrag ins Alte Rathaus. Dabei wird an die Widerstandskämpfer der Weißen Rose erinnert und ihre Flugblätter in Bezug zu den Artikeln des Grundgesetzes gestellt. Begleitet wird die Aktion von der Weltmusik AG.
  • Um 17 Uhr kann man sich beim Caritasverband am Westgraben 18 dem Bürgermeister bei der Schnitzeljagd zu den Dorstener Geschichtssplittern anschließen.
  • Christliche Werte und deren Einfluss auf das Grundgesetz werden um 19 Uhr in der Kirche im Hervester Bahnhof besprochen. Dieser Vortrag von Pastor Jens Vogel war dabei bereits im vergangenen Jahr auf großes Interesse gestoßen und wird nun mit musikalischer Begleitung neu aufgelegt.

Programm am 20. Mai

  • Am Freitag geht das Programm um 10 Uhr mit dem Seniorenbeirat auf dem Marktplatz in der Altstadt los. Bis 15 Uhr dreht es sich um das Thema „Im Alter dabei sein“. Dabei stellt der Seniorenbeirat verschiedene Möglichkeiten der Teilhabe für ältere Menschen in Dorsten vor.
  • Um 11 Uhr wird die Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung: Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ eröffnet. Vor dem Jüdischen Museum am Südwall erinnern 14 überlebensgroße Silhouetten an Sportikonen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert oder sogar ermordet wurden. Die Ausstellung ist bis zum 13. Juni zu sehen. Führungen können unter 02362 663066 gebucht werden.
  • Ebenfalls am Jüdischen Museum findet um 16 Uhr der Workshop „Man darf ja gar nichts mehr sagen…“ zu Rassismus und Antisemitismus in der Sprache statt.
  • Zum Thema „Arbeiten in der Fleischindustrie – menschenwürdig?“ beginnt um 19 Uhr eine zweistündige Diskussionsrunde mit einleitendem Vortrag im Pfarrsaal St. Agatha. Eine Anmeldung unter [email protected] ist zuvor erforderlich.
Julius „Juller“ Hirsch (m.) war siebenmal Deutscher Nationalspieler und zweimal Deutscher Meister. 1943 wurde er in Auschwitz ermordet. In der Ausstellung vor dem Jüdischen Museum wird auch an ihn erinnert. Foto: Archiv

Programm am 21. Mai

Am Samstag beginnen die Tage des Grundgesetzes mit einem Fachvortrag zum Thema Rassismus. Unter dem Titel „Aktuelle Entwicklungen am rechten Rand“ laden zwei Frühstücksgemeinschaften der Evangelischen Gemeinde ins Gemeindehaus am Südwall 5 ein. Los geht es um 10 Uhr mit einem reichhaltigen Frühstück.

Programm am 23. Mai

  • Von 11 bis 13 Uhr lädt die Geschwister-Scholl-Schule ein zweites Mal zu einem Vortrag ins Alte Rathaus. Dabei wird an die Widerstandskämpfer der Weißen Rose erinnert und ihre Flugblätter in Bezug zu den Artikeln des Grundgesetzes gestellt. Begleitet wird die Aktion von der Weltmusik AG. Das Programm ist das gleiche wie am Donnerstag.
  • Um 18 Uhr gehen die Tage des Grundgesetzes mit einer Abschlussveranstaltung auf dem Marktplatz in der Altstadt zu Ende.