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Teilhabequatsch: Die inklusive Rockband der Lebenshilfe Dorsten

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Wer sich bei einer inklusiven Band vorstellt, dass die Musiker mit Beeinträchtigungen lediglich Statisten sind, der irrt sich. Der irrt sich sogar ganz gewaltig. Zumindest, wenn es sich um die Rockband „TEILHABEQUATSCH“ handelt. Jakob, Lona, Marie, Maria, Luca und Dominik sind gleichberechtigte Mitglieder und haben alle ihren festen Platz innerhalb der Band. Das merke ich in dem Moment, in dem die Band loslegt und probt.

Heute bin ich Gast bei der fünften Probe der neu gegründeten Band. Ich sehe Schlagzeug, Keyboard, Gitarren, Notenständer. Ich sehe vor allem aber Menschen, die Musik ernst nehmen und dafür brennen. Und auch das, was ich zu hören bekomme, klingt für mich richtig gut, wenn es auch für meine Ohren deutlich zu laut ist. Meine Frage „Seid ihr alle schwerhörig?“ lockt bei allen nur ein Schmunzeln hervor. „Wir müssen so laut proben, damit wir ein Gefühl für die Musik bekommen, da wir auf der Bühne so gut wie nichts hören“, erzählt mir Dominik Schütter, Leiter des Dorstener Lebenshilfe Centers.

Der musikalische Kopf der Band ist Jakob Meyer, Geschäftsführer der Lebenshilfe Dorsten e. V., der auch die erste Musikgruppe der Lebenshilfe Dorsten „Handgemacht“ leitet. „Ich wollte gerne eine inklusive Rockband mit E-Gitarre neben meinen eigenen Bands auf die Beine stellen.“

Teilhabequatsch Band der Lebenshilfe Dorsten
Die Mitglieder der Band, von unten links nach oben rechts: Luca und Jakob, Marie und Maria, Dominik und Lona. Foto: privat

Die Band ergab sich einfach – ohne Casting

Und wie ich sehen konnte, hat das ja auch geklappt. Allerdings nicht in einer Art Casting, sondern es ergab sich einfach so. So hat der 18-jährige Luca ein riesiges Rhythmusgefühl und liebt zudem sein Schlagzeug, sodass für Dominik und Jakob feststand: „Du musst unbedingt das Schlagzeug spielen.“ Luca ist in seiner Schulband eigentlich der Sänger, bevor er sein Talent an den Drums entdeckte.

Auch Marie spielte in einer Schulband. „Ich habe vor fünf Jahren die Schule beendet und habe seitdem erfolglos eine neue Band gesucht, die auch Menschen mit Handicap aufnimmt“, erzählt mir die 26-Jährige. Bei „TEILHABEQUATSCH“ ist sie nun mit ihrer markanten dunklen Stimme unverzichtbar im Duett mit Jakob. Überzeugen konnte ich mich davon während der verschiedenen Lieder, die die Band zum Besten gab. „Natürlich spielen und singen wir jetzt und auf der Bühne live“, ist die einhellige Meinung, als ich danach frage. „Vom Band kommt nur ein Grund-Beat für das Schlagzeug, der Luca unterstützt“, erklärt mir Jakob.

Sprung ins kalte Wasser nach der dritten Probe

„Kopenhagen“, „Flieg mit mir“ oder auch der Rausschmeißer „Lichter der Stadt“ sind aus Jakobs Feder, teilweise mit Unterstützung seiner Bands, manchmal entsteht ein Refrain einfach beim gemeinsamen Üben. Fünf eigene Stücke haben die sechs mittlerweile im Repertoire, damit schafft die Band locker dreißig Minuten Programm. Bereits nach der dritten Probe wagten sie sich „ins kalte Wasser“ und spielten auf dem 18. Geburtstag ihres Schlagzeugers. Und Luca ließ es sich nicht nehmen, selbst mitzuspielen und seinen Gästen sein Können zu zeigen. „Es ist schön, mit seinem Bruder die Leidenschaft zur Musik zu teilen“, betont Dominik und fährt lachend fort. „Dafür lerne ich jetzt sogar das Bassspielen, denn ich möchte nicht der Bremsklotz der Band sein“, und konzentriert sich weiter auf sein Instrument.

Am Keyboard steht die FSJ-lerin Lona, die mehr oder weniger „zwangsverpflichtet“ wurde, als Jakob hörte, dass sie Klavier spielt. „Ich bleibe aber dabei, auch wenn im August mein freiwilliges soziales Jahr endet“, verspricht sie, und Dominik ergänzt: „Du musst auch bleiben, denn du verströmst gute Laune pur.“ Auch Maria, die leider krank ist und daher heute nicht dabei sein kann, freut sich jedes Mal auf die Probe. „Sie hört ein Lied und spielt es sofort nach, daher passt sie perfekt in unsere Band, auch weil sie bei ‚Handgemacht‘ seit elf Jahren Keyboard spielt“, betont Jakob.

Teilhabequatsch zeigt, wie Inklusion praktisch funktionieren kann

Dass es nur wenige inklusive Rockbands gibt, das ist schade und ein Ansporn zugleich. TEILHABEQUATSCH ist ein Beispiel dafür, wie Inklusion praktisch aussehen kann. Nicht als Alibi, nicht als Projekt, sondern als gleichberechtigte Praxis. Die Band bekommt inzwischen Anfragen für Auftritte, ein kurzes Video dazu können Sie sich auf den Social-Media-Kanälen der Lebenshilfe sowie auf YouTube ansehen.

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