Das Jüdische Museum Westfalen hält die Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 lebendig. Es lädt in diesem Jahr gemeinsam mit seinen Partnern zu einer dreiteiligen Gedenkveranstaltung ein.
Am 10. November 2024, einem Sonntag, stehen sowohl stille Momente des Gedenkens als auch kulturelle Beiträge im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und zur Reflexion über Geschichte und Gegenwart anzuregen.
Gedenkstunde im Museumsgarten
Den Auftakt bildet eine feierliche Gedenkstunde im Garten des Jüdischen Museums Westfalen. Um 10.30 Uhr sind die Dorstener Bürger sowie Gäste herzlich eingeladen, gemeinsam der Opfer der Novemberpogrome zu gedenken. Die Stadt Dorsten und das Jüdische Museum schaffen an diesem Ort eine würdige Atmosphäre. So möchten die Veranstalter das Andenken an die Opfer lebendig halten und zur Mahnung an die Novemberpogrome von 1938 aufrufen. Die Gedenkstunde bietet einen Raum für stille Besinnung und gemeinsames Erinnern.
Lesung „Zerbrechlich und Wortgewaltig“ – Nachrichten aus dem Nirgendland
Um 11 Uhr beginnt im Jüdischen Museum die literarisch-musikalische Veranstaltung „Zerbrechlich und Wortgewaltig oder: Nachrichten aus dem Nirgendland“. Die Journalistin und Autorin Caroline Vongries wird Gedichte bedeutender deutsch-jüdischer Dichterinnen wie Mascha Kaléko, Nelly Sachs und Rose Ausländer lesen, die Zeugnisse der Trauer, Hoffnung und Stärke hinterlassen haben.
Ergänzend dazu werden Lebensgeschichten von Frauen vorgestellt, die Franz Kafka nahe standen. Sie waren ebenfalls von den Schrecken des Nationalsozialismus betroffen waren, wie Grete Bloch und Julie Whoryzek. Die Texte dieser jüdischen Autorinnen werden in Beziehung gesetzt zu Gedichten arabischer und iranischer Autorinnen, die für die Frauenbewegung im Iran eine wichtige Rolle spielen. Die Liedermacherin Josefin Rabehl begleitet die Lesung mit eigenen Kompositionen, die das Thema gefühlvoll vertiefen. Diese Veranstaltung, die eine Zusammenarbeit des Jüdischen Museums Westfalen, der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Stadt Dorsten ist, ist bei freiem Eintritt zugänglich.
Lesung „Ein Lied in allen Dingen. Joseph Schmidt“ in der Gnadenkirche Alt-Wulfen
Abgerundet wird das Gedenken am Abend um 17 Uhr mit einer Lesung in der Gnadenkirche Alt-Wulfen. Autor Stefan Sprang liest aus seinem Roman „Ein Lied in allen Dingen“, der das Leben des jüdischen Tenors Joseph Schmidt schildert.

Schmidt, in den 1920er Jahren ein gefeierter Sänger und populär als „der deutsche Caruso“, war eine zentrale Figur der Musikszene und hatte großen Erfolg in Europa. Sein Leben nahm jedoch durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten eine tragische Wende. Auf der Flucht vor dem NS-Regime starb Schmidt 1942 in der Schweiz. Mit historischen Tonaufnahmen des Sängers wird die Veranstaltung eine Hommage an einen großen Künstler und ein bewegendes Zeugnis seiner Zeit. Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen der Gnadenkirche Alt-Wulfen und dem Jüdischen Museum Westfalen statt, der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.
Gemeinsames Gedenken
Diese Gedenkveranstaltungen laden die Bürger ein, innezuhalten, sich zu erinnern und die gesellschaftliche Relevanz der Vergangenheit zu reflektieren – ein gemeinsames Erinnern gegen das Vergessen.




























