Acht Menschen mit Beeinträchtigungen leben in der Außenwohngruppe der Villa Keller

Dorsten. Es ist wuselig, als ich in der Außenwohngruppe an der Bernhardstraße eintreffe und meine Körpertemperatur gemessen wird. Acht Menschen mit Beeinträchtigungen, Betreuer Marco und die Leiterin der Villa Keller sowie der dazugehörigen Außenwohngruppe, Petra Neuhaus, begrüßen mich – natürlich auf Abstand – mit Mund-Nasen-Schutz!

Martina muss noch eben den Müll rausbringen, Katharina und Petra möchten wissen, ob wir auch ein Foto machen. Ich bin angetan, nicht nur von der herzlichen Begrüßung, auch von den ersten Eindrücken des Zusammenlebens. Zu Beginn des Termins einigen wir uns darauf, uns zu duzen.

Im Jahr 2006 wurde der Neubau mit drei Wohneinheiten an der Bernhardstraße fertiggestellt. Im Erdgeschoss gibt es eine Wohneinheit für vier, im Obergeschoss zwei Wohneinheiten für je zwei Personen. Zusätzlich befindet sich im Erdgeschoss ein kombinierter Küchen-, Ess- und Wohnbereich.

Petra Neuhaus leitet die Villa Keller und die dazugehörige Außenwohngruppe.

Hier treffen sich Martina, Michael, Katharina, Stephanie, André, Peter, Petra und Brigitte am Wochenende. Hier essen sie gemeinsam zu Mittag. Ansonsten gehört dieser Bereich zur Wohneinheit des Erdgeschosses. Die Einkäufe für das Mittagessen besprechen die Bewohner gemeinsam. Gekocht wird abwechselnd von jeweils einer Person unter Anleitung und Begleitung eines Mitarbeiters. Frühstück und Abendessen nehmen die Bewohner in ihrer kleineren Wohngruppe ein.

Villa Keller: Viel Selbstständigkeit wie möglich – soviel Hilfe wie nötig

Auch sonst leben die Bewohner nach dem Motto „So viel Selbstständigkeit wie möglich – soviel Hilfe wie nötig“. Zwei Heilerziehungshelfer sind abwechselnd werktags von 6:00 bis 7:30 Uhr und von 15:00 bis 20:00 Uhr sowie am Wochenende von 12:00 bis 19:00 Uhr vor Ort. Weitere Unterstützung leistet eine hauswirtschaftliche Begleiterin.

„Die hilft allerdings nur bei der Reinigung und das auch nur unterstützend, denn auch hier sollen sich die Bewohner lernen, sich ständig zu verbessern“, weist Petra Neuhaus noch einmal auf das hohe Maß an Selbstständigkeit der Bewohner hin.
Stephanie erklärt mir, dass die Dienste hier wochenweise aufgeteilt werden. Der eine kocht, der andere ist für den Hausmüll zuständig und der nächste muss, zumindest während der Saison, die Wiese im Außenbereich mähen.

Ohne zeitliche Begrenzung im betreuten Wohnen leben

„Alle haben hier Aufgaben. Wir sind ja kein Hotel. Jeder muss gemessen an seinen Möglichkeiten Aufgaben und Arbeiten übernehmen“, so Petra Neuhaus. Denn das Ziel ist ganz klar definiert: Menschen mit Beeinträchtigungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten und fördern! Der Weg führt aber nicht unbedingt in ein eigenständig geführtes Leben mit eigenem Hausstand. „Das müssen sich die Bewohner zunächst einmal selber wünschen“, so Neuhaus. „Sie können aber ihr Leben auch ohne zeitliche Begrenzung in der Wohngruppe leben!“

Katharina ist glühender Schalke 04 Fan.

Nun wird es Zeit für das Foto. Alle freuen sich darüber, dass wir einen Bericht über die Außenwohngruppe der Villa Keller veröffentlichen möchten und wollen unbedingt mit aufs Foto. Sie alle haben sich extra einen Tag Urlaub genommen, denn ansonsten arbeiten sie in der Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung in Wulfen.

Dort bekommen Sie auch unter der Woche ein Mittagessen und müssen hierfür nur am Wochenende sorgen. „Das ist auch gut so“, verrät mir Peter, „denn so bleibt unter der Woche mehr Freizeit übrig.“ Peter sagt das nicht ohne Grund, hat er doch gleich ein ganzes Repertoire an Hobbys. Fußball, Stricken, Musik, Keyboard spielen oder mit Freundin Petra lange Spaziergänge machen, Peter nutzt seine Zeit voll aus.

Peter hat die meisten Hobby der Bewohner. Fußball Stricken,
Keyboard spielen sind nur eine kleine Auswahl.

Einige Bewohner besuchen VHS-Kurse und auch im Kirchenkreis der Gemeinde sind die Bewohnerinnen und Bewohner integriert. Im Sommer freuen sich alle, im Garten mitarbeiten zu können. „Wir haben Gemüse im Hochbeet gezüchtet, das konnten wir anschließend für unser Mittagessen verwenden“, sagt Michael und André ergänzt, dass die Rasen- und Beetpflege genauso dazugehören wie das gemeinsame Grillen.

Ein weiteres Highlight sind die Frauenkulturtage. Bereits seit sieben Jahren beteiligen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Villa Keller sowie der dazugehörigen Außenwohngruppe mit einem Theaterstück zum jeweiligen Thema der Frauenkulturtage. „Daran haben die Bewohnerinnen und Bewohner immer große Freude dran“, weiß Petra Neuhaus.

Gelebtes nachbarschaftliches Miteinander

Nach anfänglicher vorhandener Skepsis sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Außenwohngruppe auch in der Nachbarschaft angekommen. „Heute wird ein nachbarschaftliches Miteinander gelebt“, freut sich Petra Neuhaus. Der Standort im Stadtteil Holsterhausen ist passend gewählt. Einkaufsmöglichkeiten sind in unmittelbarer Nähe ausreichend vorhanden und auch in die Natur, vielleicht für einen gemeinsamen Spaziergang, ist es nicht weit. „Hier fühlen wir uns alle wohl“, so Petra Neuhaus, die seit über zehn Jahren die Villa Keller mit der dazugehörigen Außenwohngruppe leitet.

Das konnte auch ich während meines 90-minütigen Besuches feststellen. Es war über den gesamten Zeitraum des Zusammenseins zu spüren, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner hier zu Hause fühlen. Die Geschichte zu schreiben hat mich begeistert. Ich bin froh, die Bewohnerinnen und Bewohner ein wenig kennengelernt zu haben und hoffe, dass Martina, Michael, Katharina, Stephanie, André, Peter, Petra und Brigitte sich freuen, wenn sie ihre Geschichte in unserem Magazin entdecken.

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Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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