Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg. „Zum Glück“, denkt sich jetzt vielleicht der eine oder andere Leser und hat dabei seine unliebsame Verwandtschaft im Kopf, die sich bei ihm einquartiert hat. „Schade“, denken sicher die zahlreichen Naturfreunde, die das Paar gerne am Horst beobachten. Die Rede ist vom ersten Storchenpaar in Dorsten, das sich vor einigen Jahren niedergelassen hat. Aus zwei Brutpaaren im Jahre 1987 in ganz NRW sind mittlerweile über 200 geworden. Ein Erfolg diverser Naturschützer.
Das ganze Jahr über Geld im Portmonee
Achten Sie darauf, dass Sie Bares in der Hosentasche haben, wenn Sie die ersten Störche im Jahr sehen. Es heißt, dann haben Sie auch für den Rest des Jahres immer genug Geld zur Verfügung. Nach Ausweisung der Weideflächen im Hervester Bruch als Ausgleichsflächen für die Umgehungsstraße ums Dorf, errichtete der dortige Heimatverein im Jahr 2001 eine Nisthilfe für Störche. Bereits ein Jahr später nahmen die ersten Störche, von den Hervestern Werner und Luise getauft, den Horst an. Unterscheiden können Sie Störche und Reiher, die ebenfalls in Dorsten anzutreffen sind, am Flugbild. Reiher biegen ihren Hals s-förmig, Störche fliegen dagegen mit ausgestrecktem Hals.
Naturschutzgebiet Hervester Bruch
Der Kreis Recklinghausen wies das Gebiet als Naturschutzgebiet aus und ließ durch den Heimatverein Parkplätze und Plattformen errichten. Rote Fahrbahnmarkierungen rund um das Naturschutzgebiet sollen verhindern, dass motorisierte Naturfreunde quasi direkt bis ans Nest fahren. Leider „übersehen“ das jedoch immer wieder einige Mitmenschen, getreu dem Motto: „Sicher will ich zurück zur Natur, aber doch nicht zu Fuß!“
Jedes Jahr aufs Neue fliegt das Storchenpaar den vom Heimatverein weiterhin gepflegten Horst an und brütet dort. Störche sind nicht nur dem Partner, sondern auch ihrem Standort treu. Und so kann man von einer der hölzernen Plattformen mit großer Wahrscheinlichkeit jedes Jahr im Juni/Juli die Jungstörche mit bloßem Auge im Nest erkennen.
Zurück aus Afrika
Im Frühjahr verlassen die Vögel ihre Winterquartiere in Afrika oder mittlerweile auch in Südspanien und machen sich auf den langen Flug in ihre Brutgebiete. Nahrung finden sie dort im Winter auf Müllhalden mehr als genug. Bei uns besteht ihre Nahrung hauptsächlich aus kleinen Tieren wie Fröschen, Mäusen, Schlangen, Insekten und auch Aas verschmähen sie nicht. Dieses Futter finden sie gewöhnlich auf feuchten Wiesen und an Teichen. Jedoch wird ihr Lebensraum immer weiter eingeschränkt, sodass Meister Adebar bereits 1984 und 1994 zum Vogel des Jahres in Deutschland gewählt wurde und damit als gefährdet galt.
Der Storchenbiss
Warum freuen wir uns eigentlich, wenn wir Störche sehen? Ciconia ciconia, so der lateinische Name des Storches, ist besser unter dem Namen „Meister Adebar“ bekannt. „Auda“ bedeutet im Hochdeutschen Glück, „bera“ drückt aus, dass etwas gebracht wird: Adebar, der Glücksbringer. Junge Paare mit Nachwuchswünschen hoffen auf ein kleines Bündel, das ihnen der Storch vor die Türe legt. Andere hingegen sind wahrscheinlich froh, dass der Storch so weit entfernt auf dem Nest sitzt und ihnen so nicht ins Bein beißen kann.
Aber Spaß beiseite, die Mär vom Baby-Boten hält sich ziemlich hartnäckig, genauer gesagt seit dem 18. Jahrhundert. Selbst der Disney-Elefant Dumbo wird vom „Klapperstorch“ zu Mrs. Jumbo ins Zirkuszelt getragen – allerdings mit etwas Flugverspätung aufgrund des erheblichen Gewichtes des kleinen Dickhäuters im Schnabel.
Wenn Sie die Langbeiner noch in diesem Jahr zu Gesicht bekommen möchten, dann wird es Zeit, sich Richtung Horst zu begeben. Denn so langsam machen sie sich wieder bereit für den wochenlangen Flug in den Süden. Und bis Sie dann wieder das laute Schnäbelklappern hören können, mit dem sich die Partner begrüßen, vergeht wieder mehr als ein halbes Jahr.




























