
Wortschätze: Mit ihrem Debütroman „Der Nachtzirkus“, 2012 auf Deutsch erschienen, gelang der Autorin Erin Morgenstern auf Anhieb ein Welterfolg. Acht Jahre später ist jetzt ihr zweiter Fantasy-Roman „Das sternenlose Meer“ mit 640 Seiten im Blessing Verlag herausgebracht worden. In den USA landete „The Starless Sea“ auf Platz 3 der Bestsellerliste.
Wer „Der Nachtzirkus“ gelesen hat, wird merken, dass Erin Morgenstern nach wie vor eine märchenhaft-fantastische Erzählkunst präsentiert. Auch in „Das sternenlose Meer“ schließt Morgenstern ihren Lesern eine Tür zu einer anderen Welt auf. Darin erzählt die 41-Jährige eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Von Spielen, die Phantasie und Wirklichkeit zusammenbringen. Von Bienen. Vom Eulenkönig. Vom Sohn der Wahrsagerin.

Protagonist ist Zachary Ezra Rawlins, der in einer Universitäts-Bibliothek das Buch „Süßes Leid“ von einem unbekannten Autor entdeckt. Damit flammt ein Erlebnis in seiner Erinnerung auf: Wie er als Kind vor einer gemalten Tür stand – sie aber nicht öffnete. Das hielt er geheim. Keiner konnte es wissen. Dennoch steht es da im Buch.
Wortschätze: Das sternenlose Meer
Er war ein Junge vor dem Beginn einer Geschichte, die er selbst noch nicht kannte, in der er erst jetzt als Student sein Schicksal suchen wird – und am Ende um die Liebe seines Lebens kämpfen muss. Auf dem Weg begegnet Zachary Geschichtenerzähler Dorian und Mirabel, die ihn begleiten. Seine Kontrahentin ist Allegra, die mit ihrem Club der Sammler alle Türen zerstören will, die in die unterirdische Welt am sternenlosen Meer führen. Der Grund: Allegra hat gesehen, was passieren wird, will die Zukunft verhindern.
So begibt sich der Leser mehr und mehr in eine Welt zwischen Mut und Zweifel, „Schicksal und Zeit“, „Geschicke und Fabeln“, Mond und Sonne und Sternen. Geschickt verdichtet, verwebt und verändert die Autorin die einzelnen Erzählstränge. Ihr Schreibstil ist mal prägnant. Mal mit langen Sätzen gespickt. Erin Morgenstern lässt Bilder in den Köpfen entstehen. In einer unterirdischen Welt, in der die Bücher still ihre Geschichten flüstern, die von einem Hüter und anderen bewacht und geschützt werden. Zeiten verschwimmen. Zwischenspiele fädeln weitere Geschichten ein.
Wortschätze bilden ein Meer aus Poesie
Mit ihrer Erzählung nimmt Morgenstern die Leser Seite für Seite mit über ein Meer aus Poesie, erschaffen durch Worte. Zwischendurch geht die studierte Kunst- und Theaterwissenschaftlerin auf die Struktur und den Kern von Geschichten ein. Mit Metaphern, Märchen und Mythen. Vielleicht verrät sie hie und da ein Stück weit ihr Geheimnis. So schreibt sie an einer Stelle: „Ich habe Teile davon gefunden und mir zu den restlichen Teilen die Geschichte erzählt und irgendwann waren sie eins, die gefundenen Teile und die Geschichtenteile.“ So arbeitet Erin Morgenstern Schritt für Schritt einzelne Erzählstränge bis zum Finale ein, in dem alles zusammenkommt. Am Ende bleibt so manches hinter den Worten verborgen – und so gibt hier nicht jede Geschichte ihr Geheimnis preis. Sie schreibt von Dingen, die ausgesprochen werden und von Dingen, die unerklärt bleiben.
Das sternenlose Meer
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Karin Will
Originaltitel: The Starless Sea
Originalverlag: Doubleday
Hardcover mit Schutzumschlag, 640 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-89667-657-3
Erschienen am 25. Mai 2020
Zur Autorin

Erin Morgenstern, geboren 1980, hat Theaterwissenschaften studiert und mit ihrem Debütroman „Der Nachtzirkus“ einen Welterfolg gelandet, der in 37 Sprachen übersetzt wurde. Mit ihrem zweiten Roman „Das sternenlose Meer“ kehrt Erin Morgenstern auf die Bühne des magischen Erzählens zurück. Erin Morgenstern ist verheiratet und lebt in Massachusetts. www.erinmorgenstern.com
Titelfoto: André Elschenbroich




























