Die Zigarre durfte nicht fehlen, als Ludwig Erhard persönlich im Sommer 1958 nach Wulfen kam. Er versprach den Wulfenern ein Projekt, das hundert Jahre lang Wohlstand und technologischen Glanz in ihre Gemeinde bringen sollte. Allerdings platzte der Traum schon bald, und erst 1964 begann der Abbau.
Dass unter den münsterländischen Feldern reiche Kohlevorkommen schlummerten, wusste man auch im Ruhrgebiet schon lange. Der Mühlheimer Montanmogul Hugo Stinnes hatte sich schon 1905 die Schürfrechte an dem Kohlenfeld gesichert. Ein kluger Schachzug, vermutete man doch in der Tiefe das größte Steinkohlevorkommen im ganzen westlichen Deutschland – es erstreckte sich auf über 40 Quadratkilometern.
Probebohrungen mitten im Zweiten Weltkrieg
Die Ausbeutung des schwarzen Goldes erlebte Hugo Stinnes aber nicht mehr. Erst ab 1941, also während des Zweiten Weltkrieges, kam das Projekt wieder in Fahrt. Während die Wehrmacht in Russland einmarschierte, wurden die ersten Probebohrungen in Wulfen vorgenommen. Fünfmal senkten sich die Erkunder in den Boden, bevor der verlorene Krieg alle weiteren Pläne vorerst zunichte machte. Dennoch gerieten sie nicht in Vergessenheit. Die boomende Wirtschaft der frühen Nachkriegszeit verlangte nach Energie, und damit wurde auch die Ausbeutung des Wulfener Kohlefeldes wieder zu einem attraktiven Projekt.
Zeche Wulfen sollte das Dorf in die Zukunft katapultieren
Und es handelte sich hier um keine Kleinigkeit. Nicht weniger als 12.000 Tonnen Kohle sollten jeden Tag gefördert werden, 9000 Arbeitsplätze entstehen – ein Bergwerk, noch größer als die Essener Zeche Zollverein. Quasi aus dem Nichts sollte Wulfen zu einer Stadt mit 50.000 Einwohnern aufsteigen und eine blühende Heimat für die Bergleute und ihre Familien werden.

Feierlicher Teufbeginn mit prominenten Gästen
1957, im „goldenen Jahr“ des westdeutschen Steinkohlebergbaus, wurden die ersten Türme gestellt, und schon im nächsten Jahr sollte der feierliche Teufbeginn stattfinden. Das kleine Dorf und seine rund 3400 Einwohner hatten sich schon am Wochenende vor dem großen Ereignis herausgeputzt: Nicht nur wurden am Montag, dem 23. Juni 1958, so viel Prominenz erwartet, wie es Wulfen wohl zuvor noch nicht erlebt hatte, sondern es war auch das Wochenende des 125. Jubiläums des Schützenvereins.
Zur prächtigen Parade kamen auch die Knappen der Stinnes AG, um das neue Zeitalter des Bergbaus einzuläuten. Und so waren mit dem kommenden Tag auch große Hoffnungen verbunden. Bei schönstem Sommerwetter trafen die hohen Herrschaften ein: NRW-Wirtschaftsminister Hermann Kohlhase, Stinnes-Vorstand Heinz Kemper, der Bischof von Münster und schließlich der Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard. Der spätere Kanzler sprach von den großen Möglichkeiten des Kohlebergbaus für Wulfen. Hundert Jahre lang sollte das Bergwerk fördern – doch daraus wurde nichts.

Erst 1964 begann der Abbau in Wulfen
Noch vor der Fertigstellung war klar, dass der Ausbau zur Großanlage niemals geschehen würde – zu sehr schlitterte der deutsche Bergbau bereits in die Krise. 1964 wurde der Abbau in viel kleinerem Rahmen begonnen, ab 1981 baute man die Kohle von Fürst Leopold in Hervest aus ab. Im Jahr 2000 wurde das Bergwerk dann endgültig stillgelegt. Seit 2023 befindet sich auf der ehemaligen Zechenfläche das neue Gewerbegebiet Große Heide mit den Firmen Levi Strauß und Bolz.




























