Die Boni Singers aus Dorsten – Auch Schwester Paula (Tisa von Schulenburg) fand Gefallen an der Musik und den Texten der Boni Singers.

2000 starteten die Boni Singers als „Boni Singers Revival“ neu durch. Spielten die Musiker bis Ende der 70er-Jahre noch live, sangen die Boni Singers ein paar Jahre weiter mit Play Back, nun unter der Leitung von Claudia Salamon.

Der Aufschrei in der Gemeinde war groß, als die Boni Singers zum ersten Mal die Messe in St. Bonifatius mit Songs aus der Hitparade und eigenen Texten begleiteten.

Das ist jetzt mehr als 50 Jahre her, der erste Aufschrei ist verstummt, zahlreiche Fans sind den Boni Singers jedoch bis heute geblieben.

Boni-Singers
Erinnerungen an die Anfänge der Boni Singers. Foto: Privat

„Ich glaube, diese Welt müsste groß genug, weit genug, reich genug für uns alle sein“ (Udo Jürgens)

Daran, wie groß dieser Schock in der Gemeinde war, erinnern sich die 13 Sängerinnen und Sänger des Chores, die noch gemeinsam dort singen, sehr gut. Birgit und Friedhelm Naujoks sowie Petra und Heinz Hemig stöbern heute gemeinsam mit Lambert Lütkenhorst in alten Fotos.
Lambert erinnert sich: „Papst Johannes XXIII lud am 11. Oktober 1962 die Weltkirche zum Zweiten Vatikanischen Konzil ein. Es endete unter seinem Nachfolger Paul VI. am 8. Dezember 1965, Ziele waren die Erneuerung und Öffnung der katholischen Kirche.“

Boni Singers
Foto privat: The Little Nightmusicians (1972)

Ein Novum in den Kirchen

Wurden bis dahin Messen vom Pfarrer mit dem Rücken zur Gemeinde in lateinischer Sprache abgehalten, so sollten sie nun in der „Sprache der Herzen“, in der Sprache, die in der Region gesprochen wurde, abgehalten werden.
Und exakt in dieser Zeit des Umbruchs trauten sich Kaplan Bernhard Liesner sowie Winfried Werner etwas, das es bis dahin in Dorsten noch nie gab: Sie gründeten 1969 den Chor „Die Boni Singers“ und untermalten die Messen mit aktuellen Liedern der damaligen Jugendlichen. Begleitet wurden sie dabei von der Tanzkapelle „The Little Nightmusicians“.

Boni-Singers
Foto: privat

Samstags Tanzmusik, sonntags Messe

Samstagabends spielten sie zum Tanz auf, zur Vorabendmesse bzw. sonntagmorgens begleiteten sie dann als „Kleine Nachtmusiker“ die Boni Singers. Ob Lieder der Beach Boys, Beatles oder auch von Udo Jürgens, die Texte wurden auf Deutsch, später auch in Englisch, mit religiösem Inhalt neu geschrieben und waren durchaus kritisch. Ein absolutes Novum damals, das manchmal sogar Beschimpfungen von Gottesdienstbesuchern nach sich zog.

Mit „Surfing USA“, „Then i kissed her“ und „Help me Ronda“, unterlegt mit deutschen Texten wie „Komm, komm mit uns und zeige uns den richtigen Weg“, kam allmählich Bewegung in die Messen und immer mehr Katholiken trauten sich, sich im Rhythmus der Songs zu bewegen am Ende des Liedes, wenn auch anfangs noch zaghaft, sogar zu klatschen.

Die neue Freiheit

Die Mitglieder der Boni Singers kannten sich untereinander bereits von den regelmäßigen Aufenthalten im Jugendheim an der Olbergstraße. „Das war für uns junge Leute damals eine aufregende Zeit“, blickt Heinz zurück, der ebenso wie Lambert im Internat groß wurde. Beide, wie auch Friedhelm, wurden streng katholisch erzogen.

Tägliche lateinische Messen und Andachten im Kloster bestimmten stark das Leben der damaligen Twens. „Und dann kam plötzlich eine ganz neue Freiheit auf uns zu“, erwähnt Friedhelm und alle Anwesenden stimmten zu. Schmunzelnd war daraufhin jeder für kurze Zeit in seinen Gedanken an frühere Zeiten versunken.
Franz Timmermann, der damalige Leiter des Chores, wollte mit seinem Chor, mit seinen Liedern und Texten die Jugend erreichen. „Neben den musikalischen Begleitungen in den Kirchen der Umgebung waren wir zu Auftritten in ganz Deutschland, England und Italien unterwegs“, erinnert sich Petra.

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Ehrenamtsgala der Stadt Dorsten von 2014. Foto: Privat

725 Jahre Dorsten

Auch Schwester Paula (Tisa von Schulenburg) fand Gefallen an der Musik und den Texten der Boni Singers. Das Flüchtlingsthema sowie Gerechtigkeit und Solidarität waren stets ihre Themen, die sie ein Leben lang begleiteten. „Wir spielten daraufhin zu jedem ihrer runden Geburtstage“, freut sich heute noch Lambert Lütkenhorst über die Ehre, die ihnen zuteilwurde. „Schwester Paulas Idee zu einem Jubiläumssong zum Stadtjubiläum im Jahre 1976, setzten wir im Tonstudio mit Unterstützung der Philharmonia Hungarica um“.

Die Schallplatte „Unsere alte Stadt ist jung“ zum 725-Jahres-Jubiläum der Stadt Dorsten ist ein Höhepunkt des Chores.
Spielten die Musiker bis Ende der 70er-Jahre noch live, sangen die Boni Singers ein paar Jahre weiter mit Play Back, nun unter der Leitung von Claudia Salamon. Studium, Beruf und Familie sorgten dafür, dass alle eine Pause einlegten, um dann 2000 als „Boni Singers Revival wieder durchzustarten. Nach dem Tod von Franz Timmermann übernahm Wolfgang Kob die musikalische Leitung.

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(v. l.) Friedhelm und Birgit Naujoks, Lambert Lütkenhorst sowie Petra und Heinz Hemig haben noch immer viel Freude am gemeinsamen Singen. Foto: Christian Sklenak

Der Neustart

Wie es zu dem Neustart kam? Mit den Fragen „Weißt du noch?“ und „Wollen wir mal wieder?“, steckte Heinz Hemig die Jubiläumsschallplatte in die Briefkästen der ehemaligen Boni-Sängerinnen und -Sänger. Und die meisten Ehemaligen wollten. „Es macht uns nach all den Jahren immer noch riesigen Spaß mit alten Freunden zu singen“, bringt es Birgit am Ende auf den Punkt.

Die alte Aufnahme mit dem Jubiläumssong und einige alte und neue Werke des Chores hat Lambert Lütkenhorst unter „Opa LL“ auf seinem You-Tube-Kanal eingestellt. Reinhören lohnt sich!

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Martina Jansen
Hallo, ich bin Martina Jansen. Meine Heimat ist das Monatsmagazin „Lokallust“, aber da wir mit den „Heimatmedien“ eng zusammenarbeiten, richte ich mich seit einiger Zeit nun auch hier als freie Mitarbeiterin häuslich ein. Als nicht gelernte Redakteurin schreibe ich aus dem Bauch heraus und lasse dabei unbewusst, gerne aber auch ganz bewusst, redaktionelle Regeln aus. Soll heißen: Ich schreibe so, dass ich auch verstanden werde. Gerne treffe ich mich mit Menschen aus Dorsten, Schermbeck oder Raesfeld, die ein verrücktes Hobby haben, ehrenamtlich tätig sind oder einfach „gut drauf“ sind, also mit Menschen wie du und ich und bin jedes Mal darauf gespannt, welche Geschichte am Ende dabei herauskommt.

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