Glosse von Anke: Der Alltag ist schon ernst genug. Deswegen serviert die Dorstenerin Anke Klapsing-Reich zum Wochenende eine Portion Heiterkeit. Diesmal jedoch etwas Besinnliches!
Vergnügliche Episoden aus dem Berufs- und Familienleben. Denn mit einem Lächeln geht gleich alles leichter.
Stochern auf dem Neckar
Oha – das schmale Flachboot senkt sich bedenklich auf die „Backbord-Seite“. Da muss der „Kapitän“ zügig Vorsorge gegen drohendes Kentern treffen: „Könnte das Pärchen auf den hinteren gegenüberliegenden Plätzen bitte einmal die Sitze tauschen?“, weist er die Mannschaft an. Leichter gesagt, als getan: Der dickbäuchige Herr kommt mächtig ins Wanken, als er sich vorsichtig von der Holzbank hochwuchtet, um auf schwankenden Planken mit seiner zierlichen Partnerin „Bäumchen Wechsel Dich“ zu spielen.
Wie ein venezianischer Gondoliere
Stocherkahnfahrten auf dem Neckar haben in Tübingen eine lange Tradition und gehören zu den Besonderheiten, die kein Tourist auslassen sollte. So lassen auch wir uns von dem Stocherer (so heißt der Bootsführer wahrhaftig!) über den träge dahinfließenden Neckar chauffieren. Wie ein venezianischer Gondoliere steht er am Ende des Kahns und stößt ihn mit einer bis zu sieben Meter langen Holzstange vom Grund des flachen Flusses vorwärts. Eine schweißtreibende Angelegenheit, vor allem, wenn es gegen die Fließrichtung geht.
Trotzdem bleibt unserem gut trainierten Stocherer noch genügend Luft für Erklärungen. Und so erfahren wir, dass ursprünglich Neckarfischer mit dem Tübinger Stocherkahn fuhren, und dass Stocherkahnfahren seit langem zur studentischen Kultur der Universität gehöre. So seien auch die meisten Kähne im Besitz von Studentenverbindungen. Der weitaus kleinere Teil werde gewerbsmäßig von zertifizierten „Stocherern“ betrieben, wie auch er schon seit vielen Jahren einer sei.
Die Stange bleibt beim Mann
Auch auf die neugierigen Fragen der Mitfahrer weiß er Antwort: „Ist schon mal einer über Bord gegangen?“, will mein Nachbar wissen. „Bei mir natürlich noch nie!“, behauptet der Tübinger Gondoliere augenzwinkernd. „Und was passiert, wenn der Staken mal ins Wasser fällt?“ Dann dürfe nur der Stocherer selbst die Stange wieder aus dem Wasser holen, zitiert der amüsante Schiff-Chauffeur zur Freude seiner Fahrgäste das ungeschriebene Gesetz der eingeschworenen Tübinger Stocherer-Gemeinde: „Die Stange bleibt beim Mann!“




























