Im Bereich der alten Lippebrücke Hervest ist eine breite Schneise in den angrenzenden Wald geschlagen worden. Auch wenn es anders wirkt: Auf Naturschutz wurde hier durchaus geachtet.
Auf den ersten Blick wirkt das südöstliche Ufer neben der Lippebrücke Hervest in diesen Tagen recht wüst und traurig. Eiskristalle glitzern auf Sägespänen, Baumstümpfe ragen aus dem von schweren Maschinen zerfurchten Boden, und Haufen von Ästen und Stämmen liegen scheinbar wahllos durcheinander. Haben hier rohe Kräfte ein planloses Baum-Massaker angerichtet?

Umfeld der Lippebrücke Hervest „besonders schützenswert“
Dieser Anschein trügt, denn tatsächlich achteten die Planer hier sehr genau auf den Naturschutz. „Die Lippebrücke Hervest liegt in einem besonders schützenswerten Gebiet“, betont Regina Thümmler vom Fachdienst Tiefbau beim Kreis Recklinghausen. Um die marode Brücke aber ersetzen und damit ein lästiges Nadelör für den Verkehr in Dorsten beseitigen zu können, muss zunächst ein Baufeld entstehen. Dazu war es nötig, einen Streifen des angrenzenden Waldes zu roden. Anders als früher durchaus üblich, wurde dabei aber nicht nach dem Prinzip „Viel hilft viel“ vorgegangen. Längst habe sich auch im Bauwesen der Umweltschutzgedanke durchgesetzt, versichern die Planer.
„Darum gelten für die Arbeiten für die Herstellung der Behelfsbrücke und den Bau der künftigen Brücke auch besonders hohe Anforderungen, um Pflanzen und Tiere möglichst wenig zu beeinträchtigen“, erklärt Thümmler. Der von Trockenheit und Klimawandel ohnehin schon gestresste Wald und seine tierischen Bewohner sollten nicht mehr belastet werden, als unbedingt nötig.

Baumhöhlen und Tiere monatelang dokumentiert
Dazu wurde die Untere Naturschutzbehörde in die Planung eingebunden. Ein Fachgutachter für Umweltplanung war bereits im vergangenen Jahr über Monate vor Ort präsent. Jeder Baum wurde auf Höhlen untersucht, in denen gefährdete Tiere nisten können. Eine detaillierte Karte entstand, die alle möglichen Bruthöhlen verzeichnete. Stundenlang und zu verschiedenen Jahreszeiten beobachteten Experten die Tier- und Pflanzenwelt vor Ort: Welche Arten leben nahe der Brücke? Worauf muss man Rücksicht nehmen?
Zeit war ein kritischer Faktor
Auch die Zeit war ein kritischer Faktor. Wenn am 1. März die Schutzzeit beginnt, sind größere Eingriffe in Gehölzbestände nicht mehr erlaubt. Das ist im Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März 2010 geregelt, das vor allem Vögel während der Brutzeit, aber auch Kleintiere wie Fledermäuse schützen soll. Da man aber die Natur nicht wochenlang mit Kettensägenlärm belasten wurde, rollten vor wenigen Tagen schwere Maschinen an. So kam die Arbeit in kurzer Zeit zum Abschluss. Im Laufe des Jahres können auf dem nun gerodeten Baufeld dann die ersten Arbeiten für den Ersatzbau der Lippebrücke Hervest beginnen.




























