Die Dorstener Schriftstellerin Dörthe Huth schreibt Bücher rund um die Lebensfreude, Geschichten, Gedichte und mehr. Sie ist eine exzellente Beobachterin und Erzählerin. Für Dorsten-Online macht sie sich auf Erkundungsgänge durch unsere Heimat.
Am Nachmittag legt der Regen eine Pause ein. Vereinzelte Sonnenstrahlen wagen sich durch die Wolkendecke und ich nutze die Zeit für einen Spaziergang am Blauen See. Frische Luft tanken, die Natur genießen, abschalten. Der Rundweg führt zwischen Bäumen und Sträuchern entlang, zur Linken der See, zur Rechten der Bach. Ringsumher die braunschattierten Farbtöne des ausklingenden Winters. Meine Wahrnehmung öffnet sich zunehmend für die Details, für Farben, Formen und Gerüche.
Frühlingswispern am Blauen See
Bäume und Sträucher tragen noch Reste ihres getrockneten Blätterkleides vom letzten Jahr. Rissig und spröde hat das Laub Wind und Wetter getrotzt und sich erfolgreich vor der Trennung gedrückt. Es ist aber nur noch ein letztes Aufbäumen, bis alles Alte verdrängt wird und das letzte Blatt loslässt. Frische Knospen besetzen schon so manchen Zweig neu. Und so liegt in der feuchten Luft auch ein Geruch zwischen Fäulnis und Erneuerung. Ein Frühlingswispern, das schon bald volle Fahrt aufnimmt.
Das leichte Rauschen des Bachlaufs ist von rechts zu hören und im Unterholz davor herrscht reges Treiben. Vögel sind auf der Suche nach geeignetem Material für den Nestbau und scharren das auf dem Boden liegende Blattwerk laut umher. In unregelmäßigen Abständen trommelt im Hinterland ein Specht gegen einen Baum. Trotz aller Bemühungen ist er nicht auszumachen.
Das Leben pulsiert
An der Nordseite wird der Weg schlechter. Wurzeln quälen sich durch die Asphaltdecke, die an vielen Stellen um den See herum aufgeplatzt ist. Zwei ältere Damen jonglieren mit ihrem Rollator um die Hindernisse und sind froh, sich auf einer Bank niederlassen zu können. Das Surren von Automotoren dringt von der Straße herüber, Schritte eines vorbeihastenden Joggers hallen noch eine Weile nach und das Lachen zweier Kinder auf ihren Rollern fliegt durch die Luft. Das Leben pulsiert.

Von der Aussichtsplattform aus eröffnet sich das Panorama des Blauen Sees von Ufer zu Ufer. Unter mir fließt der Hammbach ein, ist aber heute nur ein Rinnsal. Eine Weile sehe ich den wenigen Wasservögeln zu, die sich zeigen. Blesshühner schwimmen in kleinen Gruppen vorbei und halten großem Abstand voneinander. Sie tauchen ins Wasser und suchen nach Futter, um das sie sich hin und wieder lauthals zanken.
Vorboten des Frühlings
Auf dem Rest des Weges halte ich nach weiteren Frühlingsboten Ausschau. Neben dem dominierenden Braun der Sträucher zeigen sich an einigen Zweigen bereits zarte blassrosa Blütenansätze. Zwischen den aufgeschotterten grauen Anglerstellen gedeiht das frische Grün aufkeimender Gräser. Dazu gesellen sich die violetten Farbtupfer der purpurroten Taubnessel, die den Weg in kleinen Verbünden säumt. Währenddessen zirpt eine Kohlmeise in einem hypnotischen Vier Vierteltakt vor sich hin. Ich genieße all diese Vorboten des auflebenden Frühlings.
Nach etwa 45 Minuten stehe wieder am Ausgangspunkt. Ein letzter Blick auf den Blauen See beschließt die Runde und lässt mich wieder einmal über die kleinen und großen Veränderungen staunen, die sich bei jedem neuen Spaziergang um den Blauen See offenbaren. Wieder einmal wird mir bewusst, dass sich die Natur nicht nur in der Wildnis zeigt, nicht nur im Außergewöhnlichen, sondern auch im Alltäglichen, gleich bei uns um die Ecke.
Zur Autorin
Dörthe Huth schreibt Bücher rund um die Lebensfreude, Geschichten, Gedichte und mehr. Die gebürtige Dortmunderin lebt seit vielen Jahren in ihrer Wahlheimat Dorsten. Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS).




























