Bis zum Jahr 2030 soll mit einem nationalen Aktionsplan der Koalition aus SPD, Grünen und FDP die Obdach- und Wohnungslosigkeit überwunden werden. In vier Teilen möchten wir euch die Arbeit der Wohnungslosenhilfe der evangelischen Kirche in Dorsten vorstellen.
Im ersten Teil geht es um Beratungsstelle der Wohnungslosenhilfe. Denn dies ist meist die erste Anlaufstelle für Menschen in Not. Auch wenn die Zahl der Obdachlosen 2021 zurück gegangen ist gibt es sie noch. Den Artikel findet ihr hier: (Obdachlosenzahlen)
Die Arbeit der Einrichtung kann man in vier Bereiche aufteilen.
- Die Beratungsstelle für soziale und rechtliche Belange
- Die Tagesstätte
- Die Initiative „Endlich ein Zuhause“
- Das Ambulant-Betreute-Wohnen

Viele kennen das Haus am Gemeinde-Dreieck in Dorsten und wissen das, dass Rote Kreuz dort seinen Sitz hat. Doch im ersten Stock befindet sich auch die Wohnungslosenhilfe der evangelischen Kirche. Wer hier hinkommt, brauch oft schnelle und unbürokratische Hilfe.
Rechts an dem Hause ist ein unauffälliger Seiteneingang an dem kein großes Schild angebracht. Einzig ein kleines Brett und die Klinge verraten, das hier die Wohnungslosenhilfe zu finden ist. Es ist ein niederschwelliges Angebot. Nach dem Drücken der Klingel summt der Türöffner und man steigt die älteren knarzenden Holzstufen in den ersten Stock empor.

Freundliche Begrüßung
Oben an der Treppe steht Vanessa Greff die Einrichtungsleiterin und begrüßt mich freundlich. Sie bittet herein und sagt, sie hätte grad noch ein wichtiges Telefonat und bräuchte schließlich fünf Minuten. Dabei führt sie mich durch den Flur in die große Küche. Sofort fällt der frische Kaffee-Geruch in dem Raum auf. Nach nicht einmal einer Minute kehrt Greef zurück und bietet einen Kaffee an.
Wir setzen uns an den großen Tisch und Jennifer Dupont kommt zu unserem Gespräch dazu. Dupont kümmert sich um die Verwaltung der Einrichtung. Unverzüglich kommen wir in das Gespräch über die Arbeit der Wohnungslosenhilfe.

Die Arbeit von Greff und Dupont ist vielseitig. Denn jeder Klient ist anders. „Oft kommen die Leute zu spät“, sagt Greff. Denn je früher man ein Problem angeht, je leichter ist es meist zu lösen, führt sie weiter aus. Manche Klienten fragen nach Hilfe der Wohnungslosenhilfe erst einen Tag vor der Räumung der Wohnung. Doch ist eine Räumungsklage ein langes Vorgehen, was meist frühzeitig verhindert werden kann.
Oft geht es um den Wohnungserhalt oder Schulden. Denn die meisten kommen aus prekären Verhältnissen mit geringem Einkommen. Dupont kümmert sich um die Verwaltung und oft merkt sie, dass die Probleme der Klienten komplex sind. „Man darf halt nicht vergessen, hinter jedem Fall steht ein Mensch “, sagt sie. Oft sind es diese komplexen Probleme, die man dann Stück für Stück auseinander puzzeln muss.

Aktive Hilfe
Zum Angebot der Wohnungslosenhilfe gehören auch alltägliche Dinge, die sich oft normal anhören, aber für viele bereits eine große Hürde darstellen. Das Telefonat mit der Krankenkasse oder ein Behördengang. Greff sagt: „Bei viele häufen sich die Probleme oft durch Sucht- oder Geistige-Erkrankungen gefördert“. Ideal ist das die Wohnungslosenhilfe alles aus einer Hand anbietet und so die verschiedenen Bereiche übergreifend zusammen arbeiten können. Oft ist die Wohnungslosenhilfe Dorsten der letzte Halt vor dem Leben in die Obdachlosigkeit. Denn bereits kleine Erfolgsstorys helfen den Betroffenen.
Ein persönliches Schicksal
Ein hartes Leben hat Benno. Der 61. Jährige kämpft sich einige Jahre durch, wie er im persönlichen Gespräch erzählt. Er lebt seit 34 Jahre in Dorsten und 16 Jahre davon lebt er auf der Straße. Mehrere schreckliche Schicksalsschläge hat er in seinem Leben bereits gemeistert. Er studierte in Polen und ist mit befreundeten Roma-Musikern von Polen nach Deutschland gekommen, weil er keine Zukunft für sich in Polen gesehen hatte. Seine Verwandten wohnten in Hervest und so ist er nach Dorsten gezogen.
Er arbeitete als Tischler und Anstreicher für Industrieanlagen. Er lernte seine Frau kennen und wurde zweimal Vater. Bis zu dem Zeitpunkt läuft es glücklich für Benno. Doch seine Frau betrügt ihn mehrere Jahre und an Heiligabend kommt alles raus. Dann gibt es eine erfolglose Aussprache am ersten Weihnachtstag danach. Doch es kommt zur Eskalation und Benno findet für sich keine Lösung mehr.
Nach dem Streit wollte sich Benno an diesem Abend das Leben nehmen. Er betrank sich und schluckte eine ganze Packung Betablocker (Blutdruckmittel). Doch Nachbarn fanden ihm in Garten und riefen den Notarzt.
Danach lief es nicht mehr rund in seinem Leben. Er verrät, dass er den Alkohol trank, um über die Sorgen hinweg zukommen. Immer wieder ging er mit Unterstützung der Wohnungslosenhilfe in Therapie, um zu entgiften und trocken zu werden. Leider scheitern seine ersten Versuche der Entgiftung. Zwischen den Therapien habe er in Notunterkünften für Obdachlosen oder unter verschiednen Brücken oder Parkhäusern in Dorsten übernachtet. Doch aufgeben tut Benno trotzdem nicht.

„Ich wollte nicht mehr der Penner sein!“
In der Corona-Zeit startet er einen neuen Versuch, trocken zu werden. „Ich wollte nicht mehr der Penner sein“, verrät er persönlich im Gespräch über sein Leben. Er beginnt mit einer Langzeittherapie in Warstein und schafft es, sie durchzuhalten. Er sagt, dass er heute eine kleine Wohnung in Dorsten hat und relativ stabil ist. Doch sucht er noch immer die Hilfe der Wohnungslosenhilfe bei Problemen. Benno sagt: „Ohne die Hilfe wäre ich heute wahrscheinlich tot“. Er schlägt sich weiter durch sein Leben durch.
Erfolgsstorys der Wohnungslosenhilfe
Doch es gibt auch Schicksale, die eine Wendung zum guten nehmen. Greffe erzählt mir die Geschichte eines Jugendlichen aus Wulfen- Barkenberg. Der Vater war Alkoholiker und hat den jungen Mann einfach vor die Tür gesetzt. Mit nichts außer seinem Rucksack mit ein paar Kleidungsstücken drin. Er übernachtete illegal auf einer Matratze im Wulfener-Markt bis er Hilfe suchte. Er und das Team der Wohnungslosenhilfe haben sich zusammen bemüht, ihm wieder eine Perspektive fürs Leben zu geben. Step by Step hat Vanessa und ihre Mitarbeiter angefangen, den Jugendlichen unter die Arme zugreifen. Heute hat er einen guten Job im Chemiepark und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Marl.
Im zweiten Teil stellen wir euch die Tagesstätte der Wohnungslosenhilfe Dorsten vor.
Wer mehr über das Angebot der Wohnungslosenhilfe erfahren möchte, findet hilfreiche Informationen und den Kontakt auf der Homepage.
Wer die wichtige Arbeit unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun.
Ihr könnt einfach und schnelle über den folgenden PAYPAL Link online spenden. PAYPAL Spende Wohnungshilfe Dorsten
Oder klassisch über die Bankverbindung
Kontoinhaber: Verband Evangelischer Kirchengemeinden in Dorsten
Geldinstitut: Sparkasse Vest Recklinghausen
IBAN: DE48 4265 0150 0001 6878 62
BIC: WELADED1REK
Betreff: Wohnungslosenhilfe Dorsten
Auch kleine Beträge helfen und ermöglichen Menschen wieder eine Perspektive zu geben.




























